Nachsicht mit Mauerbauer

Der Bauausschuss zeigt Nachsicht: Ein Hausbesitzer aus der Lotterbergstraße hat kürzlich den Antrag gestellt, am Rand seines Grundstücks zur Straße hin eine Lärmschutzwand zu errichten. Baurechtlich sah die Leiterin des Bauordnungsamtes, Dr. Franziska Renner, Bedenken und riet zur Ablehnung. Der Ausschuss aber gab mit großer Mehrheit trotzdem sein OK. Hauptargument: Der 30 Jahre alte Bebauungsplan des Gebiets berücksichtige nicht die heutige Verkehrslärm-Situation.

Der Hausbesitzer begründe seinen Antrag damit, dass durch den Autoverkehr in der Lotterbergstraße und durch den Supermarktparkplatz gegenüber seines Grundstücks erheblicher Lärm entstehe, so Renner. Bislang trenne eine vier Meter hohe Hecke sein Grundstück von der Straße. Dahinter, von der Straße aus nicht sichtbar, wolle er nun eine 2,20 Meter hohe Lärmschutzmauer bauen. Das Problem: Zäune, Mauern und Hecken dürfen laut Bebauungsplan in dem Gebiet nur einen Meter hoch sein. Genau genommen sei also schon die Hecke allein nicht zulässig. „Eine Hecke kann auch eingehen, sie ist nichts dauerhaftes“, meinte Renner. Irgendwann liege die hölzerne Lärmschutzmauer, die auf einem Betonsockel fußen soll, vielleicht frei. Ein weiteres Problem: Hausbesitzer, die auch eine Lärmschutzwand bauen möchten, könnten sich auf diesen Präzedenzfall berufen. Für Bauherren in anderen Ortsteilen, wo andere Umstände herrschen, gelte das nicht, wohl aber für die Nachbarschaft. „Man wird dann kaum ein Argument finden, es nicht zu genehmigen“, erklärte die Baujuristin. Veränderte Voraussetzungen Die Verkehrssituation habe sich aber in den letzten 30 Jahren, seit der Bebauungsplan in Kraft ist, geändert, meinte Stadtrat Siegfried Oberdörfer (SPD). „Die Lotterbergstraße ist heute eine der Hauptverkehrsachsen im Norden“, erklärte er. „Die Leute dort wollen und brauchen einen Lärmschutz.“ Diese Ansicht teilten die meisten Ausschussmitglieder. „Es geht nicht um Schönheit oder Wohnraum, sondern um die Gesundheit des Einzelnen“, so etwa Stadtrat Thomas Kiechle (CSU). Der Bebauungsplan sei vor 30 Jahren unter anderen Umständen erstellt worden. „Aus meiner Sicht ist das städtebaulich kein Problem“, meinte Stadtrat Hans Mangold von den Grünen. Um die Hecke machten sich die Stadträte im Bauausschuss dann auch keine großen Sorgen, schließlich liege es auch im Interesse des Hausbesitzers, diese zu erhalten. Lediglich die Aussicht auf eine ganze Lärmschutz-Front an der Lotterbergstraße machte einige Mitglieder des Ausschusses nachdenklich. Mit den Gegenstimmen der Stadträte Karl Sperl und Erwin Hagenmaier sowie OB Dr. Ulrich Netzer (alle CSU) lehnte der Ausschuss die Empfehlung der Stadtverwaltung ab und beschloss stattdessen, dem Antrag unter Befreiung von den Höhenmaßgaben zuzustimmen.

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