"Es muss gehandelt werden"

Hinter den Mauern des Allgäu-Gymnasiums rumort es. Lehrerschaft und Elternbeirat sind unzufrieden mit dem Zustand des Chemietraktes. Foto: Matz

„Alles halb so schlimm“. So kann man den Bericht des Amts für Kindertagesstätten, Schulen und Sport zum Zustand des Chemietrakts am Allgäu-Gymnasium interpretieren, den Amtsleiterin Birgitt Richter vergangene Woche im Schul- und Kulturausschuss vorlegte. „Dringenden Handlungsbedarf“ sehen dagegen Fachlehrer und Elternbeirat. Die Wahrheit wird zwar wie so oft irgendwo in der Mitte liegen. Tatsächlich steht es aber um den Chemietrakt am AG nicht zum Besten, wie ein Bericht der Gemeindeunfallversicherung zeigt.

Ein Bericht der Gemeindeunfallversicherung (GUV) vom vergangenen Sommer hat die Verantwortlichen in der Kemptener Stadtverwaltung aufgeschreckt. Unter anderem kritisieren die Prüfer, dass die Chemieräume zu weit auseinanderliegen, die Sicherheitseinrichtungen nicht ausreichen, die Entlüftungen nicht gut genug funktionieren und die Fluchtwege nicht sicher und genug gekennzeichnet sind. Den Vorwurf, dass die Räume quasi unter der Erde liegen, nahm die GUV laut Richter mittlerweile zurück. „Die Gefahr, dass ein Gas- bzw. Lösemittelsee nicht entweichen kann, besteht demzufolge nicht“, sagte sie am Mittwochabend. Dass die Zustände am AG trotzdem alles andere als gut sind, berichtete Steffen Lorenz, Fachbetreuer Chemie, der mit zahlreichen Lehrern und Vertretern des Elternbeirats in die Sitzung gekommen war. So sei einmal ein durchgerostetes Rad von einem Wägelchen abgebrochen, mit dem er die Chemikalien zwischen den Räumen hin und her fährt. Dabei fielen zwei Flaschen Chloroform zu Boden, wobei eine zerbrach. „Wäre es Brom gewesen, hätte die Schule geräumt werden müssen“, sagte er. Sichere Organisation Die Stadtverwaltung hingegen vertritt die Auffassung, dass auch die Schule durch eine entsprechende Organisation dafür zu sorgen habe, die Risiken zu minimieren. So sollte der Transport von Chemikalien nur dann stattfinden, wenn die Gänge kaum von Schülern frequentiert werden, nannte Richter ein Beispiel. „Die Schule muss die Organisation so führen, dass nichts passiert“, betonte auch OB Dr. Ulrich Netzer (CSU). Da die Stadt als Schulaufwandsträger aber ebenfalls in der Verantwortung steht, sollen als „Sofortmaßnahmen“ in den Sommerferien unter anderem neue Augenduschen installiert, der Giftschrank gesichert, die Absaugung überprüft und ein neues Fluchtwegekonzept ausgearbeitet werden. An finanziellen Mitteln sind dafür 57 000 Euro vorgesehen. „Wenn Gefahr in Verzug ist, muss gehandelt werden“, so OB Netzer in der Sitzung. In einem zweiten Schritt soll mittelfristig nach Wegfall des G9 der Bedarf an Fachräumen am Allgäu-Gymnasium überprüft werden. „Im Anschluss daran wird die Raumsituation der gesamten Schule erneut betrachtet“, kündigte Richter an. Erst danach könne eine dauerhafte Lösung der Raumproblematik gefunden werden. Als Basis der Planungen könnte eine Grobplanung aus dem Jahr 2003 dienen, die allerdings aktualisiert werden müsste. Zunächst aber wollen sich die Mitglieder des Schul- und Kulturausschusses im Rahmen einer Ortsbesichtigung selbst ein Bild von der Situation vor Ort machen. Beim Elternbeirat stößt das Vorgehen der Stadt auf wenig Verständnis. „Wir sind nur vertröstet worden“, sagte Vorsitzende Kornelia Walter gegenüber dem KREISBOTEN. „Wir warten jetzt seit 2003 auf neue Chemieräume – jetzt wird es Zeit“, so Walter weiter. Sie kündigte an, dass sich Elternbeirat und Lehrer nun zusammensetzen werden, um nach Lösungen zu suchen. Daran teilnehmen könne auch die Stadtverwaltung, „wenn sie mag.“ In diesem Zusammenhang wollte sie nicht ausschließen, neue Chemieräume privatwirtschaftlich zu finanzieren bzw. finanzieren zu lassen. „Man muss sich Gedanken machen, wie man das finanziert“, meinte sie.

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