Zu wenig Zeit für gründliche Informationen

Legaler Kick? Neue Drogen

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Über „legale Kicks“ diskutierten (von li. nach re.) Alexander Haag (Geschäftsführer Stadtjugendring Kempten), Dirk Grimm (Suchtpräventionsfachkraft von mindzone), Oliver Huber (Amt für Jugendarbeit), Markus Frommel (Jugendpräventionsbeamter) und Dr. Frank Guderian (Kinderpsychiater).

Kempten – Was verbirgt sich hinter harmlosen Bezeichnungen wie „Kräutermischung“ oder „Badesalz“? Legal im Internet erhältlich, werden diese neuen psychoaktiven Substanzen (NPS) heute von manchen Jugendlichen als vermeintlich unschädliches Rauschmittel konsumiert.

Um die Auswirkungen dieser nicht unter das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) fallenden sogenannten Legal Highs und Research Chemicals, um Handlungsstrategien und Aufklärung ging es am Dienstagabend bei einer Podiumsdiskussion im Jugendhaus Kempten.

Dirk Grimm aus München, zweifellos der Fachmann für niederschwellige, aufsuchende, akzeptanzorientierte Suchtpräventionsarbeit innerhalb der bayerischen Party- und Clubszene, konnte dem jungen und älteren Publikum eine Menge Informationen liefern. Mit ihm auf dem Podium saßen Vertreter der Polizei, der offenen Jugendarbeit und der Kinderpsychiatrie, die jeweils aus ihren Erfahrungen berichteten. Oliver Huber, Leiter des Amts für Jugendarbeit, hielt die Gesprächsfäden in der Hand und leitete die anschließende Diskussionsrunde mit dem Publikum. Für den Kinderpsychiater Dr. Frank Guderian steht vor allen Dingen die Gesundheit im Fokus. Schließlich seien Jugendliche, deren Gehirnentwicklung noch nicht abgeschlossen ist, eine besonders vulnerable Gruppe. Die Vielfalt der Vergiftungssymptome der Drogenmischungen sei erstaunlich, die medizinische Behandlung schwierig, weil die beteiligten Substanzen nicht schnell identifiziert werden können.

Auch die Polizei erreichen immer wieder Hilferufe von Eltern, wenn der Sohn oder die Tochter „durchdrehe“, berichtete Markus Frommel, Jugendpräventionsbeamter der Polizei. Er klärt in den 9. Klassen Kemptener Schulen an jeweils einem Vormittag über die Folgen der zur Zeit noch nicht verbotenen neuen psychoaktiven Substanzen auf. Leider sei in den Schulen oft zu wenig Zeit für gründliche Informationen und deshalb ein Schulfach „Gesundheit“ wünschenswert, um dem gefährlichen Halbwissen der Jugendlichen zu begegnen und sie „drogenmündig“ zu machen.

Alexander Haag vom Stadtjugendring betonte, dass viele Jugendliche ihr Leben gut im Griff haben und das „trotz vieler Möglichkeiten der Entgrenzung“. Die Entwicklung von Schutzfaktoren sei die beste primäre Suchtprävention. Ein sinnerfülltes Leben, Selbstbewusstsein und Eigeninitiative gehörten dazu, sowie der Aufbau tragfähiger persönlicher Beziehungen zu den Jugendlichen.

„Wir wollen nicht verbieten, sondern die Jugendlichen zur Selbstverantwortung befähigen“, waren sich die Fachmänner einig. Erfolgversprechend sei auch der Ansatz, gleichaltrige Szenegänger in die Prävention einzubinden (Peer-to-Peer-Arbeit). Auch die anonyme Beratung online (info@mindzone.info) werde gern in Anspruch genommen.

Ein eindringliches Mantra gibt Grimm seinem jugendlichen Klientel auf den Weg: „Kein Konsum ohne Risiko. Möchte ich gesund und sicher leben, verzichte ich auf die Einnahme von Drogen.“

Elisabeth Brock

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