Pony und Huhn im Altenheim

Die Bewohner Erich Kern (links) und Josef Haggenmüller (rechts) finden Gefallen an dem Pony „Duplo“. Foto: moriprint

Als das Pony „Duplo“ im Wilhelm-Löhe-Haus in den Aufzug steigt, da will so manch einer von den Anwesenden seinen Augen nicht recht trauen… Doch Annemie Fuchs, Sozialbetreuerin in dem Alten- und Pflegeheim der Diakonie Kempten Allgäu, versicherte schmunzelnd: „Damit hat es seine Richtigkeit.“ Denn: mit dem Pony „Duplo“, der Hirtenhündin Paula und einem Seidenhuhn startete die Tiertherapie im Löhe-Haus in die zweite Runde…

Zehn Therapiestunden sind vorerst vorgesehen. Realisiert werden können diese durch die Unterstützung der Georg-Deuringer-Stiftung. Und ein Erfolg zeichnet sich bereits ab: Die Tierbesuche sind das Tagesgespräch im Alten- und Pflegeheim. Die meisten der 12 und mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer erinnern sich noch gut an ihre Jugendzeit, in der die Haustierhaltung von Hase, Huhn und Gans vielfach dazugehörte. „Die Tiere öffnen die Seelen der Menschen“, weiß Josef Schill von der Einrichtung „Therapieimpulse durch Tiere“ aus Altusried. Viel Erfahrung Er selbst hat langjährige Erfahrung in der Jugendpflege und in der Aufzucht, Erziehung und Pflege der Tiere. Ehefrau Elfie Schill ist Pflegefachkraft mit Weiterbildung zur Fachberaterin für tiergestützte Pädagogik, Therapie und Fördermaßnahmen – und damit die eigentliche Chefin des Unternehmens. In ihre Fußstapfen tritt auch Tochter Mareike, selbst dreifache Mutter, und Tierbetreuerin. Der jungen Frau lagen immer die Ponys am Herzen. Ihre fünf weiteren Geschwister hatten andere Lieblingstiere – vom Frettchen bis zum Feldhasen. Doch zurück zur Therapiestunde: Ganz ruhig liegt das Seidenhuhn auf dem Schoß von Erich Kern. Liebevoll streichelt er es und verrät: „Wir haben früher auch Hühner und Hasen gehabt.“ Doch so weich sei das Fell nicht gewesen. Auch Monika Wolf nimmt ihren Mut zusammen – und lässt sich das Huhn für eine kurze Weile auf die Knie setzen. Das Pony „Duplo“ inspiziert inzwischen die Räumlichkeit. Da es für die Dachterrasse beim zweiten Treffen zu windig war, wich die Gruppe in den Mehrzweckraum im Untergeschoss aus. Josef Haggenmüller streichelt es zaghaft an der Mähne. Hündin Paula macht es sich zwischendurch untern den Stühlen bequem und beobachtet die Runde. Aber auch sie lässt sich das Kraulen in ihrem weichen schwarzen Fell nur zu gern gefallen. In der ersten Therapiestunde waren zwei Schildkröten das absolute Highlight. Dagegen kamen die drei zahmen Hunde – fast – nicht an. „Es ist eine besondere Abwechslung für unsere Bewohner“, freut sich Fuchs. „Die tiergestützte Förderung erfolgt ganzheitlich. Sie öffnet bei einem alten Menschen die Pforte der Erinnerung. Der Klient bekommt einen anderen Blickwinkel, die Krankheit oder auch Isolation tritt in den Hintergrund. Das Lebewesen nimmt den Platz ein. Emotionen werden frei gesetzt“, ergänzt Josef Schill. Inzwischen hat im Wilhelm-Löhe-Haus das Rätselraten eingesetzt: Welche Tieren kommen wohl in die nächste Therapiestunde? Weitere Infos Therapieangebot gibt es im Internet unter www.impulse-durch-tiere.de.

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