Steuerkreis für Konversion bevorzugt großflächige Gewerbeansiedlung in der Ari-Kaserne

Arbeiten statt wohnen

+
Die Ari-Kaserne in der Kaufbeurer Straße wird voraussichtlich 2016 von den Truppen geräumt. Was dann kommt, damit beschäftigt sich derzeit ein Steuerkreis.

Kempten – Ein neues großflächiges Wohngebiet auf dem Gelände der Artillerie-Kaserne in der Kaufbeurer Straße wird es wohl nicht geben. Darauf hat sich nach Informationen des Kreisboten der Steuerkreis zur Nachnutzung der Bundeswehrflächen verständigt.

Nach drei Sitzungen des Gremiums deutet einiges darauf hin, dass östlich der Kaufbeurer Straße sich Gewerbe großräumig ansiedeln soll. Allenfalls kleinere Wohnquartiere kommen wohl noch in Betracht. Was geschieht mit den Bundeswehrflächen, wenn die Bundeswehr im Zuge der Umstrukturierung der Streitkräfte mit dem Sanitätsregiment 42 „Allgäu” wie geplant 2016 aus Kempten abzieht? Diese Frage treibt Kemptener Stadtverwaltung, Stadtplaner und Politik seit geraumer Zeit um. Auch im OB-Wahlkampf nahm das Thema Konversion eine zentrale Stellung ein. 

Schließlich handelt es sich vor allem in der Kaufbeurer Straße um in Kempten mittlerweile knapp gewordene großflächige Areale mit bester Verkehrsanbindung – optimal für die Ansiedlung von Gewerbe, aber auch Wohnungen. 

Doch deren Bau ist nach Informationen des Kreisboten mittlerweile so gut wie vom Tisch. Stattdessen bevorzugt ein sogenannter Steuerkreis die großflächige Ansiedlung von Gewerbe. Auf die Verkehrsinfrastruktur im Kemptener Nord-Osten könnte das gravierende Folgen haben. Insgesamt fünf Konzepte und Alternativen mit zum Teil abenteuerlichen Ideen hat dieser Steuerkreis – bestehend aus hochrangigen Vertretern der Bauverwaltung, des Amts für Wirtschaftsförderung, des Stadtrats, der Regierung von Schwaben, des Instituts für Stadt- und Regionalmanagement, der BimA, der Firma Dragomir Stadtplanung und Allgäu GmbH – in seinen bisherigen drei Sitzungen ausgearbeitet. Dazu kommen noch vier Konzepte für eine künftige Nutzung des Lazaretts im Haubensteigweg (siehe Kasten). 

Bei ihrer Arbeit gehen die Beteiligten nach Informationen unserer Zeitung davon aus, dass Kempten bis 2025 zusätzliche 18 Hektar für Gewerbeflächen benötigt. Ein Großteil davon soll auf dem Gelände der jetzigen Ari-Kaserne in der Kaufbeurer Straße entstehen. So sieht Konzept I vor, entlang der Kaufbeurer Straße und auf den Bundeswehrflächen in der Ulmer Straße etwa 16,5 ha Gewerbegebiet auszuweisen. Dazu kämen noch rund 2,5 ha Mischgebiet. 

Die Vorteile dieser Idee: Das Verkehrsnetz müsste nicht verändert werden, die Fläche wäre flexibel aufteilbar und könnte darüber hinaus überwiegend für Gewerbe genutzt werden. Konzept II sieht ebenfalls 16 ha Gewerbegebiet, aber 5,2 ha Mischgebiet vor. Macht zusammen rund 21,2 ha nutzbare Fläche. Bei einer Umsetzung dieses Konzepts müsste allerdings der Berliner Platz nicht unerheblich umgebaut werden. So würde beispielsweise die Ring-„Insel” südlich des Platzes abgerissen werden. 

Das Ende der B19? 

Einen solchen Umbau beinhaltet auch Konzept III, die darüber hinaus noch eine neue Anbindung an den Schumacherring vorsieht. Außerdem wird bei Variante III über einen „Innovativen Gewerbecampus” unmittelbar an der B12 nachgedacht. Dazu kommen kleinere Wohnviertel westlich des Rings und der Kaufbeurer Straße mit insgesamt rund zwei ha Fläche. Die Gewerbeflächen würden in diesem Fall mit rund neun ha aber ungleich kleiner ausfallen als bei den anderen Vorschlägen. 

Ausgeglichen wird das zum Teil aber durch ein etwa 2,5 ha großes Mischgebiet westlich der Kaufbeurer Straße. Tiefe Eingriffe in die Verkehrsinfrastruktur sieht hingegen Konzept IV vor: In diesem Fall würde die Kaufbeurerer Straße/B19 kurzerhand in die jetzige Bleicherstraße verlegt und die jetzige Trasse der Kaufbeurer Straße platt gemacht. So könnte ein rund elf ha großes Wohngebiet in diesem Bereich geschaffen werden. Dazu kämen rund 8,5 ha Gewerbeflächen auf und um den jetzigen Berliner Platz für „Innovatives Gewerbe“. 

Ring soll verlegt werden 

Konzept V geht noch weiter und beinhaltet gleich den Neubau von Kaufbeurer Straße/B19 und B12/Adenauerring. So würde die Kaufbeurer Straße wie bei Variante IV in die Bleicherstraße verlegt. Der Adenauerring in seiner jetzigen Form würde abgerissen und im Seggersbogen neu gebaut werden. Auf Höhe der Kleingärtenanlagen westlich der jetzigen Kaufbeurer Straße würde er schließlich wieder auf die Kaufbeurer Straße/B19 treffen – B19 und B12 würden also quasi zusammen gelegt. Wie bei Variante IV steht auch hier das Ausweisen eines neuen Wohngebiets (ca. 14 ha) im Vordergrund. Ergänzt würde dieses durch rund sechs ha Gewerbeflächen für „Innovatives Gewerbe“. 

Allerdings wäre die Umsetzung der beiden letzteren Varianten sehr aufwändig und teuer, sodass sie voraussichtlich nicht zum Zuge kommen. Außerdem ist man sich in dem Gremium einig, dass durch das Neubaugebiet Halde-Nord der Bedarf an Wohnungen gedeckt werden könne. Gewerbeflächen sind dagegen ein knappes Gut geworden. Eine nächste Sitzung des Steuerkreises ist für Juni vorgesehen. Dann sollen vertiefte Konzepte und Ergebnisse verschiedener „Runder Tische” diskutiert werden. Außerdem soll die Öffentlichkeit über die Konzepte informiert werden.

Matthias Matz

Meistgelesene Artikel

Ausblick und Austausch

Kempten – Knapp 200 Repräsentanten der verschiedenen Bereiche des Lebens in Kempten versammelten sich am Dienstagabend in der Schrannenhalle des …
Ausblick und Austausch

Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Kempten – Am Donnerstagnachmittag vergangener Woche eskalierte ein Streit zwischen einem Pärchen, in dessen Verlauf der Mann offenbar versuchte seine …
Lebensgefährtin versucht anzuzünden

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kommentare