Zeugenvernehmung im Prozess um die Zugschießerei im Alex vor einem Jahr

Unter Drogeneinfluss gehandelt

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Am zweiten Verhandlungstag zeigte sich der Angeklate Michael W. etwas gesprächiger, zu der Zugschießerei an sich äußerte er sich allerdings nicht.

Zweiter Verhandlungstag im Prozess der Zugschießerei vor dem Kemptener Landgericht: Auf der Anklagebank sitzt der gebürtige Kasache Michael W., der im März vergangenen Jahres bei einer Schießerei im Regionalexpress Alex von Buchloe nach Kempten mindestens einen Polizisten angeschossen haben soll.

Deshalb ist er unter anderem wegen versuchter Körperverletzung und versuchtem Mord angeklagt. Am ersten Verhandlungstag noch schweigsam, äußerte sich der Tatverdächtige am vergangenen Donnerstag zumindest etwas ausführlicher zu seinem Drogenkonsum. 

Wie der Kreisbote bereits berichtet hatte, könnte dieser mögliche Drogenkonsum des Angeklagten am Tag der Schießerei Auswirkungen auf das Strafmaß haben. Eine Zeugin gab dazu vor Gericht zu Protokoll, dass die beiden Tatverdächtigen – der Jüngere ist am Tattag ums Leben gekommen – ihrer Einschätzung nach „etwas intoxikiert hatten“, möglicherweise „eine Substanz, die beide schnell unberechenbar macht.“ Die beiden Männer wären unter Strom gestanden, hätten schnell agiert und ihr auch Angst eingejagt, wenn sie keine Waffe bei sich gehabt hätten. 

Michael W. erklärte dieses Verhaltensmuster mit seinem jahrelangen Drogenkonsum, der bereits als 19-Jähriger in der Militärzeit mit Medikamenten und Aufputschmittel begonnen habe. Um runter zu kommen, habe er dann auch zunehmend Cannabis, Morphium und Opium konsumiert, später Kokain und Heroin, zweitweise alle zwei Stunden, bis zu 10 Gramm pro Tag. Er wurde wiederholt straffällig, saß immer wieder für mehrere Jahre im Gefängnis – zuletzt wurde er 2012 aus der Haft entlassen. Eine Drogentherapie wäre abgebrochen worden, dennoch gibt er an, zeitweise „clean“ gewesen zu sein. Nach einem Kieferbruch habe er erneut zu Cannabis gegriffen und bis zu vier Joints am Tag geraucht, etwa zwei Monate vor der Zugschießerei wäre er durch seinen kriminellen Bekanntenkreis zusätzlich an „Badesalz“ geraten, eine synthetische Droge, die er bis zu dreimal täglich schnupfte. Auch am Tag der Zugschießerei habe er vor dem Einsteigen in den Zug Drogen konsumiert, wie er in gebrochenem Deutsch vor Gericht wiedergab. Es war das erste mal, dass sich der 45-Jährige im Prozessverlauf ausführlicher äußerte, zum Sachverhalt sagte er aber erneut kein Wort. Dennoch ließ der zweite Prozesstag bereits vermuten, dass wohl nicht alle der fünf angesetzten Verhandlungstage benötigt werden, bis die Plädoyers oder sogar das Urteil verlesen werden. 

Neben Zuginsassen schilderten auch Polizeibeamte, die am besagten Tag im Einsatz waren, sowohl von den Geschehnissen am Bahngleis bei Wildpoldsried, wo unter anderem der Angeklagte, die Leiche seines Komplizen und die entwendete Dienstwaffe aufgefunden wurden, als auch von den alarmierenden Anrufen der beiden verletzten Bundespolizisten in der Leitstelle der Polizeiinspektion. Ein Tatbefundbericht zeigte in Bildern die Spuren von Blut, Einschussstellen und Patronenhülsen, die im Zug aufgefunden werden konnten. Am gestrigen Dienstag ist der Prozess (nach Redaktionsschluss) weitergegangen, wofür unter anderem die Anhörung von Familienmitgliedern des Angeklagten geplant war. 

Mehr dazu in der kommenden Samstagsausgabe und vorab im Internet unter www.kreisbote.de   Lea Stäsche

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