Erfolgreiches Wohnprojekt

Gelebte Inklusion

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Bernd Stempel, Sprecher der Bewohnervertretung, lobt das Miteinander im integrierten Wohnen.

Kempten ­– Im Herbst 1994 zogen die ersten Mieter und Eigentümer in einen Gebäude- komplex in der Kemptener Brennergasse ein. Damit startete das Projekt „Integriertes Wohnen“ (IWO). Am Samstag feierten die rund 150 Bewohner zusammen mit zahl- reichen Gästen und einem bunten Programm das 20-jährige Bestehen des IWO.

„1994 startete das IWO als eines von zwölf Wohnanlagen in Deutschland als Wohnprojekt“, erklärte Bernd Stempel, Sprecher der Bewohnervertretung, bei der Begrüßung. Seines Wissens nach sei das IWO die einzige dieser Wohnanlagen, die heute noch aktiv ist. Im IWO würden die verschiedensten Leute miteinander zusammenleben: Menschen mit Behinderung, Menschen ohne Behinderung, Menschen vieler Nationen und Hautfarben, Studenten und andere Gruppen. „All diese Menschen wohnen in verschiedenen Lebensformen unter uns. Sie sind alleinerziehende Mütter, ledig, verheiratet oder leben in einer gleichgeschlechtlich eingetragenen Partnerschaft“, sagte Stempel. „Das IWO ist gelebte Inklusion.“ Die gegenseitige Hilfe stehe im Vordergrund. „Hier kennt jeder noch jeden.“ Das integrierte Wohnen sei kein betreutes Wohnen und kein Senioren- oder Altersheim. „Hier ist, salopp gesagt, noch Leben in der Bude.“ Bernd Stempel betonte, dass alle Mitglieder der Bewohnervertretung ehrenamtlich und ohne Aufwandsentschädigung arbeiteten.

Wichtige Einrichtung

Josef Mayr, dritter Bürgermeister von Kempten, bezeichnete das IWO als ganz wichtige Einrichtung in der Stadt. „Ich erinnere mich noch an die Diskussion, die es im Vorfeld des Baus gegeben hat.“ Es sei nicht selbstverständlich, dass eine Firma Sozialbau, die das Gebäude errichtete und betreut, sich sozial engagiere. „Wir besprachen damals, dass hier ein Treffpunkt entstehen soll, was das Café ‚Etwas‘ wurde.“ Mayr lobte dessen Pächter Werner Weiß, der den besten Kuchen Kemptens verkaufe. „Das IWO lebt.“ Das Projekt sei ein Erfolgsmodell.

Das bekräftigte auch Herbert Singer, Geschäftsführer der Sozialbau. „Das Projekt durchlief eine lange Planungs-, Genehmigungs- und Bauphase.“ Soziales Handeln könne auf die Dauer nur wirtschaftlich geschehen. „Dass ein kommunales Wohnungsunternehmen eine solche Aufgabe trägt, dafür stehen wir“, so Singer. Es sei das barrierefreie Gebäude, das die Hardware für dieses Projekt liefere. Das nachbarschaftliche Miteinander sei die Software. Soziale Vernetzungen müssten Tag für Tag neu gelebt werden. „Ein wichtiger Aspekt für mich ist, dass man aus Herausforderungen lernen muss.“ Normen zum Brandschutz und zur Barrierefreiheit widersprächen sich oft, was Bauunternehmen vor unlösbare Probleme stelle. „Bauen ist an dieser Stelle einfach zu teuer“, verdeutlichte Singer.

„Füreinander – Miteinander“

Das Motto für das IWO lautet „Füreinander – Miteinader“. Der Gebäudekomplex liegt unmittelbar an der Iller und be-steht aus 65 Wohnungen, die ein bis vier Zimmer umfassen. Außerdem gehören 73 Tiefgaragenstellplätze dazu. Die Wohn- und Außenräume sind weitgehend barrierefrei und behindertengerecht gestaltet. Ältere und behinderte Menschen sollen im IWO ein weithin selbst bestimmtes Leben führen können. Die gewählte Bewohnervertretung setzt sich unter anderem für die Interessen der Bewohner ein und organisiert Unternehmungen in der Freizeit.

Franziska Kampfrath

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