"Quasi-Diebstähle": Kritik an Minister Müllers Dissertation nimmt zu

Das Netz jagt Dr. Müller

+
Der Allgäuer Bundesminister Dr. Gerd Müller: Schlampig gearbeitet?

Kempten/Regenburg – Die Jagd ist eröffnet: Nachdem ein Plagiatsjäger kürzlich auf „handwerkliche Fehler“ in der Dissertation des CSU-Abgeordneten und Entwicklungsministers Dr. Gerd Müller hingewiesen hatte, macht die Netzgemeinde jetzt Jagd auf Fehler in seiner Doktorarbeit – offenbar mit Erfolg.

So beschäftigt sich die anonyme Seite www.handwerklichefehler.mooo.com mittlerweile mit Müllers Dissertation „Die Junge Union Bayern und ihr Beitrag zur politischen Jugend- und Erwachsenenbildung“, die Müller an der Uni Regensburg geschrieben hat, berichtet die Online-Zeitung regensburg-digital.de. Nach gerade einmal zwei Tagen im Netz fanden sich dort Mitte vergangener Woche schon 16 Stellen, an denen der CSU-Politiker falsch zitiert, falsche Quellen angegeben oder bei den Fußnoten geschlampt haben soll – eben grundlegende Regeln wissenschaftlichen Arbeitens außer Acht gelassen hat. 

Müller in der Grauzone 

regensburg-digital.de hat außerdem mit dem emeritierten Professor Alf Mintzel über die Dissertation Müllers gesprochen. Dieser bezeichnet Müllers Zitiertechnik laut der Website als „sehr schlampig gehandhabt“, auch spreche Mintzel von „Quasi-Diebstählen“. Von einem Plagiat will Mintzel laut der Online-Zeitung ohne genaue Durchsicht der rund 400 Seiten starken Arbeit allerdings nicht sprechen, Müller arbeite jedoch in „Grauzonen“. 

Müller bestreitet 

Vor zwei Wochen hatte der kommerzielle Nürnberger Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder Dr. Müller öffentlich „handwerkliche Fehler“ in seiner Dissertation vorgeworfen. Müller habe wörtlich aus anderen Werken zitiert, ohne die Zitate als solche zu kennzeichnen. Der Allgäuer Dr. Gerd Müller wies bislang die Vorwürfe Heidingsfelders über eine Sprecherin zurück, die Uni Regensburg, an der Müller promovierte, will seine Arbeit jetzt allerdings überprüfen. 

Plagiatsjäger Martin Heidingsfelder selbst sah sich ebenfalls Kritik ausgesetzt; bietet seine Plattform www.politplag.de doch eine kostenpflichtige Überprüfung von Politikerdissertationen an.

Matthias Matz/Eva Veit

Meistgelesene Artikel

Stadtgeschichte: Die letzte Hinrichtung in Kempten

Kempten – Am Freitag, 20. Januar 1928, um 8 Uhr morgens, fand im Hofe des Landgerichtsgefängnisses in der Weiherstraße die letzte Hinrichtung in …
Stadtgeschichte: Die letzte Hinrichtung in Kempten

Inklusion Thema beim SPD-Neujahrsempfang

Kempten – Das neue Jahr wird ein Jahr in dem einiges entschieden wird. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde am Freitag ein Präsident …
Inklusion Thema beim SPD-Neujahrsempfang

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kommentare