Erster sichtbarer Protest gegen Baumfällungen für Tiefgarage im Stadtpark

"Es müssen deutlich mehr weg"

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Bei vielen Bürgern kommen die Überlegungen, alte Bäume im Stadtpark für eine Tiefgarage zu opfern, nicht gut an. Manche machen ihrem Ärger darüber bereits sichtbar Luft.

Kempten – „Erst wenn der Baum weg ist, dann rühmt man seinen Schatten.“ Ein Spruch, auf den Peter Bublies im Gespräch mit dem Kreisboten bezüglich seiner stillen und wie er sagt „einmaligen“ Protestaktion im Stadtpark verweist.

Der Landschaftsgärtnermeister im Ruhestand ist sich zudem sicher, dass für den Neubau der Sparkassen-Tiefgarage „deutlich mehr“ Bäume gefällt werden müssten als bisher angegeben. „Peu à peu wird da immer weiter gegraben.“ Ein „bisschen hinterfotzig“ nennt er die Aktion, denn es sei bei einem 30 Millionen Euro-Projekt „unwahrscheinlich“, dass der schlechte Zustand der Tiefgarage nicht bekannt gewesen sei. Aufgefallen sei ihm auch, dass die Stadtgärtnerei den Stadtpark insgesamt „jahrelang verwahrlosen lassen“ und nach der Festwoche kaum noch etwas gemacht habe. Wo Matsch gewesen sei „zack, Split oder Schotter reingekippt“.

Stadträte sollen sich Meinung bilden

Für Unmut – zumindest bei Stadtrat Thomas Hartmann (Grüne) – hatte die seines Erachtens „Werbedurchsage“ von OB Thomas Kiechle „außerhalb der Tagesordnung für die Tiefgarage“ der Sparkasse vor der Stadtratssitzung vergangenen Donnerstag gesorgt.

Für die meisten der von ihm vorgebrachten Pro-Tiefgaragen-Argumente gebe es auch Gegenargumente, prangerte Hartmann die einseitige Darstellung an. Er habe lediglich „Impulse“ gegeben, konterte der OB, und Infos, die so noch nicht allen hier bekannt seien, beispielsweise, dass die Sparkassen-Tiefgarage auch ausschließlich von der Sparkasse gebaut und finanziert würde.

Aber eigentlich sollte es sich inhaltlich um die Neugestaltung des Stadtparks und Informationen zum weiteren Vorgehen drehen. Kiechle erinnerte an die „vielen Ideen und Anregungen“ aus den Bürgerbefragungen, in denen immer wieder die Rede von „einem freundlichen, einladenden Park“ gewesen sei, „mit Aufenthaltsqualität, Freiflächen, blühenden Blumen und Bäumen“, einem kleinen See und einer Nutzung für den Pavillon. Nachdem sich nun vor einigen Monaten „belegbar“ herausgestellt habe, dass der schlechte Zustand der Tiefgarage der Sparkasse –„entgegen den Aussagen eines früheren Gutachtens“ – aus wirtschaftlicher Sicht einen Neubau sinnvoll mache, habe man auch den für die Stadtparkgestaltung geplanten Wettbewerb nicht weiterverfolgt. Zudem beabsichtige die Sparkasse in ihrem Gebäude entlang der Königstraße Büros, Praxen und Einzelhandel anzusiedeln.

Laut einer Machbarkeitsstudie könne sich dieses neue Quartier zu einem „Magneten“ in diesem nördlichen Innenstadtbereich entwickeln, wenn – ja wenn sich denn „auch öffentlich nutzbare Parkplätze vor Ort generieren lassen“. Diese seien zugleich bedeutend für das Kulturquartier mit Kornhaus, Zumsteinhaus und Residenz. Auch vergaß Kiechle nicht auf den „enormen Parkdruck und Parkplatzsuchverkehr“ an Markttagen während der Sommermonate hinzuweisen und lockte mit der Aussicht die 40 Stellplätze vor dem Finanzamt durch die Tiefgarage zu kompensieren und den Park um diesen Streifen zu erweitern. Er sah im Bau der erweiterten Tiefgarage die „nahezu einmalige Gelegenheit, an dieser Stelle mitten in der Innenstadt einen bedeutenden städtebaulichen und wirtschaftlichen Mehrwert zu schaffen“, als Gegengewicht zur südlichen Innenstadt und Stärkung der nördlichen.

Beziffert sprach er von sechs Kastanien, die im Sinne einer „positiven Stadtentwicklung“ zur Disposition stünden, schloss aber „gegebenenfalls auch weitere Bäume“ nicht aus, durch deren Fällung sich möglicherweise ein „hochattraktiver Park“ gestalten lasse, mit Sichtachsen zum Zumsteinhaus & Co., in dem statt des alten Baumbestandes luftigere, lieblichere Bepflanzung „eine echte Aufenthaltsqualität“ bieten werde. Er bat seine Stadtratskollegen um Meinungsbildung innerhalb ihrer Fraktionen, wofür sie in diesen Tagen entsprechende Unterlagen aus der Verwaltung bekommen sollen.

Wie bereits berichtet soll das Thema im November 2016 sowohl im Planungs- und Bauausschuss wie im Stadtrat behandelt werden.

Christine Tröger

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