"Nur die Spitze des Eisbergs"

„Burnout“ ist ein Schlagwort, das meist in engen Zusammenhang mit Druck am Arbeitsplatz gebracht wird. Aber was steckt wirklich hinter dieser psychischen Erkrankung? Und was kann innerbetrieblich dagegen getan werden? Ein komplexes Thema, dem sich drei Referenten in der vergangenen Woche aus verschiedenen Blickwinkeln näherten.

Zu der Veranstaltung im Cometa Allgäu eingeladen hatten das Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung und die AOK in Zusammenarbeit mit „Frau und Beruf“ sowie „Mensch und Beruf“. Die Teilnahme von über 50 Personalern aus 26 Allgäuer Firmen machte deutlich, dass das Phänomen „Burnout“ auch im Allgäu angekommen ist. Zehn Millionen Krankentage wegen Burnout-Symptomen und ein volkswirtschaftlicher Schaden durch Krankmeldungen aufgrund psychischer Belastung seien allein 2008 angefallen, berichtete die Ärztin Beatrix Kammerlander. In ihrem Vortrag umriss sie Burnout als ein Problem, das immer aus der Gesamtheit äußerer und innerer Faktoren entstehe und jeden treffen könne. Eine „typische Ausbrennerpersönlichkeit“ gebe es nicht. Als erste Warnsymptome des sich als dynamischer Prozess entwickelnden Burnouts nannte sie vor allem Depression, Abbau von Motivation und Kreativität sowie psychosomatische Beschwerden bis hin zu Selbstmordideen. Vorbeugende und auch therapeutische Maßnahmen müssten, so Kammerlander, am Individuum wie auch der Umwelt ansetzen und sich in einer Kombination aus Eigenverantwortung und betrieblichem Gesundheitsmanagement ergänzen. Bloß kein Druck In der Ressourcenstärkung der Mitarbeiter sah Nicole Tannheimer, Beraterin für Betriebliche Gesundheitsförderung, einen Schlüssel Burnout vorzubeugen. Der Mangel an Wertschätzung, Anerkennung, Kommunikation und Information, unzureichende Aufgabenbeschreibungen und Rahmenbedingungen sowie ein schlechtes soziales Klima waren für sie äußere Burnout-Ursachen. Sie appellierte an die Personaler, den Mitarbeitern Möglichkeiten zu schaffen, sich einzubringen, Führungskräfte zu sensibilisieren, für Transparenz zu sorgen und auch Qualifikationen zu ermöglichen. Keinesfalls dürfe es darum gehen Druck auszuüben, um den Krankenstand zu senken. Denn der „Krankenstand ist nur die Spitze des Eisbergs“. Anhand des Team-Management-Systems (TMS) zeigte der Diplom-Psychologe und TMS-Berater Herbert Lange ein Modell auf, wie gute Personal-, Team- und Organisationsentwicklung auf allen Ebenen realisiert werden kann. Großen Stress würden derzeit die Anpassungs- und Veränderungsprozesse in Betrieben erzeugen. Allerdings „gehen weit über die Hälfte aller Changeprozesse schief“, da die Voraussetzungen dafür nicht voll gegeben seien. Um die Bereitschaft der Mitarbeiter zu fördern, müsse das Team einbezogen und „Sinn und Vorteil im ganzen Haus kommuniziert werden“.

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