Nachgeholtes Aschermittwochs-Derblecken beim Gartenfest im Mai

Frühlingsfest der FDP

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Die FDP-Stadträte „derbleckten“ so manchen ihrer Stadtratskollegen und nahmen sich insbesondere die Themen geplante „Regionalbahn“ und „Hotelturm“ vor.

Kempten – Die FDP-Kempten hatte bewusst mit ihrem aschermittwöchlichen Derblecken warten wollen, bis der Lenz einzieht. So legte man diesen für gewöhnlich am Jahresanfang angesetzten Termin in den Mai, in der Hoffnung diesen mit einem Gartenfest kombinieren zu können. Diese Hoffnung erwies sich als trügerisch, die Pfingsttage waren verregnet. Trotzdem ließ man sich den Spaß an der Freude nicht nehmen.

Gekommen waren unter anderem die Ehrenvorsitzende der FDP-Schwaben, Gisela Bock aus Oberstdorf, der FDP-Bezirksvorsitzende der FDP-Schwaben, Stephan Thomae, und die beiden FDP-Stadträte Ullrich Kremser und Dr. Dominik Spitzer. In einem Plausch zuvor ließ der ehemalige FDP-Bundestatgsabgeordnete Stephan Thomae durchblicken, dass er im kommenden Jahr wieder für seinen Einzug in den Bundestag kämpfen wird. „Wir spüren Wind unter den Flügeln“, beteuerte Thomae und rechnet mit einem Wiedereinzug der Liberalen sowohl in den Bundestag 2017 wie in den Bayerischen Landtag 2018. Wenn er über die Ziele und Vorstellungen der FDP für das Allgäu sinniert, spricht er bei der geplanten Skiliftverbindung in Grasgehren von einem „vernünftigen Projekt“ und fordert für den Allgäu Airport Memmingen zwar keine dauerhafte Bezuschussung, wohl aber eine projektbezogene finanzielle Unterstützung wie zum Beispiel bei der Verbreiterung oder Beleuchtungsanlage der Startbahn. Weniger überzeugt zeigte sich Thomae in seinen Ausführungen von der geplanten Regionalbahn Kempten-Oberstdorf. „Der geplante Ausbau dieser Strecke bis hin zur ZUM würde eine komplette Elektrifizierung bedeuten. Es können schließlich keine dröhnenden Diesellloks bis zur ZUM vorfahren, um dort Skifahrer einzusammeln und Tagesgäste aus dem Oberallgäu abzusetzen“. Thomae kritisierte das grundlegende Konzept der Förderung nur einer Streckentrasse statt des gesamten Schienenverkehrsnetzes im Allgäu. Auch monierte er einen möglichen Konflikt zwischen Fern- und Nahverkehr an.

Hotelturm und mangelnde Bürgerbeteiligung 

Just in diesen Tagen wurden Stadtratsfraktionen und Medien über einen geplanten Hotelturm am Berliner Platz informiert. Mit einer Höhe von über 60 Metern würde an dieser Stelle nebst der ältesten Kirche Kemptens, der Keck-Kapelle, wohl ein neues Wahrzeichen der „ältesten Stadt“ Deutschlands entstehen. Thomae, ein Freund von Visionen, stellte klar, dass er offen sei für moderne Städteplanung. „Die Vorstellung einen städtebaulichen Contrapunkt gegenüber der Innenstadt auf einer nördlichen Anhöhe zu setzen, ist eine durchaus diskutable Idee. Schließlich werden sich in diesem Areal zukünftig ohnehin Änderungen vollziehen, weil die Stadt durch den Abzug der Bundeswehr neue Grundstücke erhalten habe.“ - „Hier möchte ich widersprechen“, meldete sich der FDP-Stadtrat Dr. Dominik Spitzer zu Wort und begann mit seinem Aus- und Rückblick auf die Arbeit des Oberbürgermeisters und des Stadtrates. „Keinerlei Bürgerbeteiligung zugelassen zu haben“, das attestierte der FDP-Mann all denjenigen, die sich nun nach Fertigstellung des ersten wohl finalen Bauabschnittes der Nordspange für ein Ende der Straßenbaumaßnahmen in diesem Areal stark gemacht hatten. Einigen seiner Stadtratskollegen empfahl Spitzer den Genuss eines rechtsdrehenden CSU-Joghurts, wahlweise auch eines „Meinungswechselquarks“, so wie er wohl auch in der Staatskanzlei vor so mancher politischen Entscheidung verzehrt wird. Zukünftig würde das Abstimmungsverhalten der Stadträte genauer in Augenschein genommen, vermutete Spitzer doch in mancher Fraktion „Doppelagenten- oder Agentinnen“. Der angekündigten Offensive der Grünen im Stadtrat sieht Spitzer dagegen gelassen entgegen, „…zu oft glänzen diese durch Abwesenheit im Stadtparlament.“ Mitleid hingegen zeigte er mit der SPD, die sich in einer Art vorauseilendem Gehorsam den Mehrheitsverhältnissen nicht nur im Kemptener Stadtrat, zunehmend brav füge und deren Rückhalt in der Bevölkerung zusehends dahinschmölze. „Kein kritisches Wort zum geplanten Hotelturm am Berliner Platz vom SPD-Fraktionsvorsitzenden im Kemptener Stadtrat, stattdessen Lob. Ich dachte in der heutigen prekären Situation sei eher der soziale Wohnungsbau ein Thema der Genossen.“ Zum geplanten Hotelturm äußerte sich der FDP-Stadtrat kritisch, merkte an, dass die Bebauung von Illerhängen im Stadtgebiet eigentlich nicht vorgesehen sei und fragte sich, ob so viele neue Hotelbetten zu den ohnehin schon neu entstandenen Kapazitäten der vergangenen Jahre tatsächlich notwendig sind.

Jörg Spielberg

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