Größtes Straßenbauprojekt der Stadt

"Jetzt ist sie fertig"

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Zur Erinnerung an den „spektakulären Spatenstich“ im Jahr 2012, bei dem Innenminister Joachim Herrmann (l.) mit einem Bagger umkippte, erhielt dieser bei der Eröffnung der Nordspange am Freitag einen Mini-Bagger von OB Thomas Kiechle (r.) überreicht.

Kempten – „Jetzt ist sie fertig – die Nordspange“ benannte OB Thomas Kiechle kurz und bündig, was vergangenen Freitag mit einem Bürgerfest und einer durch den Bayerischen Innenminister Joachim Herrmann prominent besetzten Einweihungsfeier in der Riederau ausgiebig zelebriert wurde.

„Vier Jahre Bau, 10.000 Kubikmeter Beton, 200.000 Kubikmeter Erdbewegungen und 24 Hektar ökologische Ausgleichsmaßnahmen“, zog Kiechle Resümee. In zweispänniger Kutsche war er zusammen mit dem Staatsminister zu Klängen der Alphornbläser des Musikvereins Lenzfried und der Musikkapelle Heiligkreuz vorgefahren, was vielleicht als Hinweis darauf gedeutet werden könnte, dass die Ära der zeitraubenden Fahrten zwischen der Autobahnanschlussstelle Leubas und der Bundesstraße 19 – und damit zwischen den Gewerbegebieten Stiftsbleiche und Ursulasried – mit Freigabe der neuen Verbindungsstraße endgültig Geschichte sein soll. Denn wie das Stadtoberhaupt betonte, leistet dieses „größte Straßenbauprojekt unserer Stadt“ einen bedeutenden Beitrag für die innerstädtische Verkehrsführung wie für die Anbindung an das überregionale Verkehrsnetz und stärke damit auch Kempten als Wirtschaftsstandort.

Bis dahin allerdings, habe man einige Hürden bewältigen müssen: der gering tragfähige Untergrund, auf dem die Nordspange hier im Illertal gebaut werden musste; die Ausgleichsmaßnahmen für die erheblichen Eingriffe in Natur und Landschaft und nicht zu vergessen der 2012 erfolgte „spektakuläre Spatenstich“. Zur Erin- nerung gab es einen Mini-Bagger aus der Hand des OB, den Herrmann mit einem Lächeln in Empfang nahm. Damals hatte Herrmann mit seinem Bagger-Unfall das Bauvorhaben unbeabsichtigt in den medialen Fokus gerückt und landesweit bekannt gemacht. Damit aber nicht genug, es folgten ein Bombenfund aus dem zweiten Weltkrieg, Hochwasser im Bereich der Baustelle 2013 und heuer schließlich ein glimpflich verlaufenen LKW-Unfall.

Erfreut zeigte sich Kiechle über die Teilnahme von über 300 Schülern, die am Projekt „Bau macht Schule“ teilgenommen hatten, um die Vielzahl der dort tätigen Gewerke kennenzulernen. Ebenfalls erfreut verkündete er, dass der mit 13,1 Millionen Euro bezifferte Kostenrahmen gehalten werden konnte – für ihn ein Zeichen, „dass hier sorgfältig und gründlich gearbeitet wurde“. Sieben Millionen Euro steuert der Freistaat bei, ein Grund mehr für den Wunsch des Innenministers, dass es zu einer echten Entlastung“ für die Bürger wer-de und für die „prosperierende Stadt“ ein Gewinn. Er betonte, dass der Freistaat Projekte gerne unterstütze, dass aber „Ideen, Wünsche und Ziele“ aus den Kommunen kommen müssten. Er befand es als „richtig“, dass sich der Kemptener Stadtrat für das anfangs „nicht unumstrittene Projekt“ entschieden habe. Natürlich sei ihm klar, dass er nicht nur eingeladen worden sei, um eine Einweihung zu feiern, sondern auch um neue Wünsche mitzunehmen. Lachend griff er den von Kiechle geäußerten Wunsch, den dringend nötigen Ausbau der Kaufbeurer Straße zu bezuschussen, auf und zeigte sich davon überzeugt, dass „wir sicher ein paar Euro“ dafür „abzwacken können“.

Nach einem weiteren Intermezzo von Mitgliedern der Kemptener Stadtkapelle, hatte die Geistlichkeit das Wort mit anschließendem ökumenischen Segen durch Dekan Jörg Dittmar und Pfarrer Rupert Ebbers. Dittmar regte unter anderem spitzbübisch an, dass die Menschen, die durch die Nordspange künftig Zeit sparen, sich überlegen sollen, „was sie Schönes mit diesen zehn Minuten anfangen wollen“ und die Firmen, die dadurch „Geld sparen“, was sie Sinnvolles mit diesem Geld anfangen wollen, „außer immer reicher zu werden“.

Mit einem Autokorso aus PKWs und LKWs von Firmen in den nun direkt verbundenen Gewerbegebieten, wurde die frisch frei gegebene, 1,5 Kilometer lange, mit farbigem Licht illuminierte Strecke, schließlich gleich getestet.

Christine Tröger

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