Nach fast 37 Jahren ist Schluss

Dr. Erich Denk (links), Präsident des Landgericht Kempten, überreicht Dr. Hans Georg Straßer die Urkunde der Bayerischen Justizministerin, Dr. Beate Merk. Foto: Läufle

„Mein Berufsleben war für mich ein sehr zufriedenstellendes“, resümierte Dr. Hans Georg Straßer, langjähriger Vorsitzender Richter am Landgericht Kempten. Anlass für diese Worte war seine Verabschiedung in den Ruhestand am Mittwoch vergangener Woche, die im Beisein vieler Kollegen der Präsident des Kemptener Landgerichtes, Dr. Erich Denk, übernahm.

Denk blickte auf Straßers beruflichen Werdegang zurück, der 1974 nach der Ablegung des zweiten juristischen Staatsexamens im Landgericht Memmingen begonnen hatte. Nachdem Straßer knapp fünf Jahre in Memmingen im Landgericht und in der Staatsanwaltschaft beschäftigt war, wurde er im Jahr 1979 auf eigenen Wunsch an die Staatsanwaltschaft Kempten versetzt. Kurz darauf fing er als Richter im Amtsgericht an. Mit seiner Versetzung begann 1988 seine Laufbahn am Landgericht. Über die Tätigkeit als Gruppenleiter folgte 1995 die Beförderung zum Vorsitzenden Richter des Landgerichtes, was er bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand geblieben ist. Ab 1997 war Straßer zudem Vorsitzender der ersten Zivilkammer. Neben seiner Tätigkeit als Richter, so Denk, hat Straßer seit 1998 einen Lehrauftrag an der örtlichen Hochschule in privatem Wirtschaftsrecht. „Dr. Straßer hat großes Geschick, viel Geduld und große Sachkompetenz an den Tag gelegt“, sagte Denk bei der Verabschiedung und lobte auch den Einsatz bei der Heranführung junger Kollegen. Lobende Worte gab es jedoch nicht nur von Denk, auch die Bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk brachte in einer Urkunde ihre und die Dankbarkeit der Bayerischen Staatsregierung zum Ausdruck. „Sie haben für die Bayerische Justiz viel getan“, zitierte Denk aus der Urkunde der Ministerin. Dr. Hans Georg Straßer selbst blickte ebenfalls auf sein Berufsleben zurück und bedankte sich bei vielen Kollegen, die ihn begleitet haben. „Meine Kollegen haben eine gute Basis für die Arbeit geschaffen“, sagte der gebürtige Immenstädter. „Wenn man geht, denkt man auch darüber nach, wer man war“, zeigte sich der 65-Jährige nachdenklich. Er habe nie nachgefragt, was über ihn gesagt werde, meinte er und hoffte, dass das nicht als arrogant rüber kam. Von den Rechtssuchenden habe er teilweise Kritik und teilweise Anerkennung geerntet, erläuterte er und erinnerte sich sowohl an überzeugende Urteile als auch an einen schuldig Gesprochenen, der in Briefen immer wieder schrieb, dass er zu unrecht sechs Jahre der Freiheit beraubt wurde. Straßer sprach von seiner Vorliebe für Vergleichsgespräche als Zivilrichter und von seinen, nach eigenem Empfinden, Glanzzeiten als Gruppenleiter und Vorsitzender der Strafkammer. „Ich mochte das Pulsierende des Lebens und die gelegentliche Auseinandersetzung mit der Verteidigung“, schilderte er. Seine beste Leistung habe er in den Jahren 2002 und 2003 erbracht, als innerhalb eines Jahres sowohl seine Frau als auch seine Mutter an Krebs verstarben. „Innerhalb kurzer Zeit habe ich die wichtigsten zwei Frauen meines Lebens verloren und ich habe nur noch funktioniert“, beschrieb er. Aus seiner Sicht war das jedoch die Zeit, in der er am meisten für die Justiz getan habe. Magisches Dreieck Seine zukünftiges Leben werde wie bisher aus einem magischen Dreieck bestehen: Arbeit, Familie und Freizeit. Arbeitstechnisch hat er seinen Lehrauftrag an der Hochschule stundenmäßig ein wenig aufgestockt. Außerdem wird er ein Buch schreiben und sein theologisches Fernstudium wieder aufnehmen. Einen großen Teil seines Lebens werden außerdem weiterhin seine drei Söhne, vier Enkel und zwei Patenkinder einnehmen und in seiner Freizeit wird er weiter Tennis spielen. „Ich weiß, dass das magische Dreieck nur weiter Bestand haben kann, wenn ich gesund bleibe und genau das wünsche ich mir“, sagte Straßer abschließend. Damit er seine Kollegen nicht vergisst, überreichte ihm Thorsten Wilhelm, Richter am Landgericht, eine Bildercollage. Außerdem bedankte Wilhelm sich für das Vertrauen, die Offenheit und Ehrlichkeit, die Straßer ihm und seinen Kollegen entgegen gebracht hat.

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