Neue Denkansätze

Martin Dietz. Foto: Archiv

Martin Diez, Kinder- Jugend- und Familienbeauftragter der Stadt Isny, hat sich nicht erst seit neuester Zeit mit der Entwicklung der Bevölkerungsstruktur in Isny befasst. Das ist auch eine seiner Aufgaben und wird von ihm auch denkbar ernst genommen. Die Stadt (und nicht nur die Stadt) wiederum ist auf derartige Untersuchungen angewiesen, denn wie soll sich eine Kommune auf veränderte Altersstrukturen einstellen können, wenn die Tendenzen nicht erkennbar sind.

Bereits jetzt ist in Isny der Anteil der Über-60-Jährigen beachtlich hoch. Rund 3300 Bürger haben die 60 Jahre schon deutlich überschritten und nach den Unterlagen von Martin Diez wird bis zum Jahre 2030 das Gefüge deutlich umgestellt. Das sind im Endeffekt keine Daten, die im stillen Kämmerlein verwahrt werden. Diez hat die Statistiken und die Konsequenzen daraus längst dem Gemeinderat vorgelegt. Die Altersgruppen der 20- bis unter 65-Jährigen, das sind die Menschen, die das wirtschaftliche Bindeglied der Generationen darstellen, werden dann ein Drittel der Bevölkerung ausmachen und werden für 30 Prozent der Bürger unter 20 und 30 Prozent der Bürger über 65 Jahren sorgen müssen. Das ist zwar kein Grund zur Panik oder zum verdeckten Grabenkrieg zwischen den Generationen, aber eben ein Anlass, sich intensiv darauf einzustellen, was wohl auf die Gesellschaft zukommt. Diez kommentiert das so: „Für eine generationenübergreifende Solidarität und ein soziales Miteinander in Isny sind daher neue Denkansätze, kommunale Prioritäten und zielgerichtete Maßnahmen notwendig. Diese dienen dem Wohl des einzelnen Bürgers über die Generationen hinweg, der Stadtentwicklung sowie des Miteinanders allgemein.“ Mit dem im Moment anstehenden Familienbericht und der darin enthaltenen Familienbefragung besteht die Möglichkeit, diesen überaus wichtigen, weil unaufschiebbaren Themenkomplex aufzugreifen und planerisch Handlungsfelder, Maßnahmen und Zeitpunkte zu definieren, politisch zu entscheiden und anschließend umzusetzen. Auch hier hat Martin Diez schon Bereiche näher definiert. Arbeit/Einkommen, Mobilität/Infrastruktur, Bildung, Wohnen/Freizeit, Kommunalpolitik und soziale Komponenten. Wie weit Stadtverwaltung und Gemeinderat sich mit diesen Themen auseinandersetzen, bleibt abzuwarten. Diez betont vor allem auch den Wandel der Gesellschaft am Beispiel der Familie. Schon jetzt werde deutlich, wie wenig Familien mit mehr als zwei Kindern erfasst sind. Diese Struktur wird sich weiterhin verändern. Aktuell leben in Isny in rund 20 Prozent der Haushalte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Während auf der einen Seite der „Wert“ eines Kindes steigen wird, ist diese Einstellung von vielen noch immer nicht verarbeitet worden. Der Kinderrückgang in der Gesellschaft wird sich auch bemerkbar machen, wenn die Kinder erwachsen sind. Ohne Seitenverwandte wie Tante, Onkel, oder Cousine wird sich künftig auch die soziale Selbsthilfe verändern – etwas bei der Pflege der eigenen Eltern oder in der Betreuung kranker Familienangehöriger. Der gleichzeitig verlaufende Abbau sozialer Leistungen führt dann zu einem Desaster, das man sich lieber nicht vorstellen sollte. Hier liegt der Ansatz für jeden Einzelnen, sich damit zu beschäftigen und rechtzeitig für Abhilfe zu sorgen.

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