Nachdenklich machende Bilder

Die Gesprächsteilnehmer, Fotograf Thomas Grabka (v.l.), Wolfgang Grieshammer von der Diakonie Kempten, Dieter Schmid von humedica und BR-Journalist Rupert Waldmüller diskutieren über die Entwicklungshilfe in Haiti. Foto: Ferder

Mehr als ein Jahr ist vergangen, da bebte in Haiti die Erde und hunderttausende von Menschen verloren ihr Leben. Auch heute sind die Folgen der Katastrophe noch spürbar und zahlreiche internationale Organisationen bemühen sich um den Wiederaufbau des Landes. Die Fotoausstellung „Hoffnung im zerstörten Paradies“, die derzeit in Kempten gastiert, zeigt eindrucksvoll die harte Realität der Haitianer und den zahlreichen Helfern vor Ort. Mit einer Gesprächsrunde eröffneten Fotograf Thomas Grabka, Humedica-Mitarbeiter Dieter Schmid und BR-Journalist Rupert Waldmüller die Ausstellung der rund 57 Fotos am vergangenen Freitagabend.

Als am 12. Januar 2010 ein Erdbeben mit der Stärke 7,0 Haiti erschütterte, reisten Helfer von zahlreichen Organisationen aus der ganzen Welt in den Karibikstaat, um die medizinische Erstversorgung der Opfer und Verletzten zu sichern. Auch die Hilfsorganisation humedica aus Kaufbeuren traf zwei Tage nach dem Beben mit über 150 ehrenamtlichen Helfern in Haiti ein und leistet bis heute noch Katastrophenhilfe. „Dank Privatspenden von fast drei Millionen Euro konnten wir nach der kurzfristigen Hilfe nun auch mit zahlreichen Rehabilitations- und Wiederaufbauprojekten die lokale Bevölkerung unterstützen“, erklärt Humedica-Vorstand Wolfgang Groß. Doch neben den grundständigen Arbeiten stehen den Helfern auch einige organisatorische Probleme immer wieder bevor: „Nach dem Ausbruch der Cholera im Oktober 2010 war vor allem schnelles Handeln gefragt, um weitere Infektionen zu verhindern“, schildert humedica-Mitarbeiter Dieter Schmid aus eigener Erfahrung. „Unsere Arbeit ist ein langwieriger Prozess“, betonte Groß abschließend und macht noch einmal die Tragweite der längst vergangenen Naturkatastrophe deutlich. Neben Hilfsorganisationen trafen aber auch zahlreiche Journalisten und Kamerateams im Katastrophengebiet ein. „Doch dort wird nicht nur ernsthafter Journalismus betrieben“, klagt der Fotojournalist Thomas Grabka und spielt dabei auf das hohe Medieninteresse zu Beginn des Unglücks an. „Den anfänglichen schockierenden Bildern folgt schnell die Abstumpfung und das Desinteresse“, betont auch Rupert Waldmüller, der zehn Tage für den bayerischen Rundfunk aus Haiti berichtete. Im Gegensatz dazu zeigt Grabka „eine Fotoausstellung, die nachdenklich macht“ und schildert mit seinen Bildern, die bis heute andauernden Folgen aus einer anderen Perspektive. Die Bilderreihe des 51-jährigen Berliners entstand im Oktober 2010, wo Grabka die Projekte von humedica in Haiti besuchte, um sich ein Bild nach der Katastrophe zu machen. Bewusstsein steigern Die Momentaufnahmen eröffnen neben der sichtbaren Zerstörung aber auch viel Leben, das sich entwickelt hat und immer wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft spüren lässt. Auch Wolfgang Grieshammer von der Diakonie Kempten fand abschließend nachdenkliche Worte, denn „ein Paradies war Haiti auch vor dem Erdbeben nicht, aber es ist schade, dass die Menschen sich erst interessieren, wenn eine Katastrophe passiert.“ Somit hoffen auch die Gesprächsteilnehmer, dass die Fotoausstellung für mehr Empathie und Bewusstsein sorgen wird. Die Fotoausstellung des Fotografen Thomas Grabka ist noch bis zum 10. Juni im Wilhelm-Löhe-Haus in Kempten zu sehen.

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