Erinnerung an Inge Nimz

In der Hand starker Frauen

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Rudi Goschler (links), die „gute Seele des Haus International“, heißt den Diakonie-Geschäftsführer Wolfgang Grieshammer und dessen Frau willkommen.

Kempten – Multikulti ist im „Haus International“ kein bloßes Wort, Multikulti wird in dem Haus in der Poststraße 22 jeden Tag gelebt. Das war am Freitagabend zu spüren, als Vertreter aus der Politik sowie vieler Kulturen und Religionen das 30-jährige Bestehen des Hauses feierten.

Besonders Rudi Goschler und Gabriele Heilinger vom Trägerverein des Haus International wurden mit Applaus und Ehrungen überhäuft. 

Einen Namen hörten die zahlreichen Gäste sehr häufig: Inge Nimz. Mit ihrer Überzeugungskraft ebnete die verstorbene Pfarrerin den Weg für die Verwirklichung des Hauses. Im Büroraum hängt das letzte Bild, das Inge Nimz kurz vor ihrem Tod gemalt hat. Es zeigt einen Torbogen in den Farben eines Regenbogens, der nach oben hin geöffnet ist. Auf der linken Seite ist ein hellblauer Farbtropfen in Form einer Träne zu sehen. Die Signatur auf der rechten Seite lässt vermuten, dass Inge Nimz’ Kräfte langsam schwanden. Das Bild hatte die charismatische Frau mit den schlohweißen Haaren auf ein A4-Blatt gemalt. Oliver Stiller, Leiter des Wilhelm-Löhe-Hauses, schenkte das Bild dem Haus International. Gabriele Heilinger, Vorsitzende des gleichnamigen Trägervereins, freut sich darüber sehr. „Ich habe von Weggefährten erfahren, mit wie viel Gottvertrauen und Liebe sie auf ihre Mitmenschen zuging. Sie hatte viel Gefühl für das Wesentliche im Menschen.“ 

Die Zukunftsaufgabe des Haus International bestehe darin, den Integrationsauftrag zu verbessern. „20 Prozent der im Haus betreuten Kinder hätten schon im Kindergar- tenalter Deutschunterricht nötig gehabt“, so Heilinger. „Inge Nimz fand in dem Altoberbürgermeister Dr. Josef Höß (CSU) einen geeigneten Partner, um diese Idee umzusetzen“, sagte OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) in seinem Grußwort. „Inge Nimz war es, die mit ihrer Beharrlichkeit und Überzeugungskraft den Oberbürgermeistern sagte, wo es langgeht. Sonst ist es immer umgekehrt“, so Netzer. Der Trägerverein sei immer in der Hand starker Frauen gewesen. „Aber starke Frauen haben immer einen starken Mann neben sich. Auch wenn er, wie in diesem Fall, ungenannt bleiben will“, erklärte Netzer und meinte damit Rudi Goschler. Bereits Gabriele Heilinger hatte Goschler in ihrer Ansprache als „die gute Seele des Hauses“ bezeichnet. Mit einer Computerpräsentation blickte Goschler auf die bewegte 30-jährige Geschichte des Hauses zurück. Auf einem Bild war Thomas Schiller als blonder, junger Gitarrenspieler zu sehen. „Ich kannte Inge über den CVJM und wurde damals gleich von ihr eingespannt. So wurde ich auch Gründungsmitglied des Vereins ,Internationale Begegnung Kempten’ im März 1982“, erzählte Schiller, nachdem ihn Goschler auf die Bühne gebeten hatte. 

Wenige Monate später traf sich Inge Nimz mit dem damaligen OB Dr. Josef Höß, um ihn von der Notwendigkeit eines multikulturellen Hauses in der Kemptener Innenstadt zu überzeugen. „Inge Nimz erläuterte mir damals diese Idee. Ich gebe zu, ich war anfangs nicht begeistert.“ Auch einige Mitglieder des damaligen Kemptener Stadtrats seien dagegen gewesen, dass das Haus International in der Beethovenstraße und damit mitten in der Innenstadt angesiedelt werden sollte. Wenige Jahre später hieß der Kemptener OB Dr. Wolfgang Roßmann (SPD). Und im Oktober 1992 gab es abermals Diskussionen. „Das Gebäude in der Beethovenstraße drohte langsam zusammenzufallen, sodass ein Umzug zur Debatte stand. Doch Roßmann sah damals dafür keinen Grund“, berichtete Rudi Goschler. 

Kein Gejammer 

Auch klamme Finanzen waren und sind immer wieder ein Thema im Haus lnternational. Deswegen radelten Dietlinde und Horst Altstetter im Frühling 2008 von Sulzberg aus rund 2120 Kilometer ins irische Sligo, um Geld für die Einrichtung zu sammeln. Das Haus benötige pro Jahr rund 95 000 Euro. „Aber Inge sagte trotz knapper Finanzen immer, dass nicht gejammert wird“, so Goschler. Und das Engagement hat sich gelohnt, was die mehrstündige Feier am vergangenen Freitagabend verdeutlichte. Franziska Kampfrath

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