"Präventiv vorgehen"

Weniger Straftaten als 2007 hat die Polizeiinspektion Kempten im vergangenen Jahr verzeichnet. Die Aufklärungsquote blieb dabei etwa gleich. 6695 Delikte hat die PI Kempten 2008 insgesamt erfasst, 581 oder acht Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders zufrieden zeigte sich der Dienststellenleiter der PI, Michael Keck, beim Pressegespräch vergangene Woche mit um ein Viertel gesunkenen Gewaltdelikte. Die Anzahl der Diebstähle blieb annähernd gleich. Sein Kollege Thomas Riester, Sachbearbeiter Verkehr, beklagte besonders viele Motorrad- und Rollerunfälle.

230 Fälle von Gewaltkriminalität gab es vergangenes Jahr, rund ein Viertel weniger als im Jahr zuvor. Dennoch alarmierend: Bei 87 Prozent dieser Delikte handelt es sich laut Keck um gefährliche und schwere Körperverletzung. Zwar ging auch bei Kindern und Jugendlichen die Zahl der Gewaltdelikte um ein Viertel zurück, bei gut einem Drittel spielte jedoch Alkohol eine Rolle. Nach wie vor ist die Innenstadt Brennpunkt, vor allem nachts. „Wir haben 2008 ein umfangreiches Präventionskonzept gestartet“, so Keck. Beamte gingen gezielt auf Jugendgruppen zu, und machten Fotos von verdächtigen jungen Leuten. „Wir haben uns vor allem ungelöste Fälle noch mal genau angesehen“, erklärte der Dienststellenleiter. Gerade auf die Aufklärungsquote, die bei den Gewaltdelikten zwischen 66,7 und 92,9 Prozent und auf alle Verbrechen bezogen bei 71,7 Prozent liegt, ist er stolz. Das sei vor allem der Verdienst der Beamten vor Ort. „Wir hoffen, dass die gleich bleibend hohe Aufklärungsquote präventiv wirkt“, so Keck. Ansonsten hilft eben nur Kontrolle. Präventiv vorgehen Als Beispiel nannte Keck hier den Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit. Im März, wenn es warm wird, spricht die Polizei wiederholt Verwarnungen aus. Entsprechend gehen gegen Mai die Fallzahlen zurück, ehe sie im Sommer, wenn die Ferien beginnen, wieder ansteigen. Dann häufen sich die Bußgeldbescheide, denn wer schon einmal verwarnt wurde, der muss häufig zahlen. Im Spätsommer gehen die Fälle dann wieder zurück. Mit Fingerspitzengefühl will die Kemptener Polizei an jugendliche Straftäter herantreten. „Bevor es zur Einstufung als Serienstraftäter kommt, wollen wir präventiv wirken“, so Keck. 17 Familien hat die PI vergangenes Jahr angeschrieben, weil einer ihrer Sprösslinge eine oder mehrere Straftaten beging. Das Ziel: Den Jugendlichen zu einer Infoveranstaltung aufs Revier einladen. 13 kamen tatsächlich und ließen sich von Beamten erklären, welche Konsequenzen es hat, wenn sie auf der schiefen Bahn bleiben. Im Herbst soll wieder eine solche Aktion stattfinden. Nicht nur positiv betrachtete Keck den Rückgang der Rauschgiftdelikte um ein Viertel. Denn besonders hier spiele die Kontrolle ein wichtige Rolle. Durch personelle Umstrukturierung seien die im vergangenen Jahr etwas zu kurz gekommen. „Es dauert lang, bis ein Kollege sich da eingearbeitet hat und sich richtig auskennt“, so Keck. In naher Zukunft werde die Polizei hier wieder verstärkt kontrollieren und dann werde es auch wieder mehr Anzeigen geben, prognostizierte er. Annähernd gleich blieb die Zahl der Diebstähle, die meisten davon gab es wie jedes Jahr in Kempten. „Kempten schlägt als Einkaufsstadt natürlich durch“, erklärte Keck. 142 Unfälle mit Motorrädern, Rollern, Mofas und Mopeds gab es vergangenes Jahr im Zuständigkeitsbereich der PI Kempten. Das sind 33 mehr als im Vorjahr. Woher dieser Anstieg kommt, das konnte Thomas Riester, Sachbearbeiter Verkehr, nicht erklären, denn ansonsten zeigt die Unfallstatistik 2008 kaum Ausreißer. Kaum Schulwegunfälle 114 leicht Verletzte, 34 schwer Verletzte und drei tote Kradfahrer waren vergangenes Jahr zu beklagen. Bei einer Kollision zwischen einem Auto und einem Kraftrad (Krad) ist der Motorradfahrer eben der Unterlegene, so Riester. Man dürfe außerdem nicht unterschätzen: Ein Motorradfahrer in Schräglage ist genauso breit wie ein Kleinwagen. 3173 Unfälle haben sich insgesamt ereignet, 69 weniger als im Vorjahr. 770 Personen wurden dabei leicht und 129 schwer verletzt. Acht Personen starben. Von 65 auf 57 stieg die Zahl der Unfälle unter Alkoholeinfluss leicht. Erfreulich: Trotz der 60 Schulen im Bereich der PI gab es nur drei Schulwegunfälle mit fünf harmlosen Verletzungen bei den Schülern, so Michael Keck. Drei Hauptursachen machte die Polizei jedoch für die Verkehrsunfälle aus: ungenügenden Sicherheitsabstand, Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren und Anfahren sowie das Nichtbeachten der Vorfahrt.

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