IHK Schwaben präsentiert neueste Umfragezahlen der Tourismus- und Freizeitwirtschaft

"Es läuft rund" – größtenteils

+
Zogen Bilanz zur Tourismus- und Freizeitwirtschaft in der Sommersaison 2016: (v.l.) Jochen Deiring, Johann Britsch und Klaus Holetschek.

Kempten – Bilanz zu einem laut Dr. Peter Lintner, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Geschäftsfeldleiter Standort und Monitoring der IHK Schwaben, „echten Eckpfeiler“ der Wirtschaft in Schwaben – der Tourismus- und Freizeitwirtschaft – wurde am Mittwochvormittag im Rahmen eines Pressegesprächs in der IHK-Regionalgeschäftsstelle Kempten gezogen.

„Es läuft rund“, begann Ulrike Weber, Branchenbetreuerin des Freizeitsektors bei der IHK Schwaben, ihre kurze Präsentation. Zwei Mal im Jahr befragt die IHK ihre Mitgliedsbetriebe aus Hotellerie, Gastronomie, Campingplätzen und der Reisebranche. Bei der jüngsten Befragung vom September 2016 bewerteten im Gastgewerbe 59 Prozent ihre Geschäftslage als gut, 35 Prozent als befriedigend und lediglich sechs Prozent als schlecht. Im Allgäu sind die Zahlen sogar noch besser (62 %/36 %/2 %). Auch die Konsumlaune ist laut Weber ungebrochen. „Die Gäste geben gerne Geld in unserer Region aus.“ Durch die guten Zahlen hat das bayerisch-schwäbische Gastgewerbe auch hohe Erwartungen an die Wintersaison. 19 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage, 73 Prozent eine gleichbleibende und acht Prozent rechnen mit einer Verschlechterung. Der Bedarf an Beschäftigten steigt leicht. In diesem Bereich macht sich jedoch der Fachkräftemangel bemerkbar, denn 58 Prozent der Unternehmen haben längerfristig offene Stellen, die nicht besetzt werden können.

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen ist ungebrochen hoch. 36 Prozent planen steigende Investitionen, 47 Prozent gleichbleibende. Laut Weber werden beispielsweise in vielen Hotels die Wellnessbereiche vergrößert und modernisiert.

In der Reisebranche ist die Geschäftslage unverändert gut. Die schwierige Situation auf der Welt spiele den Reisebüros in die Karten, da die Menschen wieder mehr auf Beratung setzen und nicht mehr alles im Internet buchen, so Weber. Trotzdem nehmen viele der von der IHK befragten Unternehmen einen Umsatzrückgang wahr. „Der Wettbewerb ist hoch und der Kunde sucht sich das beste Angebot.“ Im Gegensatz zum Gastgewerbe ist in der Reisebranche der Fachkräftemangel noch nicht so weit fortgeschritten, hier haben „nur“ 19 Prozent der Unternehmen längerfristig offene Stellen. Die Investitionsabsichten sind auch hier weiterhin auf hohem Niveau.

„Es ist einfach toll, einfach klasse in so einem Regierungsbezirk leben zu dürfen“, freut sich Johann Britsch, Bezirksvorsitzender Schwaben des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands (BHG) über die Zahlen, die „noch nie so gut waren“. Die vielen Auflagen, der „Dokumentationsirsinn“ und das Arbeitszeitgesetz belasten jedoch die Branche. Auf dem Land sei ein Sterben der Traditionsgastronomien zu beobachten und wenn ein Nachnutzer Interesse hätte, könne er sich oft den Umbau aufgrund der Brandschutzauflagen nicht leisten. Am Arbeitszeitgesetz ließ Britsch kein gutes Haar. „Da brauchen wir mehr Flexibilität.“ In der Gastronomie sei es nicht immer möglich, dass die Schicht nach genau zehn Stunden endet, „wenn zum Beispiel eine Hochzeit länger geht als geplant, kriege ich nachts keine frische Brigade mehr her.“ Es gehe nicht darum Mitarbeiter auszunutzen, sondern flexibler mit den Arbeitszeiten umgehen zu können. Gleicher Meinung war auch Jochen Deiring, BHG-Geschäftsführer Schwaben. „Zu Zeiten, in denen viel los ist, sollten die Mitarbeiter auch einmal länger als zehn Stunden arbeiten dürfen“, plädierte er für ein Jahresarbeitszeitkonto, das schon Grenzen setzte, aber auch mehr Spielraum lasse.

Ein weiteres Problem sei die Mehrwertsteuer. „Die Gastronomie braucht die sieben Prozent, sonst stirbt die traditionelle Gastronomie weg“, so Britsch. Derzeit müssen Essen, die mitgenommen werden, mit sieben Prozent, Essen, die in der Wirtschaft oder Metzgerei usw. verspeist werden, mit 19 Prozent versteuert werden.

Klaus Holetschek, Vorsitzender des Tourismusverbandes Allgäu/Bayerisch-Schwaben e.V., präsentierte noch aktuelle Zahlen zu Ankünften und Übernachtungen von Januar bis September 2016. Es habe 3,9 Prozent mehr Ankünfte in Bayern gegeben, im Allgäu waren es sogar 6,8 Prozent. Bei den Übernachtungen gab es in Bayern eine Steigerung von 3,4 Prozent, im Allgäu von sieben Prozent. „Das sind tolle Zahlen, aber trotzdem müssen wir immer versuchen, uns neue Ziele zu setzten, wie wir noch besser werden können.“

Melanie Weidle

Meistgelesene Artikel

Pragmatismus statt Moral

Kempten – Viel wird derzeit über die Türkei und ihren aktuellen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gesprochen. Zuletzt machte die Türkei mit einem …
Pragmatismus statt Moral

Nach Herzenslust einkaufen

Kempten – Mit der „Langen Einkaufsnacht“ läutet das City-Management Kempten traditionell die romantische Vorweihnachtszeit ein. Jedes Jahr strömen am …
Nach Herzenslust einkaufen

Probephase bestanden

Kempten – Zwar seien einige Probleme während der ersten drei Tage aufgetreten, insgesamt sei die Sperrung der Salzstraße während der Festwoche aber …
Probephase bestanden

Kommentare