Thomas Kiechle meistert seinen ersten großen Auftritt

"Möchte etwas bewegen"

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Der doppelte Kiechle: Vor rund 700 Zuhörern im Kornhaussaal stellt OB-Kandidat Thomas Kiechle sein Zehn-Punkte-Programm vor.

Kempten – Einen Schnaps brauchte er dann doch nicht. „Ein wenig aufgeregt“ sei er zwar schon, aber nicht so sehr, dass es vorher noch eines Schlucks Hochprozentigen bedurft hätte.

„Das ist ein wichtiger, ein bedeutender Abend für mich“, sagte Thomas Kiechle. Tatsächlich war die Neujahrsansprache des OB-Kandidaten der CSU im Vorfeld mit Spannung erwartet worden. „Kann er’s?“ fragten sich nicht wenige angesichts von Kiechles Premiere vor einem so großen Publikum. Gegen 20.15 Uhr waren sie schlauer: Er kann’s. 

Nach einer kurzen Begründung, warum er für das Amt des Oberbürgermeisters kandidiere („Für meine Heimatstadt möchte ich etwas bewegen.“), stellte er den Anwesenden sein auf zehn Schwerpunkten basierendes Wahlprogramm vor, die er mit den Ästen eines jungen Baums verglich, der noch wachse. 

Kemptens Wirtschaft stärken: Die Wirtschaft brauche „verlässliche Rahmenbedingen“, betonte Kiechle. Dafür wolle er sorgen. Ein besonderes Augenmerk werde er der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen widmen. „Dabei hat die Entwicklung im Innenbereich Priorität“, sagte er. Aber auch neue Gewerbeflächen – etwa die Areale der Bundeswehr – sollen erschlossen werden. In diesem Zusammenhang wolle er den Ausbau von schnellen Internetverbindungen fördern und WLAN-Hotspots in der Stadt einrichten. Darüber hinaus gelte es, die Hochschule zu fördern und die heimische Wirtschaft zu stärken. Diese solle künftig bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen stärker berücksichtigt werden. Den Dialog zwischen Kommune und Wirtschaft wolle er wieder neu beleben. 

Finanzen im Blick halten: Hier bemüht Kiechle den Vergleich mit der schwäbischen Hausfrau. „Wir dürfen nur so viel Geld ausgeben, wie wir einnehmen. In Zukunft gibt es deshalb keinen Anlass, das Investitionsprogramm mit einem Wunschkonzert zu verwechseln“, betonte der Kandidat. Daher werde er darauf achten, „dass auf der Aufgabenseite Prioritäten gesetzt werden, die immer auch die Kostenseite im Blick haben.“ Konkret bedeute das, dass die städtische Rücklagen die Grenze von acht Millionen Euro nicht unterschreiten sollte, um in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Die Schulden sollen weiterhin konsequent abgebaut werden. „Unseren Kindern werden keine Schulden hinterlassen“, sagte er unter dem Applaus der Anwesenden. 

Verkehr optimieren:Auf Basis eines Verkehrsentwicklungsplans will Kiechle die Verkehrsinfrastruktur in Kempten „grundsätzlich überdenken“. „Dabei sind alle Verkehrsteilnehmer gleichermaßen zu berücksichtigen.“ Vor allem die Innenstadt soll durch verkehrsberuhigte und autofreie Zonen entlastet werden, der Verkehr in die Außenbereiche fließen. „So ist es für mich logisches Ziel, den nördlichen Teil der Bahnhofstraße zu einer reinen Fußgängerzone zu machen.“ Außerdem wolle er die B19 bis zum Autobahnanschluss Kempten-Leubas vierspurig ausbauen, in Wohngebieten und vor Schulen und Kindergärten Tempo-30-Zonen einrichten sowie ÖPNV, E-Mobilität und Radfahren fördern. „Mein Ziel ist es, Kempten zu einer Vorzeigestadt bei der Entwicklung einer umweltfreundlichen Mobilität zu machen.“ Zu verbessern sei auch das Angebot an Parkplätzen. Daher wolle er in der nächsten Legislaturperiode eine Parkgarage in der Rottachstraße bauen lassen. 

Klima schützen: Der Kandidat kündigte an, die energetische Sanierung der städtischen Liegenschaften fortzusetzen und alle öffentlichen Neubauten im Passivhausstandard errichten zu lassen. Das Wohnquartier am „Alten Holzplatz“ will er zu einem Modellprojekt für energetische Sanierung entwickeln, das Fernwärmenetz soll weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus müssten die Klimaschutzbestrebungen im Allgäu besser vernetzt werden, wofür er sich einsetzen wolle. „Nur wenn wir uns auf die lokalen und regionalen Werte und Wertschöpfungsketten rückbesinnen, kann die nationale Energiewende erfolgreich umgesetzt werden.“ 

Familien und Jugend fördern: „Wir brauchen starke Familien, weil sie die Keimzelle unserer Gesellschaft sind, und eine starke Jugend, die sich in Kempten zu Hause fühlt“, betonte der OB-Kandidat. Familienpolitik sei Zukunftspolitik. Dazu gehöre auch ein ausreichendes Angebot an Wohnungen. Bei der Entwicklung der Stadt wolle er künftig mehr die Belange der jungen Generationen beachten. „Eine enge Kooperation mit dem Stadtjugendring ist für mich deshalb selbstverständlich“, betonte Kiechle. 

Senioren begleiten:„Ältere Menschen haben auch einen besonderen Anspruch auf geeignete Wohnformen und eine Fortbewegung ohne Hindernisse“, forderte Kiechle. Deshalb wolle er barrierefreies Bauen fördern und Hürden für Gehbehinderte abbauen. Außerdem sollen Strukturen gestärkt werden, die die Kommunikation und Solidarität zwischen den Generationen erleichtern würden. 

Integration und Inklusion erleichtern: „Wir brauchen eine gelungene Integration, weil wir Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und auch Menschen mit körperlicher und geistiger Einschränkung als eine Bereicherung sehen“, erklärte Kiechle. Daher sollten die Rahmenbedingungen vor Ort weiterhin so gestaltet werden, dass Integration gefördert werde. 

Verwaltung weiterentwickeln: Kiechle kündigte an, die Verwaltung schlanker und effizienter zu gestalten. „Ich werde die Verwaltung noch besser mit der Wirtschaft, den Bürgern und der Politik vernetzen“, kündigte er an. Dazu gehöre auch der umstrittene Ausbau des Bereichs Bürgerservice. 

Kultur, Sport und Ehrenamt wertschätzen: „Ich werde den Umbau unserer Museumslandschaft mit der Entwicklung des Zumsteinhauses zu einer Erstbegegnungsstätte mit der Stadtgeschichte verbinden“, kündigte der OB-Kandidat an. Darüber hinaus will er eine Dreifachturnhalle planen, Kultur- und Sportvereine unterstützen und ehrenamtliches Engagement mit der Ehrenamtskarte würdigen. 

Heimat gestalten: „Wir brauchen Initiativen zur Gestaltung und Entwicklung Kemptens“, forderte Kiechle. Daher werde er sich für das Projekt „Iller erleben“ und vor allem auch eine Aufwertung der Burghalde einsetzen. Hinsichtlich des „großen Lochs“ kündigte er an, als ersten Schritt die Tiefgarage bis zum Erdgeschoss fertig bauen zu lassen. Darüber hinaus sollen in seiner Amtszeit historisch bedeutsame Plätze und Gebäude geschützt werden. In der Vergangenheit sei man beim Abriss solcher Liegenschaften „allzu großzügig“ gewesen.

Matthias Matz

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