Frisch eingeweiht, folgt Tag der offen Tür im neuen BKH in Kempten

"Vorbildfunktion in Schwaben"

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Das neue BKH überzeugt bei der Einweihung in allen Punkten

Am heutigen Samstag präsentiert sich das neue Bezirkskrankenhaus (BKH) am Klinikum Kempten-Oberallgäu beim Tag der offenen Tür von 14 bis 18 Uhr der breiten Öffentlichkeit mit Fachvorträgen, Rundgängen, Aktionen und Filmen.

Groß war das Interesse bereits vergangenen Montag bei den zahlreichen Gästen, die zur offiziellen Einweihung in die Robert-Weixler-Straße 46 gekommen waren – in einen Neubau, der hell, großzügig, modern und freundlich viele Verbesserungen für Patienten, Beschäftigte und Besucher bringen wird. 

Etwas Besonderes war der Tag auch insofern, als sich nun „alle Bezirkskrankenhäuser in Schwaben in einem allgemeinen Krankenhaus mit gemeinsamem Eingang – oder direkt daneben – befinden“, wie Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender Bezirkskliniken Schwaben und Moderator der Veranstaltung, verkündete. Künftig stehen 120 stationäre Betten zur Verfügung – gut 30 mehr als bisher, darüber hinaus 35 tagesklinische Plätze, womit, so die Hoffnung der Beteiligten, die schon chronische Überbelegung der letzten Jahren im Freudental ein Ende haben werde. 

Wie es sich anfühlen mag, manisch-depressiv zu sein oder welche Bedeutung Schlüssel bekommen, wenn man plötzlich „eingeschlossen“ im BKH ist? Davon wusste Martin Kolbe, begleitet von Jean-Pierre von Dach, im wahrsten Sinne des Wortes ein Lied – besser gesagt Lieder – zu singen. Dem einst angesagten Sänger und Gitarrist hatte eine bipolare Störung selbst mehrere Aufenthalte im BKH – „wenn auch in keinem so schönen wie diesem“, wie er meinte – und seiner Bühnenkarriere eine rund 25 Jahre währende Pause beschert. Inzwischen erzählt er in seinen Liedern von den Erfahrungen in der Psychiatrie und den Menschen. 

Die gut dreistündige Eröffnung war prall gefüllt mit launigen und frisch vorgetragenen Begrüßungen, Reden, kirchlichem Segen sowie einem historisch interessanten wie amüsanten Festvortrag von Prof. Dr. Heiner Fangerau, Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Köln. Er nahm darin die Geschichte der Nervenheilanstalten ins Visier und dabei vor allem Patientenlob und –beschwerden als möglicherweise ja zeitlose Konstante. 

„Jetzt exzellente Bedingungen“ bescheinigte Jürgen Reichert, Bezirkstagspräsident des Bezirks Schwaben und Verwaltungsratsvorsitzender der BKH Schwaben, dem 34 Millionen Euro teuren Neubau, davon 28,7 Millionen Euro aus dem Bayerischen Staatshaushalt. Sein Wunsch: dass sich nicht nur die Patienten, sondern auch die Mitarbeiter „von der Reinigungskraft bis zum Chefarzt hier wohlfühlen“. 

Bayerns Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, Melanie Huml, betonte, dass man „psychische Erkrankungen als das begreifen muss, was sie sind“ und dass sie jeden treffen könnten. Für das neue Gebäude hatte sie nicht nur deshalb Lob, weil es mehr Platz oder „70 Prozent mehr Behandlungskapazität“ biete, sondern vor allem weil das BKH im Klinikverbund aufgenommen worden sei, was „Vorbildfunktion in Schwaben“ habe. So könnten nämlich alle vom interdisziplinären Austausch und den Synergien profitieren, meinte sie. Ein „deutliches Zeichen gegen die Stigmatisierung“ sah sie in der einen gemeinsamen Eingangstür. So sehe man niemandem an, wohin er gehe. Als „Freund regionaler Strukturen“ sei ihr die „Versorgung vor Ort“ schon wegen der leichteren Wiedereingliederung ein wichtiges Anliegen. Eine schöne – und zeitsparende – Idee war neben den weiteren „Live-Redebeiträgen” eine Reihe von Akteuren rund um das Kemptener BKH und seine neue Bleibe quasi per Videobotschaft in zwei Kurzfilm-Blöcken zu Wort kommen zu lassen. Am Ende des kurzweiligen Programms jedenfalls hatten sich die Gäste ihre Schnittchen vom Buffet redlich verdient. Christine Tröger

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