"Prioritäten klären"

„Wir wollen natürlich das Wintergeschäft 2009 gerne mitnehmen“, hatte Dr. Rudolf H. Christa, Geschäftsführer von Lutz-Neubert, am Abend des 21. Oktober 2007 nach dem gewonnenen Bürgerentscheid angekündigt. Über ein Jahr später steht diese Behauptung immer noch im Raum – getan hat sich seitdem am Haslacher Berg aber nichts. Fest steht damit schon jetzt, dass es mit der Eröffnung noch im nächsten Jahr nichts wird. Insider glauben mittlerweile sogar, dass sich vor 2010 rein gar nichts tun wird am südlichen Ende der Stadt. Die Gerüchteküche brodelt jedenfalls. Hat sich XXXLutz übernommen?

Kaum ein Ereignis wie die geplante Ansiedlung des Möbelgiganten am Haslacher Berg hat die Bürger in den vergangenen Jahren derart bewegt und gespalten. Selbst ein Bürgerentscheid war im vergangenen Jahr initiiert worden. Umso erstaunter sind viele Kemptener nun, dass sich offenbar überhaupt nichts tut am Haslacher Berg, dem geplanten Standort. Zumal der Möbelgigant seinerzeit auf eine schnelle Baugenehmigung gedrängt hatte. So entstand der Eindruck, die Bagger würden jeden Augenblick um die Ecke rollen. Die Genehmigung liegt zwar mittlerweile bereits seit Monaten vor, das Gras am Haslacher Berg wiegt sich aber noch immer friedlich im Wind. Nicht zuletzt deshalb kursieren mittlerweile verschiedene Gerüchte. In der Tat gibt es einige Hinweise darauf, dass das Projekt in Kempten nicht allerhöchste Priorität bei Lutz-Neubert genießt. Zum einen hat das Unternehmen vor nicht allzu langer Zeit „Hindl“ geschluckt. Zum anderen sind in München-Aschheim, Schweinfurt und Pforzheim Filialen in Planung und Bau, die zum Teil drei mal üppiger dimensioniert sind als der geplante Bau in Kempten. Dessen bescheidene rund 30000 Quadratmeter muten gegen die etwa 110000 Quadratmeter beispielsweise von Aschheim winzig an. Gut möglich, dass XXXLutz erst diese Groß-Projekte in Angriff nimmt, bevor es in die Allgäuer Provinz geht. Dazu kommt die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise. Steiniger Untergrund „Ich frage mich, ob die sich nicht übernommen haben“, unkte ein Stadtrat. In Aschheim und Kempten gleichzeitig zu bauen und auch noch „Hindl“ zu kaufen, sei wohl auch für XXXLutz dann doch eine Nummer zu groß. Außerdem sei davon auszugehen, dass die Bauarbeiten wegen des felsigen Untergrunds deutlich teurer werden als bislang kalkuliert. „Offenbar sind die sauer auf die Stadt, dass das nicht gesagt worden sei“, berichtete ein anderes Stadtratsmitglied. Anwohner des Haslacher Berges wissen außerdem von Mieter- und Eigentümerversammlungen zu berichten. Mitarbeiter einer großen Kemptener Baugesellschaft hätten in diesem Zusammenhang noch im Sommer gesagt, dass vor 2010 nicht mit den Arbeiten begonnen werde. Beruhigungspille oder Insiderwissen? Vier Jahre Zeit Bei der Bauverwaltung weiß man auch nicht so recht, was Sache ist. Dabei müsste die wegen der zahlreichen Arbeiten am fließenden Verkehr früh über einen Baubeginn informiert werden. „Aber ich habe keine Erkenntnisse“, erklärte Baureferentin Monika Beltinger auf Nachfrage. „Im Gesamtinvestitionsplan von Lutz-Neubert müssen wohl noch Prioritäten geklärt werden“, so Beltinger. Andererseits habe Lutz-Neubert auch noch viel Zeit, denn die Baugenehmigung gelte vier Jahre. Tatsächlich scheint es, als ob der Möbelgigant zu schnell zu viel gewollt hat. Dr. Rudolf Christa selbst äußerte sich gegenüber dem KREISBOTE jedenfalls vage. „Ich habe nichts Konkretes zu sagen“, war sein Kommentar. Fest stehe aber, dass man das vierjährige Zeitfenster auf alle Fälle einhalten wolle, betonte er. Derzeit arbeite man aber an verschiedenen Großprojekten wie eben in München, Schweinfurt und Pforzheim. „Das gilt es zu prioritieren – und Kempten ist ganz oben auf der Liste.“

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