Noch kein Entschluss

Im Prinzip keine schlechte Idee, aber auch nicht dringend notwendig ist nach Ansicht von Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann ein Gesamtverkehrskonzept für Kempten. Das hat er vergangene Woche im Verkehrsausschuss erklärt. Einen solches Konzept hatten die Stadträte Thomas Hartmann (Die Grünen) und Helmut Hitscherich (UB/ödp/FDP) gefordert. Aus dem Gremium gab es keine Stimmen dagegen. Es deutete sich jedoch an, dass die Frage nach den Inhalten eines solchen Konzepts kontroverse Diskussionen nach sich ziehen wird.

Als „durchaus sinnvoll“ bezeichnete Wiedemann die Idee eines Gesamtverkehrsplans (GVP). Einen dringenden Bedarf sehe er jedoch nicht. So genannte Projekt bezogene Teilraumuntersuchungen seien ausreichend, um Kemptens Verkehrsprobleme zu lösen. Ein GVP könne dabei helfen, städtebauliche, strukturelle und verkehrstechnische Entwicklungen der vergangenen Jahre in Einklang zu bringen. Man müsse zunächst Daten sammeln, um den Ist-Zustand zu analysieren, so der Leiter des Tiefbauamtes. Dafür müsse man die Bevölkerung befragen. Welche Verkehrsmittel benutzen die Kemptener? Wo wohnen und wo arbeiten sie, welche Parkplätze nutzen sie? Diese und andere Fragen müsste man rund einem Drittel der Bewohner per Fragebogen stellen, so Wiedemann. Für diesen aufwändigen Prozess habe die Stadtverwaltung im Moment nicht die Kapazität. Vor dem Jahr 2011 werden keine Ergebnisse vorliegen. Provokante Pläne Die Verzögerung störte Antragsteller Thomas Hartmann nicht. „Schon allein wegen der hohen Kosten ist ein Gesamtverkehrsplan ad hoc nicht zu erwarten“, erkannte er an. Rund 100000 Euro müsse die Stadt dafür aufbringen, schätzte Wiedemann. Hartmann regte jedoch an, einige Aspekte bereits jetzt zu berücksichtigen. Die Bahnhofstraße zwischen Hirnbein- und Beethovenstraße soll nach dem Willen von Hartmann zur Fußgängerzone werden. Die Beethovenstraße wiederum will Hartmann zwischen Linggstraße und Freudental ebenso für den Autoverkehr sperren wie das Stück der Poststraße zwischen Salzstraße und Am Stadtpark. Das Ziel: Den Abkürzungs- und Durchgangsverkehr in der Innenstadt eindämmen und so mehr Lebensqualität durch weniger Autoverkehr schaffen. Er räumte ein, dass seine Vorschläge möglicherweise provokant klingen. Weniger Verkehr in der Innenstadt sei jedoch „moderne Verkehrsplanung“. Abstimmung vertagt In die Jahre 1995/96 sah sich OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) durch die Vorschläge zurück versetzt. „Wir können die Innenstadt nur entwickeln, wenn sie auch erreichbar ist“, das habe man damals beschlossen, erklärte das Stadtoberhaupt. Um zu einer Einigung zu kommen, schlug Michael Hofer vor, eine Arbeitsgruppe zu gründen, ähnlich der, die derzeit ein neues Museenkonzept erarbeitet. Zwar sprach sich niemand explizit gegen einen GVP aus, den Beschluss, ihn langfristig umzusetzen, fasste der Verkehrsausschuss dennoch nicht. Thomas Hartmann stellte den Antrag, die Abstimmung zu vertagen. Er wolle noch offene Fragen mit Markus Wiedemann besprechen.

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