"Normal und selbstverständlich"

„Kann es ein schöneres Beispiel für Integration geben als dass aus Hilfe Freundschaft wird?“, fasste Laudator Alexander Hold in einem Satz zusammen, wofür Natalie Bauer und Sonja Winkle mit dem diesjährigen Jugendförderpreis des Rotary-Club (RC) Kempten-Residenz ausgezeichnet wurden.

Seit eineinhalb Jahren betreuen die beiden 17-jährigen Schülerinnen zwei Mädchen, Mookarin und Satanee, die kurz zuvor aus Thailand nach Kempten gekommen waren. Wie RC-Präsident Dr. Wolf-Dieter Schwarz-Gewallig es formulierte, hätten sich die beiden jungen Damen „weit über die Norm hinaus“ engagiert, die Initiative ergriffen und „selbstlos und bescheiden gehandelt“. Dafür zollte ihnen auch OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) seine „Hochachtung“. Zunächst hätten sich die beiden schon länger im Verein „Ikarus.Thingers“ engagierten Sprachpatinnen mit ihren thailändischen Schützlingen – die inzwischen „richtig gut Deutsch sprechen“ – nur mit „Händen und Füßen“ verständigen können, beschrieb Hold. Zu den anfangs eineinhalb Stunden Sprachpatenschaft – eine stetig wachsende Freundschaft statt Nachhilfe – jeden Freitag, seien inzwischen gemeinsame Ausflüge oder auch thailändisch Kochen dazu gekommen. „Wer nichts versteht, kann auch nichts lernen“, machte Hold deutlich, dass Sprache „die Schlüsselkompetenz schlechthin für Bildung und Integration“ sei. Ihr Engagement, an dem Natalie und Sonja bekennend Spaß hätten, „finden die beiden ganz normal und selbstverständlich“. Leider sei das aber eben doch nicht so, verdeutlichte er. Verbunden mit der Hoffnung, dass durch das Beispiel der beiden „vielleicht ein paar junge Menschen mehr soziales Engagement selbstverständlich finden“, werde ihnen deshalb der Förderpreis in Höhe von insgesamt 2000 Euro verliehen. Auch wenn Kinder, die einander fremd seien, neugierig und unbefangen aufeinander zu gingen, sei heute „Integration auch unter jungen Menschen nicht mehr selbstverständlich“, lobte auch Justizministerin Dr. Beate Merk, die für die Festrede eigens nach Kempten gekommen war, den Einsatz der Sprachpatinnen. „Ihr habt Mookarin und Satanee nicht nur zu einem menschenwürdigeren Leben verholfen, sondern geht mit gutem Beispiel voran“, wandte sie sich an Natalie und Sonja. „Sprache ist Integration“ betonte Merk, und „Integration ist eine Bereicherung, keine Selbstaufgabe“. Die Ministerin hob besonders das über das Sprachtraining hinaus gehende Engagement der beiden hervor, die Mookarin und Satanee auch sonst „bei der Integration nicht allein gelassen haben“. „Wo Menschen wie Natalie und Sonja fehlen, bleibt oft nur die Justiz“, legte sie dar. Denn die wachsende Gewaltbereitschaft sei letztendlich ein Mangel an Integration, da Werte unserer Gesellschaft wie Toleranz oder Respekt nicht anerkannt würden. „Ihr seid im besten Sinne Beispiel gebend“ ermutigte Hold die beiden Geehrten weiter zu machen.

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