Die Phantasie eines Schöpfers

Ein Turm aus Glas mit Café und Bühne – das ist der Entwurf des renommierten Schweizer Architekten Peter Zumthor für ein neues Isnyer Stadttor. Am Freitag präsentierte er seinen Entwurf im Kurhaus am Park der Öffentlichkeit.

Bei der Präsentation befragte Fachleute sind meist hellauf begeistert von der Einmaligkeit und dem schöpferischen Mut des Entwurfs. Bei der Bevölkerung sah es in den vergangenen Wochen etwas anders aus. Fragen wie „brauchen wir denn so etwas wirklich und zu welchem Preis? Wie wird das denn nun finanziert und ist es nicht ein absoluter Stilbruch zur Geschichte und dem bisherigen Erscheinungsbild der Stadt?“, bewegten die Gemüter. Jetzt kommt es darauf an, ob es der Stadtverwaltung und dem Architekten gelingt, die Bürger der Stadt für diesen Entwurf zu überzeugen und damit die Grundlage für alle weiteren Schritte zu schaffen. Stadt zahlt nicht Das Interesse war und ist groß, die vorgeschlagenen Baumaterialien und die Art der Ausführung sind zumindest gewöhnungsbedürftig. Bürger- meister Rainer Magenreuter und eine Mehrheit im Gemeinderat sehen darin keine Schwierigkeiten. Magenreuter bestätigte einmal mehr aus- drücklich, dass die Finanzierung auf keinen Fall über die Stadt und das sowieso recht schmale Budget erfolgen kann und darf. Er denkt an eine Stiftung, in die Sponsoren und Investoren die dafür notwendigen Geldmittel einzahlen können und so eine Idee verwirklichen helfen, die in der heutigen Zeit einmalig ist. Seinen Aussagen zufolge sind erste Gespräche bereits geführt. Er rechnet mit einem Zeitraum von rund zwei Jahren bis die notwendigen Geldmittel zusammen wären. Peter Zumthor war bei der Präsentation bestens gerüstet. Zuerst trug er die Grundprinzipien seiner Planung vor: Der Turm steht auf drei Beinen, die nach oben zu einer Fläche zusammenwachsen und ist aus rund 250000 Glassteinen gemauert. Aus dem 35 Meter hohen Turm lugt eine Kugel, in der eine Bühne Raum schafft für Theater und Konzerte. Unter dieser Kugel ist Platz für eine attraktive Gastronomie. Danach kamen Experten, die Ingenieure Matthias Schuler aus Stuttgart und Professor Joseph Schwartz aus Zug, zu Wort. Sie erläuterten die Statik und stellten die Art der Wärmenutzung dar. Zudem wurden Fragen zu den Baumaterialien von dem notwendigen Stahlgerüst bis hin zu der im Turm integrierten kugelförmigen Holzkonstruktion mit dem darin enthalte- nen Theaterraum mit rund 120 Sitzplätzen beantwortet. Es ist neben vielen anderen Planungen für die Sanierung der Altstadt Süd und der klaren Konzeptfindung für den Handel und Wandel in Isny ein Projekt, dass in seiner Einmaligkeit nicht ohne weiteres zu „toppen“ ist. Ist es nun zu groß für die kleine Stadt oder kann damit wirklich ein Umbruch im Denken erreicht werden? – Das bleibt abzuwarten. Warum soll man nicht etwas Neues versuchen? Die „alten Zöpfe“ sind schon lang genug. Ein Stadttor wird das neue Gebäude nicht, denn dafür besteht in der heutigen Zeit keine Notwendigkeit mehr. Der Turm soll die Besucher anziehen und zum Verweilen einladen und soll ein deutliches Signal für einen substantiellen Neubeginn darstellen. Großes Interesse Das Interesse der Bürger an den Planungen war auf jeden Fall groß. Aufgrund des Andrangs wurde die Präsentation per Bildschirm ins Foyer übertragen, da es im Saal des Kurhauses keinen freien Platz mehr gab. Peter Zumthor erweckte überwiegend Wohlwollen und bei vielen Zuhörern wahre Begeisterung. Sie sähen den Turm gerne in ihrer Stadt. Und Peter Zumthor „würde gerne weiterarbeiten.“

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