Podiumsdiskussion der Stiftung AllgäuHospiz will Verunsicherungen abbauen

Gesellschaftliche Tabus aufbrechen

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Bei der Veranstaltung diskutierten (v.li.) BRK-Kreisgeschäftsführer Alexander Schwägerl, Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger, Josef Mayr (Vorsitzender des Hospizvereins), Prof. Dr. Ludwig Schmid (stellv. Vorsitzender des Hospizvereins) und Alfred Reichert (Vizepräsident des Landgerichts Kempten).

Kempten – Seit 23 Jahren besteht der Hospizverein Kempten-Oberallgäu, vor 13 Jahren konnte das AllgäuHospiz eröffnet werden. Seitdem gewinnt die Hospizidee mit der eindeutigen Ausrichtung auf eine palliativpflegerische hospizliche Betreuung samt einfühlsamer Begleitung Schwerstkranker in der Öffentlichkeit erheblich an Gewicht. Die Hospizfamilie warb in den vergangenen Jahren aber auch unüberhörbar für eine Ablehnung der aktiven Sterbehilfe. Nun, da das Gesetz in Kraft ist, lässt die Hospizfamilie die häufig immer noch verunsicherten Bürger nicht allein.

Als einen der Wege, Mitmenschen zu erreichen, sieht die Hospizfamilie Podiumsveranstaltungen an. Im Fürstensaal der Kemptener Residenz präsentierte sich Kemptens Bürgermeister Josef Mayr, der kurzfristig für den verhinderten Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller einspringen musste, als Vertreter von Politik und Gesellschaft. Der Vorsitzende des Hospizvereins freute sich über die verbesserte Finanzierung der Hospizarbeit auf der Grundlage des neuen Hospiz- und Palliativgesetzes. Dennoch müsse der Verein jährlich weiter mindestens 80.000 Euro aus Spendenmitteln aufbringen. 689 Mitglieder, von denen sich 110 aktiv ehrenamtlich betätigen, zählt inzwischen die gewachsene Hospizfamilie. Der Augsburger Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger erinnerte in seinem Statement daran, dass der Allgäuer Hospizverein „mit Abstand der größte dieser Art in Bayern“ sei. Aus seiner ethischen und seelsorgerischen Sicht biete die Hospizbewegung „gute Antworten auf viele Fragen“. Aus medizinischer Sicht erläuterte Prof. Dr. Ludwig Schmid, dass eine „geschickte Kombination von Medikamenten“ auch in schwierigen Fällen zumindest Schmerzlinderung in einen erträglichen Bereich verschaffe. Korrekter Einsatz führe weder zu Persönlichkeitsveränderungen, noch zum befürchteten „Dahindämmern“. Einsamkeit allerdings könne nur durch Mitmenschen, nicht durch Medikamente behandelt werden.

Der Vizepräsident des Landgerichts, Alfred Reichert, ist im Ehrenamt Vorsitzender des Kreisverbands Oberallgäu des Bayerischen Roten Kreuzes. Er stellte die rhetorische Frage: Ist aktive Sterbehilfe mit der Würde des Menschen vereinbar? „Das neue Gesetz sagt nein“. Ein würdevolles Sterben bedeute zugleich, eigene Vorbereitungen zu treffen. Eine Vorsorgevollmacht sowie eine Patientenverfügung tragen „den Willen des Betroffenen weiter“ zu den behandelnden Ärzten. Die benötigen eine rechtlich möglichst eindeutige Situation für ihre schwierigen Entscheidungen.

Einige der Fragen in der anschließenden Diskussion verrieten, dass eine gewisse Distanz gegenüber einer schwer durchschaubaren Apparatemedizin besteht. Der Arzt ist verpflichtet, den Willen des Patienten möglichst genau zu erkennen – und darf entsprechend lebensverlängernde Maßnahmen unterlassen. Grauzonen zur aktiven Sterbehilfe müssen sie vermeiden. Denn selbst eine eindeutige Patientenverfügung darf vom Arzt ignoriert werden, wenn etwa eine schwere Krankheit „krisenhaft“, aber nicht hoffnungslos verläuft.

ellungen können sich ändern. Darauf zielte die Frage, wie lange eine Verfügung gültig bleibt. Klar: „Bis eine neue erstellt wird“. Bei der Betreuungsvollmacht, verriet Dr. Dr. Losinger, sollte genau überlegt werden, wer als Betreuer eingesetzt wird. kb

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