Parallelität ist das Problem

Die Vorstandschaft des Vereins Kemptener Notärzte: Andreas Schmähling (v.l.), Christian Esser (stv. Vorsitzender), Schatzmeister Ludwig Haver, 1. Vorsitzende Susanne Blechschmidt, Christoph Scheininger und Bernd Fischer (stv. Vorsitzender, Obmann). Foto: Stodal

Die Kemptener Notärzte haben einen neuen Weg eingeschlagen und sich zu einem Verein, dem Kemptener Notärzte e.V., zusammengeschlossen. Bei einer Pressekonferenz im Rahmen der 1. Jahreshauptversammlung am Freitagabend klärte der Vorstand über die Hintergründe, sowie Sinn und Zweck dieses Zusammenschlusses auf.

Im Lauf von 24 Stunden rückt in Kempten rund sieben Mal der Notarzt aus. Wer Hilfe braucht, hat gute Karten, diese schnell zu erhalten. Denn der Notarztdienst funktioniert hier auf drei Ebenen, die auf verschiedene Schultern verteilt sind. Die erste Ebene bildet der sogenannte Regel- oder Vordergrund-Notarztdienst, den das Klinikum in der Robert-Weixler-Straße tagsüber durch einen landgestützten Notarzt sowie den Rettungshubschrauber „Christoph 17“ gewährleistet. Zwischen 18 und 7 Uhr und an den Wochenenden von Freitag 18 Uhr bis Montag 7 Uhr wird der Bereitschaftsdienst dann vom Kemptener Notärzte e.V. übernommen. Zusätzlich gibt es zu den gleichen Zeiten einen sogenannten Hintergrund-Notarzt. Dieser geht auf die ehrenamtliche Initiative einiger unermüdlicher Idealisten – Notärzte und Rettungsassistenten – zurück, die 1993 der Meinung waren, dass ein einziger Notarzt für ein solch großes Einzugsgebiet nicht ausreicht. „Die Problematik liegt ja in der Parallelität der Ereignisse“, erklärt Bernd Fischer, stellvertretender Vorsitzender der Kemptener Notärzte e.V.. „Wenn der Regel-Notarzt nachts um halb drei nach Oy muss, sind der Altlandkreis und das Stadtgebiet Kempten mit seinen 65 000 Einwohnern ohne Notarzt. Deswegen wurde damals dieser Hintergrund-Dienst gegründet, der bis zur Gründung des Kemptener Notärzte e.V. als GbR geführt wurde.“ Dank eines Kooperationsvertrages von Mitte November 2011 unterstützt Letzterer das Klinikum übrigens auch tagsüber an zwei Tagen pro Woche mit seiner Manpower. Die dritte Ebene schließlich bildet ein Zusatz-Notarztdienst, bei dem verschiedene Notärzte von der Integrierten Rettungsleitstelle per SMS-Schleife alarmiert werden. Wer Zeit hat, übernimmt den Fall. Dass Bedarf auf allen drei Ebenen herrscht, zeigen die Einsatzzahlen: Im Lauf eines Jahres kommt der Regel-Notarztdienst auf rund 2500 Einsätze, weitere 400 bis 450 entfallen jährlich auf den Hintergrund- und Zusatz-Notarzt. Abgesehen von den am Klinikum fest angestellten Ärzten des Vordergrund-Dienstes sind die Notärzte der drei dargestellten Ebenen nun im Kemptener Notärzte e.V. organisiert. In ihm haben sich 35 Ärzte zusammengeschlossen, die hauptberuflich in Kliniken oder Praxen beschäftigt sind und quasi nebenberuflich zusätzlich Notarztdienste übernehmen (drei fördernde Mitglieder stellen zudem ihre Arbeitsleistung z.B. für juristische Fragen oder Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung). Der im Juli gegründete gemeinnützige Verein gibt ihnen die Möglichkeit, einheitliche Strukturen aufzubauen und Abläufe besser koordinieren zu können. Neue Dienstkleidung Ziel des Vereins ist die Organisation und Förderung der notärztlichen Versorgung im Bereich des Zweckverbandes für Rettungsdienst- und Feuerwehralarmierung. Dazu gehört die Erstellung der Dienstpläne, die Organisation und Durchführung von Fortbildungen für Notärzte, sowie die Mitarbeit bei der Aufklärung der Bevölkerung in medizinischen Erstversorgungsfragen. Eine erste sichtbare Neuerung ist für Mitte 2012 geplant, dann soll es eine neue gemeinsame Dienstkleidung in den Farben gelb-schwarz geben. „Das hat einen einsatztaktischen Hintergrund: Mit den neuen Uniformen, die sich von denen der Rettungsdienste unterscheiden, sind wir künftig am Einsatzort sofort als Notarzt erkennbar.“ Die Vorsitzende Susanne Blechschmidt freut sich: „Unser Verein ist im Entstehen und es gibt noch viel Arbeit – aber es läuft.“

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