Musikalische Reise in die Weiten Russlands

Oliver Triendl (rechts), Künstlerischer Leiter von Fürstensaal Classix, beim Fachsimpeln mit Ragnar Söderlind, der im vergangenen Jahr als „Composer-in-Residence“ von Publikum und Presse gefeiert wurde. Foto: Tröger

Die Kammermusik Russlands steht im Mittelpunkt der 5. und damit kleinen Jubiläumsausgabe von Fürstensaal Classix 2010. Ab kommenden Montag, 13. September, zeigen die 24 aus Europa und USA zusammenkommenden Musiker unter der Künstlerischen Leitung von Oliver Triendl in täglich öffentlichen Proben wie Profis Stücke erarbeiten. In fünf Konzerten vom 15. bis 19. September präsentieren sie die Ergebnisse ihrer Schaffensfreude.

Bekannte und auch viele unbekannte Namen finden sich unter den 22 russischen Komponisten, die musikalisch spannende Tage erwarten lassen. In diesem Jahr erstmals weiblich besetzt, stellt sich die in London lebende Komponistin Elena Firsova als „Composer-in-Residence“ in öffentlichem Gespräch Fragen zur Musikentwicklung Russlands und natürlich zu ihrem eigenen Werk, aus dem unter anderem eine deutsche und eine europäische Erstaufführung sowie eine Uraufführung zu hören sein werden. Zum Festival nach Kempten begleiten sie ihr Ehemann Dmitri Smirnov und Tochter Alissa Firsova, beides ebenfalls interessante und erfolgreiche Komponisten. Grund für die federführenden Festivalorganisatoren, Triendl und Dr. Franz Tröger, dem Freitagskonzert einen Prolog mit der Komponisten- und Musikerfamilie Firsova-Smirnov voranzustellen. Der KREISBOTE sprach mit dem Künstlerischen Leiter von Fürstensaal Classix und seinem „Composer-in-Residence“ (siehe eigener Artikel) über das in Kürze beginnende Festival. Herr Triendl, zur ersten kleinen Jubiläumsausgabe von Fürstensaal Classix steht die russische Kammermusik im Mittelpunkt. Die Reihe an Komponisten und damit auch Werken, die unbekannt sind und auch nicht auf CD eingespielt wurden, ist diesmal besonders beachtlich. Wie sind Sie darauf gestoßen? Triendl: „Als wir uns entschlossen hatten, nach Tschechien und Polen, Frankreich und Skandinavien dieses Jahr unser Augenmerk auf russische Musik zu lenken, habe ich zunächst einmal in meiner eigenen, recht umfangreichen Bibliothek gestöbert. Bereits dort bin ich auf einige interessante Werke gestoßen, die meiner Meinung nach völlig zu Unrecht in Vergessenheit geraten sind. Indem man ein wenig über die Werke bzw. Komponisten nachliest, kommt man sofort zu den nächsten Entdeckungen. In manchen Fällen ist die Beschaffung des Notenmaterials ein wirkliches Abenteuer. So war die Partitur für das Klarinettenquintett von Lokshin nur in einer Moskauer Bibliothek. Nachdem man mir davon Kopien schickte, ließ ich zuerst einmal das Stimmenmaterial herstellen. Wie es der Zufall haben will, hat der berühmte amerikanische Klarinettist Charles Neidich, der in diesem Jahr als Einspringer zu uns kommt, während seiner Studienzeit in Moskau Lokshin persönlich kennengelernt. Ich werde Charlie bitten, dem Publikum vor der Aufführung am 19. September ein wenig von seiner Begegnung mit dem Komponisten zu erzählen.“ Was waren die Auswahlkriterien? Triendl: „Grundsätzlich versuche ich möglichst viele unbekannte Werke zu finden, diefür das ‘Fürstensaal Classix’-Publikum eine echte Entdeckung darstellen. Hauptkriterium, ein Werk in das Festivalprogramm aufzunehmen, ist natürlich immer eine außerordentliche kompositorische Qualität. Da in Kempten immer eine Vielzahl von Musikern anwesend ist, ist es bei uns möglich, auch Werke in eher ungewöhnlichen Instrumentalkompositionen vorzustellen. Dieses spezielle Repertoire macht unser Festival so einzigartig und dafür – natürlich auch in Kombination mit der besonderen künstlerischen Qualität – ernten wir mittlerweile auch weitüber die Grenzen des Allgäus hinaus höchste Anerkennung.“ Als viel beschäftigter Musiker leiden Sie ja nicht gerade an Arbeitsmangel. Worin liegt für Sie der Reiz, sich gerade in Kempten für Festival der Kammermusik zu engagieren? Triendl: „Ich war in diesem Sommer bei einer ganzen Reihe von bekannten internationalen Kammermusikfestivals eingeladen: im finnischen Inkoo ebenso wie in Montpellier, in Davos in der Schweiz, im holländischen Delft, bei Gidon Kremers berühmtem Lockenhaus Festival und zuletzt beim Moritzburg Festival. All diese Festivals zeichnet ein hohes künstlerisches Niveau aus. Und trotzdem ist mein Gefühl während der Kemptener Festivalwoche mittlerweile schon fast ein wenig wie ein ‘Nachhausekommen’. Die äußerst herzliche Organisation des Festivals spielt ebenso eine große Rolle wie die familiäre Atmosphäre unten Helfern und Musikern. Unser Publikum ist neugierig, aufgeschlossen und kompetent. Dies gibt mir großen Mut, ein wirklich ungewöhnliches und einzigartiges Programm zusammenzustellen. Künstlerisch – und dies sage ich in aller Bescheidenheit – bewegt sich ‘Fürstensaal Classix’ mittlerweile in Augenhöhe mit all den genannten Festivals.“

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