Netzwerk gegen den Abschwung

Die globale Wirtschafts- und Finanzkrise hat inzwischen auch das Allgäu erreicht, wie die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit in Kempten zeigen. Dort haben laut Peter Litzka, Leiter der Kemptener Arbeitsagentur, aktuell 136 Allgäuer Betriebe für insgesamt über 7000 Mitarbeiter Kurzarbeit angemeldet, ein Vielfaches gegenüber dem Vorjahr. Um den konjunkturellen Abschwung für Unternehmen und Arbeitnehmer aber abzufedern, haben sich die Agentur für Arbeit Kempten, die Handwerkskammer (HWK) Schwaben und die Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben zu einem Netzwerk zusammengetan.

Gemeinsam wollen sie über „schlagkräftige Instrumente“ wie Kurzarbeit, Qualifizierung und Beratung dazu beitragen, Unternehmen zu erhalten, Arbeitsplätze zu sichern und so die magere Zeit zu nutzen, Unternehmen für den folgenden Aufschwung fit zu machen. Denn seit November vergangenen Jahres verzeichnet die Arbeitsagentur auch einen Anstieg der Arbeitslosen um 1000 Neuzugänge pro Monat – bei „steigender Tendenz“, wie Litzka andeutete. Besonders betroffen seien die hier zahlreichen Arbeitnehmer der Automobilzulieferindustrie. Auch wenn die konjunkturelle Entwicklung „zum Teil erhebliche Auftragseinbrüche“ gebracht habe, könne man „eine nur vom Pessimismus geprägte Einstellung im Allgäu nicht erleben“, stellte Litzka fest. Ein Problem sah Klaus Fischer, Regionalgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben, in der Unsicherheit vieler Unternehmen. Zwar seien noch Aufträge da, „aber es kommen keine neuen herein“, beschrieb er die Situation. Noch erstaunlich gut sei die Auftragsauslastung in der Bauwirtschaft und bei Unternehmensdienstleistern. Während sich beispielsweise im Groß- und Einzelhandel erst allmählich Einbrüche abzeichneten, sei die Stimmung im Transportwesen bereits düster. Von „radikalen Auftragseinbrüchen“ im Maschinenbau berichtete Erwin Mangold, Unternehmensberater der Handwerkskammer (HWK), wo es an Anschlussaufträgen mangele. Positiv bewertete Litzka, dass die Arbeitgeber meist bestrebt seien, die Situation über Kurzarbeit zu kompensieren. Eine sinnvolle Überbrückungsmaßnahme auch um Fachkräfte „während der Durststrecke im Unternehmen zu halten“. Es werde alles getan, um dieses Instrument, das im Übrigen auch Kleinstbetrieben zur Verfügung stehe, statt Arbeitslosigkeit zu nutzen, machte er deutlich. Mit Beginn dieses Jahres sei die maximale Dauer für Kurzarbeit von zuvor sechs auf 18 Monate aufgestockt worden. Für die Ausfallzeit würden die Sozialversicherungsbeiträge zur Hälfte und bei Weiterqualifizierung von Kurzarbeitern ganz bezuschusst, erläuterte Litzka einige der wesentlichen Neuerungen, die seit Kurzem in einer handlichen Broschüre vorliegen. Mit der neu eingerichteten „Vertrauens-Hotline-Allgäu“ können sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer von den drei Netzwerkpartnern kostenlos und vertraulich beraten lassen. Anrufer werden von dort direkt an die für ihr Anliegen kompetente Stelle weitergeleitet. Angeboten werden neben vielerlei Beratungsleistungen unter anderem Schwachstellenanalysen, Aus- und Weiterbildungen oder auch die Begleitung zu Bankgesprächen. Hilfe und Beratung gibt es bei der Vertrauens-Hotline-Allgäu zu den üblichen Bürozeiten unter der kostenfreien Telefonnummer 0800/ 6649466.

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