Professor Karl-Heinz Meier-Braun referiert über Integrationsmöglichkeiten

Eine Zusammenfassung der Fakten

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Professor Karl-Heinz Meier-Braun (links) und der Moderator der Veranstaltung, Herbert Beck.

Isny – Angestoßen von der Volkshochschule Isny und Regionalredakteur Herbert Beck, ist es gelungen, Professor Karl-Heinz Meier-Braun zu einem Gespräch über Flüchtlinge und Integrationsprobleme nach Isny zu bekommen. In Isny ist das Interesse an weiteren Informationen zur Bewältigung der augenblicklichen „Flüchtlingskrise“ deutlich vorhanden und die große Zahl der Zuhörer an der Veranstaltung war ein deutliches Zeichen dafür.

Der „Fahrplan der Veranstaltung“ war schnell erklärt. Erst also ein Referat des Professors und dann im zweiten Teil eine Diskussionsrunde mit dem Publikum. Zuerst versorgte Professor Meier-Braun die Anwesenden mit einer ganzen Reihe von Zahlen die erst einmal nachdenklich machen sollten. Die offizielle Zahl der im Mittelmeer ertrunkenen Flüchtlinge: 3772 im Jahre 2015, und auch schon wieder 411 in diesem Jahr. Die offizielle Zahl der Asylbewerber, soweit sie überhaupt schon richtig erfasst wurden: 1,1 Millionen. Davon haben bisher 18.400 einen Antrag auf Familiennachzug gestellt. Das ist alles unter dem Aspekt zu sehen, dass Deutschland eine der größten Einwanderungsländer der Welt ist.

Welle auf Welle sind Neubürger nach Deutschland gekommen. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs waren es 12,5 Millionen Heimatvertriebene die untergebracht und eingegliedert werden mussten. Die nächste Welle bestand aus italienischen Gastarbeitern, von denen doch ein ganzer Teil in Deutschland geblieben ist. Dann folgten die Türken und hier ging es im Prinzip darum, dass erst mit der dritten Generation von einer Integration gesprochen werden kann. Direkt nach der Wiedervereinigung dann die Welle von Neubürgern aus den „neuen Bundesländern“, mit dem Beginn der Balkankrise der nächste Schub aus dem dort aufbrandenden Kriegsgeschehen. Mit der Welle der Flüchtlinge aus den afrikanischen Staaten ist es nun wieder soweit: mit den rund 1,1 Millionen Asylbewerbern in Deutschland ist in Relation zu den bisherigen Zahlen die Aufgabe nicht übermäßig groß.

Auch 1947, so Professor Meier-Braun, war die Stimmung für die Unterbringung der Millionen Flüchtlinge nicht besonders gut. Ihnen wurde (Zitat aus einer damaligen Zeitung) eigentlich alles nachgesagt was irgendwie schlecht war. Als die Italiener ins Land kamen zitierte der Referent aus einer Zeitung „Spaghetti für Italiener“, eine Kochanweisung für ein Gericht, das inzwischen zu einem der liebsten in Deutschland geworden ist. Und jetzt? – Es wird immer deutlicher, dass der sogenannte „Islamische Staat“ die Flüchtlingsbewegung als Waffe benutzt. Rund 75 Prozent der Teilnehmer an der PEGIDA-Protestbewegungen gehören keiner Kirche an, wollen aber das „Christliche Abendland“ verteidigen und die Angst für einen Wechsel in der gesamten Struktur Deutschlands ist so betrachtet unbegründet.

Der Referent legte auch noch einmal offen, dass Deutschland in seiner frühesten Geschichte auch schon ein ausgesprochen großes Auswanderungsland war. In New York gab es am Anfang des letzten Jahrhunderts einen Stadtteil mit mehr als 200.000 deutschstämmigen Anwohnern und im mittleren Westen wäre fast die deutsche Sprache Amtssprache geworden.

Die bei uns etablierten Migranten sind ein ausgesprochener Wirtschaftsfaktor und warum soll es mit der nächsten Welle nicht ebenso sein? Mehr als 20 Prozent der Deutschen haben einen Migrationshintergrund und leben damit doch ganz normal in unserer Gesellschaft. Alle reden von der Andersartigkeit der Moslems, dabei gibt es auch bei ihnen viele, die allenfalls mal am Feiertag in eine Moschee gehen und sonst ein mehr weltliches Leben führen. Eines wurde nach dem Vortrag klar: Wenn jemand annimmt, Deutschland wäre nur christlich ausgerichtet, der irrt sich gewaltig. Wir sind seit vielen Jahrzehnten „multi-kulti“ ausgerichtet und eigentlich auch stolz darauf.

In der anschließenden Diskussionsrunde wurden eine Reihe individueller Themen angesprochen, mit der aus dem Referat zu ziehenden Schlussfolgerungen waren die meisten der Anwesenden durchaus einverstanden.

Die VHS setzt die Reihe mit dem Referat „Islam und Islamismus“ von dem Historiker und Orientalisten Matthias Hofmann am Sonntag, 6. März um 16 Uhr im kleinen Saal des Kurhauses fort.

Manfred Schubert

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