"Mutige und streitbare Kämpferin"

„Politische Prominenz der höchsten Stufe“, hatte Hermann Rind, Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung, unter den zahlreichen Gästen der Matinee am vergangenen Sonntag im Soldatenheim ausmachen können. Eingereiht hatte sich auch der Landtagsabgeordnete Dr. Wolfgang Heubisch (FDP), Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, der anlässlich der Verabschiedung von Gisela Bock als Geschäftsführerin der Stiftung „Freiheit für Bayerns Hochschulen“ sprach. Begeistert zeigte er sich von den im Grußwort von OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) erwähnten „Kochmüttern“, die Bock bereits vor 30 Jahren am Allgäu Gymnasium ins Leben gerufen hatte.

Bezüglich der Hochschulen müsse das Ziel die Stärkung von mehr Freiheit aber auch der damit verbundenen Verantwortung sein, betonte der Wissenschaftsminister. Ausgaben im Hochschulbereich seien auch in der Wirtschaftskrise notwendige Investitionen in die Zukunft. „Wo die Reise in Bayern hingeht“ zeige auch, dass im Bereich Kunst keine Abstriche gemacht worden seien. Ein besonderes Anliegen sei ihm, mehr Professorinnen an die Hochschulen zu bringen, da derzeit das Verhältnis bezüglich der Qualifikation bei 50:50 liege, aber nur 12 Prozent zu Professorinnen berufen würden. „Wir sind innerlich noch nicht so weit, dass wir Gleichstellung wirklich praktizieren“, wies er auch auf Schwächen im Angebot der Kinderbetreuung hin. Weiteres wolle er sich einsetzen für die Öffnung der Hochschulen „für junge Leute aus praktischen Berufen“, eine „wettbewerbsfähige Professorenbesoldung“ oder auch bessere Finanzen für die Forschung an Hochschulen. Unzufrieden zeigte er sich damit, dass aus dem Bachelor Studium „eine absolute Verschulung“ geworden sei. Eine große Diskussion erwarte er zur Frage, ob Promotionsrecht auch an der Fachhochschule gegeben werden soll, wo man hervorragende Leistungen sehe. „Es muss irgendwann auch einen Doktor der angewandten Wissenschaften geben“, gestand er, erstmals öffentlich davon zu sprechen. Als weiteren „kribbeligen Punkt“ auf seiner Agenda sah er die diskutierte Umwandlung des Augsburger Klinikums in eine Uni-Klinik, deren Bedarf nicht gegeben sei. Auch sei „kein Mehr an Ärzteausbildungen nötig“. Vielmehr müsse dafür gesorgt werden, dass die im fünfstelligen Bereich abwandernden Ärzte „hier in Deutschland bleiben“. Überzeugt zeigte er sich, dass im Ministerium Kunst bei Wissenschaft angesiedelt ist, da beide viele Gemeinsamkeiten hätten. Lobend äußerte er sich über den Einsatz von Gisela Bock in Sachen Bildung, die „ihre Überzeugung nicht nur gelebt, sondern auch weitergegeben“ habe. Lob erhielt „die engagierte Frau mit vielen politischen Ämtern“ auch von Landrat Gebhard Kaiser (CSU). Bock, unter anderem seit 2002 Kreisrätin im Kreis Oberallgäu, sei immer „das soziale Gewissen der FDP gewesen“ und habe ihren Teil zur politischen Bildungsarbeit der Thomas-Dehler-Stiftung beigetragen. "Unser Flaggschiff hier" Neben anerkennenden Worten für die wegen Wohnortwechsel leider „nur drei Jahre“ auch einstige Stadträtin Kemptens, ergriff Netzer die Gunst der Stunde, um bei Heubisch um Unterstützung für die Hochschule sowie das Stadttheater zu werben. Stephan Thomae, Mitglied des Landesvorstands der FDP Bayern, wies auf die ständige Gefahr hin, dass Demokratie zur „Zuschauerdemokratie“ mutiere. Mit der Vortragsreihe zur Globalisierung an der Hochschule habe Bock „eines unserer Flaggschiff hier“ zur Festigung der Demokratie etabliert. Damit lag er auf einer Wellenlänge mit der Landesvorsitzenden der FDP Bayern, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die ihre Grußworte auf schriftlichem Weg überbrachte. "Sie ist die Stiftung" Sie habe nie aufgehört hinzuschauen und anzupacken, „wo es was zu tun gab“, richtete die Vizepräsidentin der Thomas-Dehler-Stiftung, Cornelia Schmalz-Jacobsen, ihre Worte an die „personifizierte Zivilgesellschaft“ Bock. Als „mutige und streitbare Kämpferin für die liberale Sache“ habe er sie erlebt, gab Jürgen Morlock, Vorsitzender des Kuratoriums des Friedrich-Naumann-Stiftung, preis, deren Regionalbüro in München Bock ebenfalls geleitet habe. „Gisela Bock hat die Thomas-Dehler-Stiftung nicht nur nach vorne gebracht, sie ist die Stiftung“, brachte es der neue Geschäftsführer der Stiftung, Thomas Nagel, auf den Punkt. Sie habe sich gewünscht, das Amt der Senioren- und Behindertenbeauftragten zu übernehmen, denn „ich habe da ein paar Ideen“, machte Bock abschließend klar, dass mit ihr auch weiterhin zu rechnen ist. Und zwischendrin sorgten Matthias Eurich an der Gitarre und Bernhard Eurich an der Harfe für den musikalischen Teil der Matinee.

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