Umstrittene Reform

Schritt in die falsche Richtung

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So soll die geplante Änderung der Notdienstbezirke um das Gebiet Isny aussehen.

Isny – Die kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg will aus den 380 kleineren Notdienstbezirken des Landes 70 Großbezirke machen. Das gab der Isnyer Ärztesprecher Dr. Ernst Reiser jetzt in der Gemeinderatssitzung bekannt. Gegen diese Pläne protestieren die niedergelassenen Mediziner im Bereich Isny allerdings, denn mit dieser Reform werden ihrer Meinung nach funktionierende Strukturen zerschla- gen, die in ihrer Kleinräumigkeit bisher eine schnelle Hilfe bei Notlagen sicherstellte.

„Nach dem Schließungsbeschluss für die Krankenhäuser Leutkirch und Isny droht damit eine weitere Verschlechterung der medizinischen Versorgung“, so Reiser. „Das betrifft dieses Mal den ärztlichen Notdienst. Das ist der Dienst, den wir als Haus- und Fachärzte in den Nächten und an den Wochenenden leisten.“ In besonderen Sprechstunden in den Praxen und bei Hausbesuchen für Patienten, die nicht in der Lage waren in die jeweilige Praxis zu kommen, wurde der gesamte Bereich in und um Isny und in den bayerischen Randgemeinden abgedeckt. Daher ist es unverständlich, warum eine von 33 Ärzten getragene, funktionierende Struktur nun gekippt werden soll. „Den ersten Meilenstein der Reform – die Zusammenfassung der Dienstbereiche und die Festlegung der Standorte für die Notfallpraxen – haben wir erreicht. Die 380 Dienstbereiche werden in enger Abstimmung mit den Kreisbeauftragten auf rund 70 Dienstbereiche reduziert werden“, erläuterte Reiser. Ebenso seien die Standorte für die Notfallpraxen bereits festgelegt. „Es scheint, als habe die kassenärztliche Vereinigung bereits vollendete Tatsachen über alle hinweg geschaffen“, so der Ärztesprecher.

Der geplante große Notdienstbezirk würde von Aichstetten bis nach Achberg reichen. Für Isny/Argenbühl und Umgebung bis in die bayerischen Nachbargemeinden bedeutet das folgendes: „An Samstagen und Sonntagen, später dann auch in den Nächten während der Woche, gibt es keine ärztliche Anlaufstelle in Isny. Patienten mit hohem Fieber, starken Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, egal ob Kinder oder alte Menschen: Alle müssen dann nach Wangen in die dortige Notdienstpraxis fahren oder gefahren werden“, definiert Dr. Reiner die zu erwartende Situation. Eine Hilfe durch Hausbesuche lasse lange auf sich warten, da die Entfernungen riesig sind. „Und was geschieht mit den Patienten, die kein Auto haben?“ fragte er und antwortete mit einer weiteren Frage: „Mit Bus oder Taxi ins Notdienstzentrum fahren?“

Gegen die Reform

Die Ärzte in Isny sind jedenfalls geschlossen gegen diese Pläne. Sie wollen auch weiterhin wohnortnah versorgen. Nun sind auch die Stadt und der Gemeinderat um die Abwendung der Reform bemüht und werden entsprechend reagieren. Derzeit werden Unterschriften gesammelt. Auch wenn hinter der Reform vielleicht Pläne für die fernere Zukunft stecken, die Proteste aus dem ländlichen Raum werden noch zunehmen, denn 30 bis 45 Minuten Fahrzeit zum Notdienst sind nach Meinung vieler einfach nicht zu verantworten.

Die Pläne der KV sollten bereits zum Jahr 2013 umgesetzt werden. Nach einem ersten „Zurückrudern“ werden sie voraussichtlich 2014 Realität. Die Isnyer werden sich weiterhin gegen die Pläne wehren, schließlich haben sie schon den Kampf um das Krankenhaus verloren. „Am besten kaufen wir gleich noch einen Leichenwagen, im Sanka darf man keine Toten transportieren“, war der Kommentar einer Bürgerin nach der Sitzung.   Manfred Schubert

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