"Feierliche Schnapsidee"

Hochzeitsfeier im Bierzelt

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Alex und Ines feiern ihre Hochzeit auf der Festwoche.

Kempten – Da war Alex, der frischgebackene Ehemann, aber ganz schön mutig! Als er vergangenen Herbst um die Hand seiner Ines bat und mit der Idee aufkam die Hochzeit doch auf der Festwoche zu feiern, lag das Allgäuer Volksfest terminlich noch in weiter Ferne.

„Gott sei Dank hat sie so lange gewartet und ist zwischenzeitlich nicht abgesprungen“, lacht der Bräutigam erleichtert.

Aber nicht nur deshalb hatte Alex Glück mit seiner, wie er selber sagt, „feierlichen Schnapsidee“. Schließlich träumen die meisten Frauen von einem weißen Kleid, Kutsche und Romantik und nicht von einer rustikalen Sause im Bierzelt. Aber Ines tickt da ganz anders: „Wir haben uns ungewöhnlich und chaotisch kennengelernt, warum dann nicht extravagant und unkonventionell heiraten? Außerdem in Weiß wäre sowieso nicht in Frage gekommen. Wir beide waren schon mal verheiratet. Und was gibt es Schöneres als eine tolle Tracht? Ich fand die Idee von Anfang an super!“

Nicht nur eine super Idee! Mit ihrer Hochzeitsfeier auf der Allgäuer Festwoche, treten Ines und Alex in Sachen zünftiges Feiern in große Fußstapfen. Man denke nur an das Oktoberfest in München. Wussten Sie, dass das größte Volksfest der Welt eigentlich eine große Hochzeitsfeier ist? Vor 203 Jahren feierten damals 40 000 Münchner auf einer Wiese vor der Stadt die Hochzeit des bayerischen Kronprinzen Ludwig und der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen. Fünf Tage dauerten die Feierlichkeiten. Die Münchner fanden Gefallen daran und feierten seither jedes Jahr wieder und wieder und wieder.

Ines und Alex haben ihre Hochzeit hoffentlich nur einmal gefeiert. Aber das, wie der eingefleischte Allgäuer zu sagen pflegt: „richtig gscheid!“ Los ging´s am vergangenen Samstag zunächst traditionell auf dem Standesamt mit anschließendem Einkehrschwung im Hasen in Waltenhofen. Danach nahm die Festwochengaudi ihren Lauf. Und zwar so wie es jeder eingesessene Allgäuer kennt: Mit dem Bus. „Dass wir gleich mit 50 Gästen einsteigen wollten, war gar nicht das Problem. Aber man weiß ja, wie das rund um die Festwoche manchmal laufen kann: Eine halbe Stunde Verspätung. Das war schon ein ganz eigenes Bild: Eine ganze Hochzeitsgesellschaft wartend an der Bushaltestelle“, schmunzelt der frisch angetraute Alex. Macht aber nichts. Angekommen ist die Hochzeitsgesellschaft trotzdem und stürmte in Windeseile das Bierzelt. Tatort der ausgelassenen Feierlichkeiten: Tisch acht in der Edelweißbox, liebevoll von der Zeltwirtin mit Blumen dekoriert. Denn Hochzeit bleibt schließlich Hochzeit und braucht auf jeden Fall das gewisse Etwas.

Bei deftiger, bayerischer Verköstigung a la Schweinshaxe, Händerl und Maß ließen es sich Ines, Alex und die gesamte Hochzeitsgesellschaft so richtig gut gehen. Und das alles begleitet von der Musikkapelle Betzigau. „Besser geht´s doch nicht, oder? Wer hat schon eine 30 Mann Kapelle völlig umsonst für seine Hochzeit. Es war einfach alles da, was man für eine tolle Feier braucht und eine spitzen Stimmung obendrein“, freut sich Ines, die noch immer stolz lächelt, wenn sie einen Blick auf ihr Brautdirndl wirft. Kein Wunder, denn die Tracht ist wirklich ein echter Hingucker. Gefertigt aus indischem Sari-Stoff, mit glitzernden Ärmeln und Schürze. Bayerisch traditionell, gemischt mit einem Hauch von Orient.

Das passt im Übrigen perfekt zu Braut und Bräutigam. Denn die beiden sind echte Reisefreaks und haben sich genau so kennengelernt: Vor zwei Jahren, im Flieger von Memmingen nach Mallorca. „Ein Habicht hat sich ins Triebwerk verflogen und das musste dann erst einmal repariert werden. Nach langer Wartezeit war ich dann endlich im Flugzeug. Eine Reihe vor mir saß so ein Kerl, der ständig Witze über das kaputte Triebwerk gemacht hat. Ich hab mir gedacht: Entweder jetzt genervt sein oder einfach eine Reihe vorrücken und mit ihm quatschen. Tja: Das war halt dann der Alex. Hat gepasst wie Deckel auf Topf und ein halbes Jahr später bin ich schon bei ihm eingezogen“, erinnert sich Ehefrau Ines. Dabei lächelt sie ihrem frisch Angetrauten keck zu. Und weiß ganz genau: Egal ob Feiern auf der Festwoche, am Strand, im Urwald oder auf der Zugspitze –„meinen Alex lass ich nie mehr los!“

Nadja von Thaden

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