Zum Beginn der Sommersaison neue Stadtführung für Kinder

"Bazis" und Nachtwächter

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Die schaurige Atmosphäre der Erasmuskapelle mit ihren „sprechenden Mauern“ faszinierten die Kinder bei ihrer Stadtführung besonders.

Kempten – Mit neuen Kinderstadtführungen startet Kempten Tourismus in die beginnende Haupturlaubszeit. Dass Kemptens Stadtgeschichte nicht nur beim Touristischen Nachwuchs gefragt ist, zeigte die erste öffentliche Führung für Kinder bis elf Jahre. Sicher lag es auch an den – ja auch hier – Pfingstferien, dass sich vergangenen Freitagnachmittag unter den knapp 20 Kindern plus Eltern vorwiegend Kemptener auf Spurensuche begeben hatten.

Am Treffpunkt vor der Tourist-Info beim Rathaus lieferte die Stadtführerin Gabi Fackler gleich die erste, nicht nur historisch relevante Info: „Wir stehen an dem wichtigsten Haus in Kempten“, dem Rathaus und sein Chef heiße Kiechle.

Statt bislang eine Führung für alle Kinder, egal welchen Alters, gibt es nun „Blickfenster – Zurück in die Vergangenheit“ für Kinder von sechs bis elf Jahren, die von Mai bis Oktober an jedem dritten Freitag im Monat um 16 Uhr angeboten wird; nur für Gruppen buchbar ist die Jugendführung „Geheimcode Kempten“, in der Elf- bis 14-Jährige die Geschichte der Stadt erkunden können.

Wenn auch zwangsläufig historisch nicht so tiefschürfend wie die unterschiedlichen Stadtführungen für Erwachsene, förderte das „Blickfenster“ sicher nicht nur für die kleinen Gäste Interessantes zutage. Zum Beispiel was es mit der Sternzeichenuhr am Rathaus auf sich hat, wie das Leben von Kindern im Mittelalter gewesen ist oder dass „früher nur die Jungen in die Schule durften“. „Gab es schon einen Kindergarten?“, wollte ein Naseweis wissen. „Nein, leider nicht“, verriet Fackler, aber Puppen aus Leinen mit Holzkopf zum Spielen für die Mädchen, die habe es schon gegeben. Spaß hatten die jungen Geschichtsforscher auch beim Umklappen der Kirchenbänke in der St. Mang Kirche. Aber auch von einer wenig appetitlichen Aufgabe von Kindern wurde dort berichtet. Diese waren nämlich dafür zuständig, den Toilettentopf des Nachtwächters, der hoch oben im Kirchturm hauste, regelmäßig in die Iller zu leeren. Und auch früher verleitete die Profitgier manchen Kemptener zu unlauteren Geschäftspraktiken, wie in der Bäckerstraße zu erfahren war. Während Fackler in die vielen ausgestreckten Hände Sägemehl aus einem Beutel portionierte, berichtete sie davon, dass „die Bäcker früher richtige Bazis waren“, die das Backmehl manchmal mit solchem Sägemehl gestreckt hätten. Wer dabei erwischt wurde, sei allerdings bestraft und in einem Korb in die Iller getaucht worden.

Zum Schluss gab es noch ein virtuelles Eintauchen und zwar in die Geschichte der Erasmuskapelle. Obwohl dieser Part original wie in den Erwachsenenführungen ist, hatte die Mischung aus dem dunklen, geheimnisvoll-unterirdischen Gemäuer und bewegten Bildern den meisten Kindern am besten gefallen, wie sie bekundeten.

Christine Tröger

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