"Pling-Plong" im APC

Ein schwarzes Holzkästchen, nicht größer als ein Schuhkarton, mit einem Schallloch und einer kleinen metallenen Apparatur mit einer winzigen Kurbel daran – so sieht das Instrument des Musikers Franz Tröger aus. Unterstützt von Gitarre und Gesang gab der gebürtige Kemptener am vergangenen Samstag in den Kleinen Thermen des APC Songs, Miniaturen und Solostücke für sein Instrument Marke Eigenbau zum Besten – Eine Spieluhr.

„Klangware“ heißt die Formation, die Tröger zusammen mit dem Kemptener Gitarristen Thomas Kleemaier und der Züricher Sängerin Annette Kühn für den Auftritt im Rahmen des APC-Sommers gegründet hat. Vor den weniger als 100 Zuschauern in den kleinen Thermen stand jedoch die Spieluhr im Mittelpunkt. Tröger machte das bescheidene Instrument nicht spektakulärer, als es ist. Seine Stücke hießen „Märschlein“ oder „Harmloses Schmuselied“ und drangen mit dezentem, verspielten Klang ans Ohr. Nur hin und wieder spielte er mit der putzigen Charakteristik des Kurbel-Kästchens, etwa indem er mit „Zungenparade“ einen Techno ankündigte. Zu dem hätte auch ein Gitarren-Verzerrer gehört – den vergas er allerdings einzuschalten. „Ich wollte halt zeigen, dass ich auch ein Heavy-Metal-Spieluhrist bin“, meinte er. Kurz aber zahlreich Seine Stücke waren größtenteils kurz, dafür aber umso zahlreicher, „Wir haben ein paar Dutzend dabei“, kündigte er gleich zu Beginn an. Wie lang sie waren, das ließ sich bereits ungefähr erahnen, wenn Tröger seine gelochten Papierstreifen vor dem Stück aus einer roten Keksdose zog. Diese Lochkarten fädelte er ein und spulte sie mit der Kurbel ab, die Spieluhr klimperte die eingestanzten Töne herunter. Je nachdem, ob unhandliche Papierschlange oder Streifen im Kassenbon-Format kurbelte Tröger ein paar Minuten oder auch nur wenige Sekunden an einem Werk. Kleemaier untermalte mit virtuosem Fingerpicking auf Gitarre oder Bass, Kühn sang Gedichte von Autoren wie Katrin Röggla oder Monika Rinck zu Trögers Kompositionen. Die Lochkarten für seine Kompositionen stanze er selbst, mit einem Gerät, ähnlich dem eines Bahnschaffners, erzählte er: „Früher habe ich in der S-Bahn gelocht. Da sammelten sich sozusagen die ganzen Negativ-Töne auf dem Boden um mich herum“. Noch wichtiger sei aber der Tesa-Film, um falsch gestanzte Löcher wieder zukleben zu können. So komponiert Franz Tröger Stücke für die Spieluhr. Kein pompöses Spektakel, sondern ein heiterer Konzertabend in gemütlicher Runde bot sich den interessierten Zuhörern. Die honorierten das Klangerlebnis nach gut zwei Stunden mit lang anhaltendem Applaus.

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