Hochmotiviert und vielseitig begabt

Freude bei jugendlichen Asylbewerbern über Schulunterricht

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Schulleiter Klaus Hlawatsch (v.l.) und OB Thomas Kiechle zeigten sich beeindruckt von der bäckerischen Begabung der Jungengruppe, die zusammen mit Konditormeister Jörg Rikert (2.v.r) ihre duftenden Backwerke präsentierten.

Kempten – „Ja, es ist toll“ und „es macht Spaß“ meinte Yasin aus Afghanistan lachend in bereits erstaunlich akzentfreiem Deutsch über den Unterricht in der Kemptener Berufsschule III. Letzte Woche startete dort der Unterricht mit zwei Unterrichtstagen für 16 unbegleitete Jugendliche Asylbewerber.

Dass sie in Kempten zur Schule gehen können und das auf die Schnelle mitten im Schuljahr, ist dem Einsatz von OB Thomas Kiechle zu verdanken, der ihnen den langen Weg nach Immenstadt, wo es eine solche Klasse bereits gibt, ersparen wollte. Wie er betonte, sei das „ein erster Schritt, weitere werden folgen“. Denn das Provisorium soll so bald wie möglich auf eine volle Schulwoche erweitert werden. Auch Schulleiter Klaus Hlawatsch freute sich hier „in einem ersten Schritt“ den Jugendlichen den Weg zu bereiten, hoffte aber, dass die Mittel seitens der Regierung von Schwaben „bewilligt werden und wir das Angebot erweitern können“.

Neben dem extern täglich durchgeführten Deutschunterricht, freuen sich die Jugendlichen über das Angebot an der Berufsschule, wo sie neben Fächern wie berufliches Deutsch oder Intergrationsunterricht auch praktische Dinge lernen wie Backen, Kochen oder beim „Blick in Pflegeberufe“, wie Hlawatsch erläuterte. Und dass die Jungs auch beim Backen „alle begabt“ sind, wie Konditormeister Jörg Rikert bekundete, wurde an optisch, geschmacklich und olfaktorisch einladenden Rosinenbrötchen und Hefezöpfen deutlich. Während die Mädchengruppe im Klassenzimmer unter anderem Deutsch paukte, werkelten die Jungen in der Backstube, wo sie am Ende stolz ihre Kreationen zum Probieren offerierten. Sie leben in einer Wohngruppe des Gerhardinger Hauses in der Lotterbergstraße (der Kreisbote berichtete) und scheinen sich schon ganz gut eingelebt zu haben. Auch sprachlich haben sie seit ihrem Einzug erkennbar zum Teil große Fortschritte gemacht.

Anders sieht es bei den Sprachkenntnissen der Mädchen – noch – aus, die in der Wohngruppe „Kids 24“ in der Tilsiter Straße untergebracht sind und die laut Benedikt Mayer, Referent für Schule, Jugend und Soziales, „eine der wenigen Gruppen für Mädchen in ganz Bayern ist“. Sie seien mit „null Deutschkenntnissen“ bei ihm angekommen, meinte Michael Ohnesorg von „Kids 24“ und auch insgesamt noch nicht so lange in Deutschland wie die Jungs. Über mangelnde Motivation und Lerneifer der Mädchen kann jedenfalls auch bei „Kids 24“ keiner klagen. Aktuell sind es 37 unbegleitete Jugendliche Flüchtlinge im Alter von 16 bis 18 Jahren, die sich auf die beiden betreuten Wohngruppen in Kempten verteilen. 19 Mädchen leben in der Wohngruppe „Kids 24“, 18 Jungen in der Wohngruppe des Gerhardinger Hauses in der Lotterberg Straße.

Schon bald soll die Zahl auf insgesamt über 50 ansteigen. Womit auch der Bedarf an schulischem Angebot steigen dürfte.

Christine Tröger

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