BSG-Allgäu und Diakonie weihen gemeinsames Projekt ein

"Würdevolles Lebensalter"

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Feierten mit den künftigen Mietern:(v.l.) Tagespflegeleiterin Birgit Prestel, OB Thomas Kiechle, Diakonie-Geschäftsführerin Indra Baier-Müller und die beiden BSG-Vorstände Tanja Thalmeier und Mario Dalla-Torre.

Kempten – „Der Bau ist ein Gedicht“, schwärmte Erich Lempenauer, nachdem er das neue Gebäude in der Haufstraße 9 im Stadtteil Sankt Mang besichtigt hatte. Er ist direkter Nachbar und zwei Bekannte von ihm „haben hier gemietet“. In Kürze werden sie einziehen können – Anlass für die BSG-Allgäu mit den künftigen Mietern, Vertretern der Stadt und der Diakonie zu feiern. Obwohl bereits alle der Wohnungen im „Betreuten Wohnen“ vermietet sind, wurde die Möglichkeit zur Besichtigung des Gebäudes eifrig genutzt.

Rund 5,5, Millionen Euro hat die BSG-Allgäu in die insgesamt 26 freifinanzierten Wohnungen investiert, die zum 16. Oktober bezugsfertig sein sollen. In den drei Obergeschossen gibt es 50 bis 62 Quadratmeter große Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie Drei-Zimmer-Wohnungen mit rund 90 Quadratmetern.

Durch das Erdgeschoss führte Oliver Stiller, Leiter des Alten- und Pflegeheims Wilhelm-Löhe-Haus der Diakonie. Auf den 210 Quadratmetern eröffnet die Diakonie ab Oktober eine neue Seniorenbetreuung und Tagespflege mit 13 Ganztagesplätzen. Es soll ein Ort sein, an dem sich ältere Menschen „wohl fühlen und gerne sind“, betonte Diakonie-Geschäftsführerin Indra Baier-Müller. Unter der Woche sollen zum Beispiel ältere Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen oder mit einer dementiellen Erkrankung „nur an einem Tag oder an allen Wochentagen hier Gast“ sein können. Die BSG zeige seit Jahren, „wie gut die Mitgliederbetreuung insbesondere für die ältere Generation funktioniert“ und habe „große Weitsicht“ beim Thema Demografiewandel bewiesen, lobte sie. „Würdevolles Lebensalter ist eine Qualität, die wir hoch halten sollten“, wünschte sie sich diese Erkenntnis auch bei den Kostenträgern. 

Zwei Seniorenwohnanlagen mit insgesamt 152 Wohneinheiten befinden sich bereits im Bestand der BSG-Allgäu. Das Durchschnittsalter der Mieter dort: 81 Jahre. Rund ein Drittel der rund 3600 Genossenschaftsmitglieder sind über 65 Jahre alt, wie auch jeder fünfte Sankt Manger. „Viele dieser Menschen leben allein, immer mehr dieser Menschen sind einsam“, erklärte BSG-Vorstand Tanja Thalmeier die Beweggründe für das Projekt. Durch die „Soziale Stadt“ seien viele Dinge zur Förderung von sozialen Kontakten entstanden – Marktplatz, „Treffpunkt“ oder Miniladen – und die Erfahrungen hätten sowohl mehr Bedarf beim „Betreuten Wohnen“ gezeigt, wie auch bei der Tagespflege. Eine der Wohnungen wurde für Forschungs- zwecke vermietet, wie Thalmeier erzählte. Und zwar an die Kemptener Hochschule, mit dem Ziel, „in den verschiedensten Lebenssituationen altersgerechte Assistenzsysteme für ein gesundes und unabhängiges Leben zu entwickeln“.

Froh und dankbar zeigte sich OB Thomas Kiechle über die beiden „starken Partner BSG und Diakonie“, denn „die Stadt allein kann den demographischen Wandel nicht bewerkstelligen“. Dass die BSG-Mitglieder neben einem lebenslangen, sicheren Wohnrecht auch zu bezahlbaren Mieten in den Genossenschaftswohnungen leben können, sei, so Vorstandsvorsitzender Mario Dalla-Torre, nur durch die im Bau- trägergeschäft erwirtschafteten Überschüsse möglich. Dafür müsse aber auch künftig eine umfangreiche Bautätigkeit gewährleistet sein, „wozu wir allerdings auch die entsprechenden Grundstücke benötigen“, richtete er das Wort an den OB und die Vertreter des Stadtrats. Denn über den Bau von Wohneigentum könne der Mietpreis auf dem Niveau von 5,50 Euro pro Quadratmeter angeboten werden, erläuterte er die Kalkulation anhand der aktuell 100 im Bau befindlichen BSG-Mietwohnungen. Die Investitionssumme für die insgesamt 7500 Quadratmeter beträgt demnach 21 Millionen Euro und damit 2800 Euro Gesamtbaukosten pro Quadratmeter. Bei einem Verkaufspreis von derzeit 3200 Euro pro Quadratmeter wären drei Millionen Euro Überschuss zu erwirtschaften.

Als sozial orientiertes Wohnungsunternehmen betreibe die BSG die Bauträgerschaft aber einzig um die Mieten für ihre Mitglieder subventionieren zu können, so Dalla-Torre. Eine wichtige Rolle spiele auch der große Teil an eingesetztem Eigenkapital sowie öffentlichen Baudarlehen. Denn bei reiner Fremdfinanzierung über Kreditinstitute würde die Kaltmiete 11,50 Euro für den Quadratmeter betragen müssen, meinte er.

Bei kühlenden Getränken, Würstchen, Eis und Klängen des Musikvereins Sankt Mang saßen viele der Gäste noch bis in den Abend hinein.

Christine Tröger

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