Pflanzversuch an der Berufsschule III führt zu neuen Erkenntnissen der Schüler

Gärtnern und Moore schützen

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Die beiden Nachwuchsgärtnerinnen Lena Sonntag (li.) und Maria Tschugg (re.) konnten erkennen, dass auch auf torffrei hergestellten Erden prächtige Pflanzen gedeihen.

Kempten – Prächtige Pflanzen und den Schutz von Natur und Klima, das verspricht die Allgäuer Moorallianz bei ihrer Kampagne für torffreie Blumenerde. Zwanzig angehende Gärtnerinnen und Gärtner der Berufsschule III in Kempten haben einen Pflanzversuch durchgeführt und im Mai die eine Hälfte der jungen Balkonblumen in torffreie Erde, die andere in herkömmlichen Nährboden gepflanzt.

Sie haben die Blumenkästen zuhause oder in ihren Ausbildungsbetrieben identisch mit Begonien, Weihrauch, Kapkörbchen und Fächerblumen bepflanzt und deren Entwicklung genau beobachtet und dokumentiert.

Die Auszubildenden Lena Sonntag aus Legau und Maria Tschugg aus Frauenzell, die das Ergebnis des Versuchs vorstellten, sind überzeugt, dass es auch im großen Stil möglich ist, auf Torferden zu verzichten. Die Unterschiede zwischen Blumen auf Torferde und Blumen, die torffrei gewachsen sind, sind minimal, die Kosten fast gleich, der Aufwand ist minimal. Auch Stauden und Gemüse kommen ohne Torferde aus, wobei die Tomaten dann sogar besser schmecken.

Torffreie Erdsubstrate sind Mischungen aus Grüngut- und Rindenkompost, Holz- und Kokosfasern. Die Rohstoffe stammen – bis auf die Kokosfasern aus Sri Lanka – überwiegend aus dem Allgäu, der Kompost z.B. vom ZAK (Zweckverband für Abfallwirtschaft). „Moorschutz ist Klimaschutz“, erklärt Gwendolin Dettweiler, die Regionalmanagerin der Allgäuer Moorallianz, und ergänzt, dass die für den Torfabbau entwässerten Moore das klimaschädliche CO2 produzieren. Deshalb gehöre Torf ins Moor, nicht nur im Allgäu, auch in Norddeutschland und im Baltikum. Berufsschullehrer Josef Kraft freut sich, mit den Lernsituationen dieser Versuchsreihe viele Lernziele ganzheitlich und praxisgerecht abgedeckt zu haben. Die Auszubildenden im zweiten bzw. jetzt dritten Lehrjahr sollen, so Krafts Hoffnung, ihre Chefs und Chefinnen in den Ausbildungsbetrieben nach und nach vom torffreien Gärtnern überzeugen. „Die Moorallianzerde verdient das Vertrauen der Betriebe“, so Josef Kraft.

Für die Schülerinnen und Schüler der Gärtnerklassen habe das Motto „global denken – regional handeln“ einen konkreten Bezug bekommen. Nach diesem persönlichen Pflanzversuch haben sie erfahren, wie leicht es sein könnte, durch Moorschutz einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten und dabei die Lebensräume für Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

Elisabeth Brock

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