In neuem Glanz

Der Chorraum mit den drei Gerüsten vor den Glasfenstern, die gerade in Würzburg restauriert werden beziehungsweise schon fertig sind. Alle Bilder wurden beim Erntedankfest aufgenommen. Foto: Kampfrath

Pünktlich zum ersten Advent soll die „gläserne“ Familie in die St.-Mang-Kirche Kempten zurückkehren. Noch sind Maria, Josef und das Christkind in der Glaswerkstätte Rothkegel in Würzburg, wo man sie auf Vordermann bringt. Denn seit einigen Wochen werden die sieben bunten Fenster des Chorraums restauriert.

Die Instandsetzung der über 142 Jahre alten Fenster ist dringend nötig. Die Glasfelder sind beziehungsweise waren stark verschmutzt. Die Originalbemalung auf den Rückseiten der Fenster ging in den vergangenen Jahrzehnten mehr und mehr verloren. Das Kondenswasser konnte nicht ablaufen und gefährdete die Glasmalereien. Das mittlere Fenster auf der Ostseite der Kirche ist schon fertig restauriert. Das Motiv zeigt das Sterben Jesu am Kreuz. Maria steht im blauen Mantel auf der linken Seite, rechts ist im grün-roten Gewand der Lieblingsjünger zu erkennen. Die Restauration dieses Fensters hatte eine Münchener Firma für Glasmalerei übernommen. Die anderen sechs Fenster setzen die oben genannten Würzburger instand. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 175 000 Euro. Mehrere Privatpersonen, Vereine und Stiftungen spendeten etwa 100 000 Euro, die Stadt Kempten gab 70 000 Euro. Von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz erhielt die St.-Mang-Kirche im September 6000 Euro. Doch wegen ihrer Schönheit und Leuchtkraft ist die Erhaltung der Chorraumfenster jeden Cent wert. Und die Stifterin Regina von Neubronner, die 1865 verstarb, hätte sich ohnehin gefreut. Die Witwe eines Großhändlers wollte damit die im gotischen Stil gebaute Kirche verschönern. Die Hauptmotive der Fenster legte sie im Wesentlichen selbst in ihrem Testament von 1863 fest. Der damalige evangelische Stadtpfarrer und Dekan Johann Friedrich Linde – Vater des berühmten Erfinders Carl von Linde – kümmerte sich nach dem Tod der Regina von Neubronner um den Vollzug ihres letzten Willens. August von Kreling, damals Direktor der königlich-bayerischen Kunstgewerbeschule in Nürnberg, zeichnete die Entwürfe für die Fenster. Sein Schüler Christian Klaus (1843 - 1893) übertrug die Entwürfe in der Größe der Fenstermaßstäbe auf Karton. Christians Bruder Johann Klaus wiederum setzte die Vorlage der Kartonschablonen auf Glas um. Die Technik bei der Herstellung von Glasmalereien hat sich in den vergangenen Jahrhunderten im Wesentlichen nicht verändert. Die Gebrüder Klaus arbeiteten von 1867 bis zum Sommer 1869 an den Fenstern. Eigentlich ist Weihnachten ja ein freudiges Fest. Doch ausgerechnet das Fenster, das mit Maria, Josef und dem Christkind das Weihnachtsgeschehen darstellt, war für Johann Klaus mit viel Mühe verbunden. Im Winter 1867/68 übertrug er die Vorlage des Bruders auf Glas – zu einer Zeit, wo die Nächte am längsten und die Tage am kürzesten sind. In einem Brief beklagte Johann Klaus, dass „in dieser Tageszeit nichts denn trübe Tage und die Ausführung unmöglich ist.“ "Gute Nachbarschaft" Der untere Teil des Weihnachtsfensters zeigt als bärtigen Mann den Propheten Jesaja, der die Geburt des Messias ankündigt. Das Fenster befindet sich in „guter Nachbarschaft“. Die zwei Chorfenster auf der Kirchennordseite zeigen die Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, die an ihren jeweiligen Symbolen Engel, Löwe, Stier und Adler zu erkennen sind. Neben den beiden Evangelistenfenstern ist die Auferweckung der Tochter des Jarus dargestellt. Das Mädchen liegt leblos im Bett. Jesus reicht der Toten die rechte Hand und bewirkt bei ihr das Wunder der Auferstehung. Diese biblische Szene hat die Stifterin Regina von Neubronner offensichtlich geliebt. Denn dasselbe Motiv sieht man auf einem Ölgemälde in der St.-Mang-Kirche. Die sieben Fenster wurden in den Jahren 1967 bis 1970 schon einmal restauriert. Dabei geschah ein Malheur. Das Abendmahlsfenster auf der Südseite ging beim Ausbauen zu Bruch. Dennoch ist es nicht verloren. „Die Glasscherben befinden sich noch bei einer Firma in München“, sagt Ulrich Gampert, Pfarrer an der St.-Mang-Kirche.

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