Neuer Geschäftsführer der Körperbehinderte Allgäu

Zwei an der Spitze

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Michael Knauth und Reinhold Scharpf (re.).

Kempten – Die Körperbehinderte Allgäu mit Sitz in Kempten hat zum 1. April 2016 mit Dr. Michael Knauth einen neuen Geschäftsführer bestellt. Der bisherige Geschäftsführer Reinhold Scharpf, seit 20 Jahren in dieser Position, wird zum 31. Januar 2018 in den Ruhestand gehen. Bis dahin werden beide Geschäftsführer gemeinsam die gemeinnützige GmbH leiten.

Die Körperbehinderte Allgäu betreut als einer der großen regional verwurzelten Arbeitgeber mit 450 Mitarbeitern allgäuweit 1300 Menschen mit unterschiedlichster Behinderung.„Wirtschaftliches Denken und ein menschliches Herz – wenn beides zusammenkommt, wird die Welt ein Stück besser“, so die Überzeugung von Knauth. „Das funktioniert im sozialen Bereich genauso wie in der Wirtschaft.“ Als er noch in Hamburg beim Otto Konzern im Bereich Geschäftsentwicklung arbeitete, hat er diese Firmenkultur bei einer der wohlhabendsten Familien Deutschlands erlebt. Insgesamt 13 Jahre Wirtschaftserfahrung aus der Konzernwelt, einem Startup der Internetbranche und einem Mittelständler in der Wohnungswirtschaft bringt Knauth mit. Weitere sieben Jahre hat der studierte Medienökonom im Non-Profit Bereich bei einer europäischen Forschungseinrichtung und als Lehrstuhlinhaber einer Fachhochschule in München gearbeitet. Familiär ist der Vater von zwei Kindern seit acht Jahren im südlichen Oberallgäu verwurzelt und engagiert sich dort auch als erster Vorstand eines großen Sportvereins.

Die Folgen angeborener oder erworbener Behinderungen für Betroffene und Angehörige kennt Knauth aus seinem persönlichen Umfeld und weiß daher, wie wichtig eine helfende Infrastruktur ist. „Was bei der Körperbehinderten Allgäu in den letzten Jahrzehnten von allen Mitarbeitern aufgebaut und gelebt worden ist, beeindruckt mich sehr. Ich bin stolz, eine so wichtige Aufgabe anvertraut zu bekommen und mitzuhelfen zu können, Menschen mit Einschränkungen darin zu unterstützen, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen.“

Reinhold Scharpf, seit 1996 Geschäftsführer der Körperbehinderten Allgäu, freut sich über die Möglichkeit einer gut geordneten Übergabe und über Unterstützung bis zu seinem Ruhestand Anfang 2018. Ein Ruhestand in Raten, denn er bleibt noch mindestens weitere zwei Jahre bis 2020 als Geschäftsführer der Allgäuer Integrationsbetriebe im Amt, dem Cap-Markt in Betzigau, dem Smart Motel in Kempten-Leubas sowie dem Allgäu Art Hotel im Zentrum der Stadt, das Ende 2016 eröffnen wird.

In allen drei Betrieben finden Menschen mit Behinderung einen Arbeitsplatz, mit dem sie ihren eigenen Lebensunterhalt finanzieren können. Die Betriebe mit einer Quote von mindestens 40 Prozent der Belegschaft mit Behinderung sollen als Vorbild zeigen, dass Menschen mit und ohne Behinderung zusammen arbeiten, einkaufen, essen und übernachten können. „Das ist gelebte Inklusion!“, so Scharpf. Allerdings erfordern behindertengerechte Ausbauten höhere Bausummen, damit sich etwa gehörlose, blinde und sehbehinderte oder in der Mobilität eingeschränkte Menschen gleichermaßen zurechtfinden. Einen großen Teil finanziert die Körperbehinderte Allgäu aus eigenen Mitteln, ist darüber hinaus aber auch auf Spenden angewiesen.

Im Jahr 1958 ist die Körperbehinderte Allgäu einer Elterninitiative heraus gegründet worden und hat sich seither kontinuierlich weiterentwickelt. Heute gehört die Astrid-Lindgren-Schule mit 150 Schülern und integrierter Tagesstätte mit Therapie ebenso dazu wie der Kindergarten „Schwalbennest“. Für rund 100 Menschen wurde zwischen Memmingen und Immenstadt Wohnraum mit individuellen Betreuungsformen geschaffen. In der Villa Viva wird Menschen nach Schlaganfall und Schädel-Hirn-Trauma durch Intensivtherapie geholfen, möglichst große Teile ihrer verloren gegangenen Fähigkeiten wiederzugewinnen. Ein mobiler Dienst kommt zu den Menschen nach Hause und unterstützt sie im Alltag. Zur temporären Entlastung oder als erste Form der Ablösung von Angehörigen werden eine Kurzzeitpflege und ein Internat angeboten. Auf neurologische Erkrankungen aller Art ist die hauseigene Therapiepraxis spezialisiert. Mehrere Fachdienste beraten behinderte Menschen und Angehörige in allen Lebenslagen. Für die Betroffenen fallen in aller Regel keine eigenen Kosten an.

„Uns zeichnet aus, dass wir uns Zeit für den einzelnen Menschen nehmen. Zu vielen Kindern und Erwachsenen bestehen jahrelange Beziehungen, denen wir dadurch auch beim Übergang in neue Lebenssituationen gut helfen können, beispielsweise beim Wechsel aus der Familie in ein eigenes Zuhause. Die Menschen schätzen es, dass wir eben kein wirtschaftliches Interesse verfolgen, sondern als gemeinnütziger Träger dem Gedanken verpflichtet sind, den Menschen zu helfen“, führt Reinhold Scharpf aus. „Aus dieser Überzeugung heraus erbringen unsere Mitarbeiter deshalb oft auch Leistungen, die sich nicht abrechnen lassen, aber den von uns betreuten Menschen ein dankbares Lächeln ins Gesicht zaubern.“ kb

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