Angehende Abiturienten setzen sich mit der Produktion der Braukunst auseinander

Bierbrauen in Theorie und Praxis

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Nach den biologischen und chemischen Grundlagen in der Theorie folgt die Praxis: Einer der ersten Arbeitsschritte beim Bierbrauen ist das Schroten des vorgereiften Getreides (Weizen, Gerste, Dinkel oder auch Reis und Mais). Tom Mader aus dem P-Seminar „Hilde-Bräu“ vom Hildegardis-Gymnasium führt das Malz (= vorgekeimtes Getreide) behutsam der Getreidemühle zu.

Kempten – 500 Jahre Reinheitsgebot – 500 Jahre „Wasser, Hefe, Hopfen und Malz“. Diese elementaren Grundlagen des Bierbrauens werden seit Beginn des Jahres kräftig gefeiert. Und so war es für das Kultusministerium naheliegend, dieses Thema als Projekt-Seminar für die Oberstufen der Gymnasien in Bayern vorzuschlagen. Am Kemptener Hildegardis-Gymnasium haben sich SchülerInnen und Lehrer diesem Projekt angenommen und sich mit dem Bierbrauen in Theorie und Praxis auseinander gesetzt. Aber auch die Themen Sucht und Suchtprävention kamen nicht zu kurz.

Das P-Seminar (Projekt-Seminar zur Studien- und Berufsorientierung) ist seit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums Teil der gymnasialen Oberstufe in Bayern. Die OberstufenschülerInnen sollen dabei in ihrer Studien- und Berufswahl unterstützt werden. Während im W-Seminar die naturwissenschaftliche Betrachtung eines Themas im Mittelpunkt steht, sollen im P-Seminar praxisorientierte Fertigkeiten eingeübt werden. Für die jeweiligen Fachrichtungen gibt es vom Kultusministerium Vorschläge. Im Fachbereich Chemie wurde im vergangenen Jahr das anstehende Jubiläum „500 Jahre bayerisches Reinheitsgebot“ thematisiert. Am Kemptener Hildegardis-Gymnasium stieß dieses Thema bei Seminarleiter Matthias Klug auf Interesse und so initiierte er das Projekt „Hilde-Bräu – Bierbrauen nach dem bayerischen Reinheitsgebot“.

Zu Beginn stand für die SchülerInnen die allgemeine Studien- und Berufsorientierung auf dem Programm. Bei Exkursionen an die Naturwissenschaftlich-Technische Akademie (NTA) Isny und einem Besuch des Studieninfotags an der Fachhochschule Kempten konnten sich die OberstufenschülerInnen ein Bild von der akademischen Ausbildung machen. Beim Allgäuer Brauhaus wurde es dann praxisnah: Nicht nur die berufliche Ausbildung, auch die industriellen Verfahren zum Bierbrauen wurden bei dieser Exkursion erkundet. In mehreren Teams haben sich die Elftklässler mit der Geschichte des Bierbrauens, den Herstellungsverfahren und den biochemischen Abläufen beschäftigt. Danach wurden vier „Sorten-Teams“ gebildet die die produktionsspezifischen Eigenheiten von vier Biersorten analysierten: Neben den hierzulande gängigen Sorten „Helles“ und „Weizenbier“ konzentrierten sich zwei Teams auf die aus Großbritannien stammenden Sorten „Pale Ale“ und „Stout“. Zusammen mit dem Projektpartner Michael Klein von der Braustätte „Michlbier“ in Kempten/Neuhausen beschafften die Hilde-Bräu-Projekt-Teams die erforderlichen Rohstoffe, organisierten und überwachten den Produktionsprozess und gestalteten die Etiketten für die vier Biersorten.

Der Erlös aus dem Verkauf der von Hand abgefüllten Biere soll an eine gemeinnützige Organisation gespendet werden. „Ohne unsere Sponsoren Sozialbau und Raiffeisenbank hätten wir weder die Kosten für die Rohstoffe noch für die Energie stemmen können – im Namen aller ‚Hilde-Bräu-Team-Mitglieder‘ möchte ich mich ganz herzlich bei diesen beiden Projektpartnern bedanken“, so Christoph Sencar aus dem Projekt-Team.

Nicht zu kurz kamen beim Projekt „Hildebräu“ auch die Themen Alkoholmissbrauch, Suchtverhalten und Prävention. Im Rahmen eines Suchtpräventionstages stellten die SchülerInnen des Hildegardis-Gymnasiums zusammen mit Suchtpatienten und Psychologen die körperlichen und psychischen Auswirkungen von übermäßigem Alkoholkonsum im Speziellen und Drogenkonsum im Allgemeinen dar. In Gesprächen mit Suchtpatienten wurden die Folgen für die Konsumenten und deren familiäres Umfeld verdeutlicht. Allgemeine Informationen zu Alkohol, Nikotin und anderen Drogen vermittelte die Suchtberatungsstelle des Landratsamtes Oberallgäu.

Michael Schropp

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