Pfarrer Dr. Martin Awa aus Dietmannsried

Seine Predigten berühren

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Dr. Martin Awa.

Dietmannsried – Vier Jahre ist es her, seit Dr. Martin Awa in der katholischen Pfarrkirche St. Blasius zum Pfarrer berufen und ihm die Leitung der Pfarreiengemeinschaft Dietmannsried, Reicholzried, Probstried, Schrattenbach übertragen wurde. Zuvor war er Kaplan in Lindau, sodass der Umzug vom Bodensee ins Oberallgäu kaum mehr als ein Katzensprung war.

Martin Awa feierte vor zwei Jahren sein 25-jähriges Priesterjubiläum. Es mache einiges leichter, wenn man in der Seelsorge auf die Erfahrung einer so langen Zeit aufbauen könne, weiß der promovierte Fundamentaltheologe. Mit Pater Johnpaul Offiah steht ihm außerdem ein tüchtiger Kaplan zur Seite.

Stets ein Erlebnis sind die Predigten von Martin Awa. Intensiv und mit feinsinnigem Humor, aber ohne je an Tiefe zu verlieren, fesselt er die Gläubigen. Nicht selten sieht man diese in den Kirchenbänken zustimmend schmunzeln. Er spricht fast frei, nur ganz wenig schaut er auf seine Notizen, die der meist einen Tag vorher stichpunktmäßig erfasst. Themen sind der aktuellen Lesung angelehnt. „Ich achte darauf, dass meine Predigten einen gewissen Zeitrahmen nicht überschreiten“, so Martin Awa, und an Tagen, wenn der örtliche Kirchenchor singt, fällt seine Ansprache noch kürzer aus. Denn der Chor ist ihm wegen seiner hohen Qualität besonders ans Herz gewachsen. Sein Versprechen, mit den Sängern den Vatikan zu besuchen, hat er schon mehrmals gegeben. Mit seiner evangelischen Kollegin, Pfarrerin Andrea Krakau, pflegt er eine freundschaftliche Ökumene. Martin Awa ist ein guter Zuhörer und hat sich zwischenzeitlich bestens in der Pfarrei eingelebt, kennt nicht nur viele aus der Gemeinde beim Namen, sondern weiß auch über Familiengeschichten oder Schicksale Bescheid.

Ausreichender Freiraum für die Erfüllung des christlichen Auftrags, genügend Zeit zu haben, um Jubilare oder Kranke zu besuchen und um Trost zu spenden, ist ihm das Wichtigste. Regelmäßig ist er im Pfarrbüro anzutreffen, um Verwaltungarbeiten, die Pfarrgemeinde betreffend, zu erledigen. Wenn abends noch Veranstaltungen oder Sitzungen anstehen, was häufig vorkommt, endet der Tag für Martin Awa spät. Für Privates oder Hobbys bleibt oft nicht viel Zeit. Nun ist dennoch ein neues Steckenpferd hinzugekommen: die Imkerei, bei der ihm zwei erfahrene Bienenzüchter unterstützen. Die Pflege des großen Pfarrhausgartens übernehmen „seine guten Leute“.

Martin Awa stammt aus einer nigerianischen, christlichen Familie. „Mein Vater war der erste in der Familie, der sich öffentlich zum Christentum bekannt hat“, so der Geistliche. „Ich habe es noch in guter Erinnerung, wie alles angefangen hat“, so Awa. Auf dieses Fundament konnte der Sohn aufbauen. Awa studierte in Österreich und Deutschland Philosophie und Theologie, kam erstmals 1984 nach Europa. Von 2000 bis 2008 ging er zurück in seine afrikanische Heimat, kam nach Deutschland zurück und nahm bald darauf die deutsche Staatsbürgerschaft an. Martin Awa hat viel erlebt, kennt Stärken und Probleme beider Kontinente aus eigener Anschauung. Sein Herzenswunsch: „Die Menschen in Europa sollten ihre christlichen Wurzeln nie vergessen“.

Martin Awa könnte übrigens recht gut seinen Lebensunterhalt in der Gastronomie bestreiten. Denn während seines Studienaufenthaltes in Österreich war er als Ferienjobber in dieser Branche tätig. Als er kürzlich die Dietmannsrieder Senioren bei ihrem Treffen im Pfarrsaal besuchte, hätte er am liebsten mitgeholfen, den Tisch zu decken – wenn dies nicht schon andere übernommen hätten. Auch das Servieren beherrsche er aus dem Effeff, erzählte er in kleiner Runde.

In der Allgäuer Landgemeinde fühlt sich Dr. Martin Awa sehr wohl. „Dietmannsried und ich, das passt zusammen“, davon ist er überzeugt.

Hildegard Ulsperger

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