Oberallgäuer Landfrauentreffen in Dietmannsried

Vielfalt als Chance

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Tief verwurzelt sind die Landbäuerinnen in die Kultur des Allgäus, in seine Sitten und Gebräuche, aber auch seine Religion, so Kreisbäuerin Monika Mayer in ihrer Rede beim Oberallgäuer Landfrauentag in Dietmannsried, der musikalisch umrahmt wurde vom Oberallgäuer Bäuerinnenchor.

Dietmannsried – „Vielfalt leben!“, so lautete das Motto, unter dem sich am vergangenen Montag Bäuerinnen aus der gesamten Region zum „Oberallgäuer Landfrauentag“ in der Festhalle Dietmannsried versammelten. Neben der Hauptreferentin Maria Hochgruber Kuenzer, einer ehemaligen Landesbäuerin aus Südtirol, waren auch viele männliche Vertreter aus Politik und Verbänden zum Treffen erschienen, um sich unter anderem ein Bild von der aktuellen Stimmungslage unter den Landfrauen zu machen.

So konnten sowohl Landrat Anton Klotz sowie der Bayerische Landtagsabgeordnete und Bio-Landwirt Eric Beißwenger aus Bad Hindelang von der Kreisbäuerin Monika Mayer begrüßt werden. Ebenfalls unter den Anwesenden war die Bezirksbäuerin Anni Fries. Nach einem musikalischen Auftritt des Oberallgäuer Bäuerinnenchors schritt die Kreisbäuerin ans Mikrofon, die gebürtig aus Krugzell stammt und dort einen Vollerwerbshof mit 40 Kühen in Bio-Weise betreibt. „Vielfalt leben!“, dieses Motto nahm Mayer dann auch gleich auf in ihre Ausführungen. „Freiräume“ sind nötig im Leben einer aktiven Bäuerin und „auf gar keinen Fall dürfen wir daheim angekettet sein, denn unsere Aufgaben bewältigen wir freiwillig“, so eine selbstbewusste Kreisbäuerin, die sich im weiteren mit den vielfältigen Aufgaben einer hiesigen Landfrau beschäftigte. Neben dem Betrieb müssten nämlich vielfach auch den Anforderungen der Familie Rechnung getragen werden, sei es bei der Sorge um die pflegebedürftige Oma oder den „lieben Kleinen“, die oftmals zu drei verschiedenen Zeiten zu drei verschiedenen Orten gebracht werden müssten.

Als Mayer dann noch „…dr MA!“ erwähnt, löst sich die Stimmung im voll besetzten Saale und zustimmendes Gelächter ist zu vernehmen. Scheinbar hat die Kreisbäuerin den Nerv der vielen anwesenden Landfrauen getroffen, wenn sie sagt: „Wir tragen Einkaufskörbe, Wäschekörbe, Melkeimer, Kinder, wir tragen Entscheidungen, Schicksalsschläge… wir tragen Verantwortung!“ Mayer rät ihren Landfrauen zu ihrem ganz individuellen „Vogel“ zu stehen und damit meint sie nicht die Meise, sondern den kleinen bunten fröhlichen Vogel, der allen Frauen, die ihr Herz am rechten Fleck tragen, innewohnt.

Natürlich beschäftigte sich Mayer auch mit Sachthemen der Agrarpolitik, sei es die Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel, die sich durch die Tengelmann-Übernahme durch EDEKA jüngst noch verschärfte, oder die andauernde Tierhaltungsdebatte aller Nutztiere, unabhängig von Betriebsgröße, Tierart oder Wirtschaftsweise. Ferner ging die Kreisbäuerin auf Aktionen der Oberallgäuer Landfrauen ein, die unter anderem an Kundgebungen unter dem Motto „Wir machen euch satt!“ in Augsburg und Berlin teilnahmen.

Zudem beteilige sich „frau“ auch an Verbraucheraufklärung wie zum Beispiel beim „fair trade Markt“ in Sonthofen oder an Aktionen wie „Schleuderpreise zerstören“, die auf eine vom Handel einseitig dominierte Preisbildung aufmerksam macht.

Niemals resignieren 

Ehrengast der Veranstaltung war die ehemalige Landbäuerin Südtirols, Maria Hochgruber Kuenzer. Die zeigte sich äußerst selbstbewusst und kämpferisch am Mikrofon und riet den Oberallgäuer Landfrauen niemals zu verzagen oder gar zu resignieren, sondern immer in sich den Stolz einer echten Bäuerin zu spüren, die nichts geringes tue als: „Wir machen euch satt!“ Die Referentin entstammt selbst einer bäuerlichen Großfamilie, sie war das vierte von insgesamt 14 Kindern, und kennt die Verantwortlichkeiten einer aktiven Bäuerin aus eigener Erfahrung. Sie spricht von Bäuerinnen als Vorbilder, die ihre vielfältigen Aufgaben als Chance sehen sollten. Wichtig sei es da, dass die Interessen der Bäuerinnen in Brüssel und Berlin nachhaltig vertreten würden. So sei es den Vertretern italienischer Landbäuerinnen gelungen, für diese in Brüssel bessere soziale Leistungen zu erringen, sei es für das Aufziehen der Kinder oder die Pflege älterer Familienmitglieder.

Hochgruber Kuenzer vermochte es den Oberallgäuer Landfrauen Mut zu machen, sie aufzufordern, sich bei ihren Anliegen gegenseitig zu unterstützen. Zuversicht pflanzte sie in ihre Zuhörerinnen, als sie eine Bäuerin mit den Worten zitiert: „Im Winter wächst das Brot.“

Jörg Spielberg

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