Kampagne und Podiumsdiskussion regionaler Politiker zum Thema "Kranken- und Alterspflege"

100 Prozent Menschlichkeit

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Zum Abschluss ihrer Pflegekampagne trafen sich am Samstag Nachmittag in Kempten Verantwortliche der beiden Landeskirchen, deren Sozialverbände Diakonie und Caritas sowie der regionalen Politik. (v.li.) OB Thomas Kiechle, Indra Baier-Müller, Geschäftsführerin Diakonie, Dekan Jörg Dietmar (evang.-luth.), Jennifer Wörz, Geschäftsführerin Caritas, Dekan Dr. Bernhard Ehler (katholisch) und der Landtagsabgeordnete Ulli Leiner, Bündnis90/Die Grünen. Landrat Anton Klotz war aus terminlichen Gründen beim Foto nicht anwesend, besuchte aber im Anschluss die Veranstaltung.

Kempten – Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern, die Katholischen Bistümer in Bayern, die Diakonie Bayern und der Landes-Caritasverband Bayern haben sich zu der Pflegekampagne „Für 100% liebevoll gepflegte Menschen” zusammengetan, um auf die aus ihrer Sicht erheblichen Missstände im Bereich der Kranken- und Alterspflege aufmerksam zu machen.

Simpel gesprochen sollen zeitnah drei Ziele erreicht werden: mehr Geld für die Pflege, mehr Zeit für die zu pflegenden Personen und mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für Pflegeeinrichtungen.

Zum Punkt Geld lässt sich seit Jahren ein Trend zur chronischen Unterfinanzierung dieses stetig wachsenden Bereiches feststellen. Zwar wurde erst zu Beginn des Jahres 2015 der Anteil der Pflegeversicherung bei den gesetzlich Versicherten um 0,5 Prozent erhöht, doch werden diese Mehreinnahmen durch höhere Kosten für Personal, Energie, Benzin und Mieten nicht einmal annähernd reichen, um der Unterfinanzierung Herr zu werden. Daher fordern die Verbände eine kontinuierliche Dynamisierung der Leistungsbeträge. 

Zu wenig Zeit 

Pflege braucht zudem Zeit und das heißt mehr Personal. Beklagt werden von den Landeskirchen und deren sozialen Verbänden, dass in den Einrichtungen durch den Mangel an Personal zu wenig Zeit für die einzelne, zu betreuende Person verbleibe. Sie fordern deshalb eine Aufstockung des Personals nicht nur im Bereich der Pflege, sondern auch bei der sozialen Betreuung, der Hauswirtschaft und der Verwaltung, damit sich die Pflegekräfte auf ihre eigentliche pflegerische Tätigkeit beschränken können. Finanziert werden sollen diese neuen Kräfte u.a. durch eine entsprechende Gebührenerhöhung bei den ambulanten Diensten und die erwähnte dynamische Anpassung der Pflegeversicherung an Inflation und Lohnkostensteigerungen.

Um überhaupt mehr Menschen für den Beruf der Altenpflege zu gewinnen, so die Landeskirchen und deren soziale Verbände, bedarf es dauerhaft einer schulgeldfreien und umlagefinanzierten Ausbildung, einer vollständigen und unbefristeten Förderung von Umschulungen zum Pflegeberuf durch die Bundesagentur für Arbeit und der Einführung einer gemeinsamen Ausbildung in der Kranken- und Altenpflege.

Zu diesem Themenkomplex luden am vergangenen Samstag die beiden Landeskirchen, die Diakonie Bayern und der Landes-Caritasverband Bayern regionale Politiker zu einer Podiumsdiskussion auf den August-Fischer-Platz ein. Direkt neben dem „Pflegetruck”, der durch ganz Bayern tourt, konnten zum verbalen Schlagabtausch der Landtagsabgeordnete Ulli Leiner, Bündnis 90/Die Grünen, die beiden Dekane Dr. Bernhard Ehler und Jörg Dittmar, die Geschäftsführerinnen der Caritas und der Diakonie, Jennifer Wörz und Indra Baier-Müller, Landrat Anton Klotz und OB Thomas Kiechle begrüßt werden.

Für Kemptens OB ist die Pflege ein großes Thema der Zukunft, das generationenübergreifend jeden betreffen wird. Dekan Jörg Dittmar verwies auf die oft anstrengende Tätigkeit von Pflegebediensteten, die sich am Ende des Tages nur allzu häufig fragen würden, ob sich ihr Beruf überhaupt finanziell rechnet. Deshalb, so Jennifer Wörz von der Caritas, sei es umso wichtiger auch die Attraktivität des Berufsbildes in der Öffentlichkeit zu verbessern. Denn, neben vielen Strapazen, würde die Menschen in den Pflegeberufen auch viel Menschlichkeit erfahren. Alle Vertreter betonten abschließend, dass es mehr Geld und durch Personalmehreinstellungen mehr Zeit für die Pflegebediensteten geben muss.

Jörg Spielberg

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