Quantität und Qualität

Dass in der MUVA qualifizierte Mitarbeiter am Werk sind und wirkliche „Hightech-Berufe” entstanden sind, davon konnten sich die vielen neugierigen Besucher selbst in den zeitgemäß ausgestatteten Laboren in zwanglosen Gesprächen mit den Angestellten informieren. Foto: Spielberg

Manchmal erweist sich schlechtes Wetter für einen „Tag der offenen Tür” als durchaus segensreich. So auch am vergangenen Sonntag, an dem sich heuer das Milchwirtschaftliche Zentrum Bayern für Besucher aus dem gesamten Allgäu öffnete und sein breites Spektrum an Aktivitäten rund um die Milch, Milchprodukte und Lebensmittel präsentierte. Träger der Einrichtung ist der Milchwirtschaftliche Verein, der heuer sein 125-jähriges Bestehen feiert.

Zwar strich der Wind kräftig um die gesamte Anlage auf dem Bühl und die Fahnen flatterten und knatterten an ihren Masten, wie an einer Hafenmole. Dennoch tat das dem Besucherandrang keinen Abbruch. In den Gebäuden des Spitalhofes, der Molkereischule mit seinem just fertiggestellten Technikum und natürlich im Hauptgebäude der MUVA drängten sich Groß und Klein und Alt und Jung, um etwas über das Tun der vielen Fachleute und hochgradig ausgebildeten Wissenschaftler vor Ort aus den Bereichen Chemie, Physik, Lebensmittelchemie, Informatik und Ökotrophologie zu erfahren. Landwirtschaft, und im speziellen Milchwirtschaft, ist eben heute weniger eine Sache der Romantik, sondern ein industrielles Segment, dessen Produkte wir tagtäglich selbst verzehren. Da geht es zum einen, um die „Quantität”, d.h. was ist eigentlich in Lebensmitteln wie Milch, Milchprodukten und Süßigkeiten in welchen Mengen enthalten? Wie hoch ist beispielsweise in diesen der Gehalt an Fetten und Eiweißen. Darüber hinaus werden die Lebensmittel im Milchwirtschaftlichen Zentrum natürlich auch „qualitativ” bewertet. Sprich: welche Stoffe, welche Zusatzstoffe möchte man in welchen Mengen im Produkt haben und welche zum Teil schädlichen oder einfach unerwünschten Stoffe möchte man eben nicht in den Lebensmitteln haben. Genannt seien an dieser Stelle Vitamine und Spurenelemente. Die MUVA in Kempten ist ein zertifiziertes Institut, das Lebensmittel auf seine Inhaltsstoffe hin prüft und nach einer eingehenden wissenschaftlichen Analyse dem Erzeuger dieses Lebensmittel durch einen Siegel auf der Verpackung die Art und Mengen der im Produkt enthaltenen Stoffe bestätigt. Großes Interesse beim Publikum fand auch das Zentrum für Lebensmittelsensorik, man könnte vereinfacht auch sagen – eine Art Probierstube. Hier wurden die Besucher aufgefordert, Lebensmittel mit Hilfe ihrer Sinne – Schmecken, Sehen, Hören, Riechen und Tasten zu „erfahren”. Wie aber kann man sich einem Lebensmittel „hörend” nähern? Nun, frische Äpfel, Kartoffelchips und Wienerle hören sich beim Verzehr eben doch anders an, als „latschige”. Auch die Nase ist ein wesentliches Organ, mit dem wir vorab und beim Verzehr ein Lebensmittel prüfen und beim Berühren, Abbeißen und Kauen ist unser Tastsinn mit im Spiel. Wir prüfen beispielsweise durch Drücken der Ware seine Frische und Konsistenz. Am wichtigsten ist aber unser Sehsinn, mit dem wir vorab das „visuelle Flavour” eines Lebensmittels prüfen und grundsätzlich Entscheidungen treffen, ob wir es verzehren möchten. Im Erdgeschoss konnten sich die Besucher noch über die hohe Ausbildungsqualität der MUVA bei den „Azubis” persönlich informieren. Die MUVA bildet neben den milchwirtschaftlichen Laboranten, hier ist die MUVA sogar Bayerns größter Ausbilder, Jugendliche in den Bereichen Buchhaltung und Informatik aus. Wer schließlich seinen Rundgang in den Laboren und Räumen der MUVA beendet hatte, konnte mit dem Milchbähnle die anderen Gebäude des Milchwirtschaftlichen Zentrums aufsuchen – den Spitalhof. In diesem mit seinen rund 100 Kühen und dem Kälberstall wurde über die Entwicklung der Melktechnik informiert und die Molkereischule mit Vorführungen im Technikum zum Thema Milchverarbeitung in der Molkerei in Wort, Tat und Produkt vorgestellt.

Meistgelesene Artikel

Schnell eingliedern mit "LASSE"

Kempten – Christian Kühn ist ein ganz normaler Mann. Täglich pendelt der 33 Jahre alte Familienvater von Füssen nach Kempten zur Arbeit. In der …
Schnell eingliedern mit "LASSE"

Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Kempten – „Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt“ lautet eine Redensart, die sich nun bei der Auslobung für den Wettbewerb zur …
Neues Wettbewerbsgebiet für Stadtparkgestaltung

Wirtschaftlicher Erfolg durch Ökologie

Kempten – Dem selbstsicheren, ruhig auftretenden und entspannt schwäbelnden Oberbürgermeister von Stuttgart, Fritz Kuhn, gelang es beim …
Wirtschaftlicher Erfolg durch Ökologie

Kommentare