"Neues Stadttor" bewegt die Massen

Ob das neue Stadttor entstehen soll, entscheiden die Isnyer am 5. Februar. Foto:Archiv

Wenn am 5. Februar 2012 mit einem Bürgerentscheid das Thema „Neues Stadttor Isny“ klargestellt ist, werden viele auch wieder ruhig schlafen können, egal ob sie dafür oder dagegen sind. Zur Vorbereitung des Bürgerentscheids haben bis zur Abstimmung noch beide Seiten, Befürworter und Gegner, Zeit Argumente zu sammeln, mit der die Gegenseite überzeugt werden könnte. Vergangenen Donnerstag sah es jedoch nicht besonders rosig für eine gelungene Überzeugungsarbeit aus. Beide Seiten haben ihren Standpunkt und beide Seiten haben aus ihrer Sicht Recht.

Die Stadtverwaltung und die Lenkungsgruppe des Projekts hatten sich gut auf die Infoveranstaltung im Kurhaus am Park vorbereitet. Dr. Gerhard Keck, einer der Direktoren an der privaten Steinbeis Hochschule in Stuttgart mit dem Interessenschwerpunkt „Chancen und Risiken von Großprojekten“, übernahm die Moderation. Margrit Walker-Thöns, Gemeindepräsidentin (Bürgermeisterin) von Vals berichtete über die Zumthor-Therme in Vals und Sonja Rube und Ruth Beilharz hatten ihr Konzept gründlich überarbeitet, um Überzeugungsarbeit leisten zu können. Bürgermeister Rainer Magenreuter begrüßte zu Beginn die Gäste im voll besetzten Saal. Anschließend erläuterte Dr. Keck das weitere Vorgehen an diesem Abend. Was dann folgte, war quasi ein Rechenschaftsbericht von Sonja Rube und Ruth Beilharz, die das Projekt koordinieren. „Spin-Doctor“ ist die Bezeichnung für jemanden, der die positiven Aspekte einer Entwicklung betont und die weniger erfreulichen geschickt umgeht. Man konnte den Koordinatorinnen durchaus zustimmen: „Isny muss jede sich bietende Chance nutzen um zukunftsfähig zu bleiben und aus dieser Sicht ist das Neue Stadttor ein positiver Aspekt.“ Die Zukunftsprognosen der Bevölkerungsentwicklung sehen bundesweit nicht gut aus. Demografische Veränderungen, Abwanderung der jüngeren Bevölkerung wegen Perspektivlosigkeit. Die Liste ist fast unendlich. Ruth Beilharz ging die Sache emotionaler an. Peter Zumthor als Mensch, seine Leistungen und sein Status in der Architektenwelt waren ihr vordringliches Thema. Sie erzählte von ihrem Besuch des Zumthor- Bauwerks in Vardø (Norwegen) und wies immer wieder auf die Spiritualität seiner Bauten hin. Margrit Walker-Thöns stellte die Geschichte von Vals und die Veränderung des ganzen Tales nach Bau der Therme vor. Im Jahr 1948 wurde ein Stausee auf der Gemarkung erschaffen, der gleichmäßig fließende Einnahmen aus den Konzessionen mit sich brachte. Daraus folgte die Vision von der Nutzung des Thermalwassers zu mehr als nur einer Badegelegenheit. Das kleine Vals mit seinen 3000 Einwohnern hat es verstanden, seine Region voran zu bringen und nun in eine rosige Zukunft zu blicken. Die Gesamtkosten lagen bei mehr als 30 Millionen Schweizer Franken, die jährlichen Einnahmen von den rund 90 000 Besuchern stiegen beachtlich. Mehr geht nicht, und Mut hat sich ausgezahlt. Eine Therme ist zwar schon etwas mehr als ein Glasturm, aber die Zielrichtung des Vortrags war klar: „Wollt ihr Isnyer denn hinter dem kleinen Vals zurückstehen?“ Bedenken einarbeiten Die anschließende Diskussion brachte keinen nennenswerten Wandel der vorher gehabten Einstellungen. Die Fragen wurden ruhig vorgetragen, die Antworten mit der nötigen Genauigkeit gegeben. Einige der vorgebrachten Bedenken sollen nun von Sonja Grube überarbeitet werden und Teil des Konzepts werden. Man kann sich auf die nächste Veranstaltung vorbereiten und die Diskussion in kleineren Gruppen wird ebenfalls noch voran getrieben. Was jetzt auf dem Tisch liegt ist ein Vorentwurf. Sollte der Bürgerentscheid positiv für das Projekt enden, sind es noch Jahre bis die Umsetzung erfolgt.

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Mongolei – Nomadenstaat im Spannungsfeld mit Urbanisierung

Kempten – Das Haus International erfüllte auch an diesem Abend seine Mission als interkulturelles Zentrum der Stadt Kempten. Der recht gut besuchte …
Mongolei – Nomadenstaat im Spannungsfeld mit Urbanisierung

Kommentare