Es muss sich etwas tun

Die Situation des Einzelhandels in der Innenstadt ist alles in allem nicht die schlechteste. Achillesferse der Fußgängerzone ist allerdings der überdurchschnittlich hohe Leerstand im Bereich Zentralhaus, SinnLeffers und Illerkauf. Deshalb wird die mit dem „Einzelhandelskonzept Kempten“ beauftragte GMA nach Informationen des KREISBOTE der Stadtverwaltung empfehlen, „den Fokus aller städtischen Maßnahmen in diesen Bereich zu lenken.“ Am gestrigen Dienstag nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe traf sich der Arbeitskreis im Skyline, um über eine Beschlussvorlage für den Stadtrat zu beraten.

Wie bereits berichtet, hatte die Stadtverwaltung die Ludwigsburger GMA damit beauftragt, ein Einzelhandelskonzept für die Innenstadt aufzustellen. Ziel war auf der einen Seite, die Stärken und Schwächen der Einkaufsinnenstadt auszuloten. Auf der anderen Seite bietet ein solches Gutachten nach Auskunft von Dr. Richard Schießl, Leiter des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung, der Verwaltung Rechtssicherheit und ist notwendig, um Förderrichtlinien zu erfüllen. „Wir brauchen es, um rechtssicher arbeiten zu können“, so Schießl gegenüber dem KREISBOTE. Zu konkreten Inhalten des Gutachtens wollte er sich aber noch nicht äußern. Zuverlässigen Informationen des KREISBOTE zufolge können die Verantwortlichen im Großen und Ganzen aber zufrieden mit dem Ergebnis sein. Alles in allem schneidet der Einzelhandel in der Innenstadt ordentlich ab. Insbesondere die große Angebotsvielfalt, die Multifunktionalität mit Einzelhandel, Verwaltung, Dienstleistern und Kulturangeboten, die regionale Prägung und die erfolgreiche Strategie der Stadtverwaltung, der Innenstadt Vorrang vor den Außenbereichen zu gewähren, werden gelobt. Die wesentlichen Schwächen sieht die GMA erwartungsgemäß im Bereich Illerkauf, SinnLeffers und Zentralhaus in der nördlichen Bahnhofstraße – also der Verbindung zwischen Fischerstraße und Forum – , der niedrigen Kundenfrequenz in den Randbereichen wie der Gerberstraße und der Brandstatt und der über einen Kilometer gestreckten Haupteinkaufslage. Dazu kommt, dass Kempten offenbar weniger bekannt als Einzelhandelsstandort ist. Bahnhofstraße stärken Angesichts dessen empfiehlt die GMA der Verwaltung, die nördliche Bahnhofstraße „städtebaulich und nutzungsbezogen zu stärken“. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass sich zwei separate Einkaufsschwerpunkte „ohne Austauschbeziehung“ bilden. Erhöht werde diese Gefahr noch durch die lange Dehnung der Fußgängerzone: Kunden seien nur bereit lange Strecken zu gehen, wenn es zwischen beiden Polen einen attraktiven Übergangsbereich gebe, heißt es in einem Zwischenbericht. Zusätzliche Einzelhandelsansiedlungen im Umfeld der Einkaufsinnenstadt seien also unbedingt zu vermeiden, so der Rat der Experten. Bei der Kundenbefragung hat Kempten ebenfalls nicht schlecht abgeschnitten. Nach 408 Befragungen, davon 120 im Forum, sind sich die Ludwigsburger sicher, dass es eine starke Kundenbindung an den Einzelhandelsstandort gibt. Allerdings ergab die Befragung auch, dass viele ein Angebotsdefizit in den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Sport und Möbel sowie Gastronomie empfinden. Darüber hinaus sehen die Kunden offenbar noch Entwicklungspotenzial im Hinblick auf Grünflächen, Aufenthaltsqualität, Parkplatzangeboten, Fahrradfreundlichkeit. Freizeit- und Kulturangeboten sowie Service und Freundlichkeit. Vorstellung im Juni Zwar wollte sich Dr. Manfred Bauer von der GMA auf Nachfrage mit Verweis auf die Stadt als Auftraggeber nicht im Detail dazu äußern. Allerdings, so Bauer, gebe es in der Tat vor allem zwei Problemfelder. „Die haben aber nicht unbedingt etwas mit dem Standort oder der Stadt zu tun“, sagte er. Hier müsse die Verwaltung nun schnellstmöglich Lösungen finden. „Aber das kann man nicht mit dem Gießkannenprinzip“, sagte er. Offiziell vorgestellt werden soll das Gutachten laut Dr. Schießl am 22. Juni in der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses. In seiner Juli-Sitzung soll dann der Stadtrat über das Papier entscheiden.

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