Radikale Restrukturierung

Das Zentralhaus abreißen und neu bauen, die Freudenberg-Unterführung dicht machen – eine Radikalkur hat Dr. Manfred Bauer von der mit dem Einzelhandelsgutachten beauftragten GMA den Stadträten am Donnerstagabend empfohlen, soll die nördliche Bahnhofstraße wieder attraktiv für Kunden gestaltet werden. Denn wie bereits mehrfach berichtet, drückt die Einkaufsinnenstadt gerade dort der Schuh: Über die Hälfte der Gebäude steht leer (fast 10000 Quadratmeter), eine Kundenfrequenz findet lediglich noch auf der östlichen Seite der Straße statt. Die beiden Schwerpunkte Fischerstraße und August-Fischer-Platz drohen deshalb auseinander zu brechen.

649 Geschäfte, ein Einzugsgebiet von 330000 Menschen mit einer Kaufkraft von rund 1,7 Milliarden Euro – „Sie sind ein verdammt starker Einzelhandelsstandort“, erklärte Bauer. Dennoch steckt auch beim Einzelhandel wie bereits mehrfach berichtet der Teufel im Detail. Neben Kleinigkeiten wie zum Teil unscheinbarer Ladeneingänge oder trister Fassaden fallen insbesondere das Fehlen eines Möbelhauses und der Zustand der nördlichen Bahnhofstraße ins Gewicht. Hier müssten alle Kräfte konzentriert werden, forderte Bauer „Illerkauf und Zentralhaus müssen grundlegend restrukturiert werden und könnten unterirdisch in Verbindung gebracht werden“, erklärte er auf die Frage Hans Mangolds (Grüne), was zu tun sei, um dieses Gebiet wieder attraktiver zu machen. Vorstellbar sei unter anderem der Abriss des Zentralhauses mit anschließendem attraktiven Neubau. Auch der Übergang Freudenberg/Beethovenstraße müsse attraktiver für die Passanten werden. Ein Schritt in dieser Richtung sei der Wegfall der Freudenbergunterführung. Darüber hinaus müsse es gelingen, echte Kundenmagneten in das Zentralhaus zu locken. Eine einheitlichere Gestaltung (corporate design) beispielsweise bei den Mülleimern (mit Stadtwappen) oder der Außenbestuhlung könne dagegen durch die Gestaltungssatzung oder auch durch einen Wettbewerb unter den Gastronomen erreicht werden, regte Marktexperte Bauer an. Da nichts desto trotz die positiven Seiten des Gutachtens überwiegen, zeigten sich die meisten Stadträte mit ihrer bisherigen Arbeit im Hinblick auf die Innenstadtgestaltung zufrieden. „Das Positive überwiegt“, sagte Harald Platz (CSU) der dennoch anregte, dass die Verwaltung selbst aktiv um Mieter für das Zentralhaus werben sollte. Sein Fraktionschef Erwin Hagenmaier nannte die Entwicklung „ein Stück weit eine Erfolgsgeschichte“. „Ich hoffe, es gelingt uns, das Scharnier wieder zum Funktionieren zu bringen“, sprach auch er die bestehende Problematik an. Dieter Zacherle (FW) meinte, „nicht alles, was wir in der Vergangenheit angestoßen haben, war so falsch.“ Ullrich Kremser von der FDP regte dagegen an, auch die Burgstraße wegen ihrer vielen Dienstleister in den Einkaufsinnenstadtbereich (der KREISBOTE berichtete mehrfach) mit einzubeziehen. „Dienstleister sind in diesem Zusammenhang aber nicht der Schwerpunkt“, beschied ihm OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), der anmahnte, „den Bereich so eng wie möglich zu halten.“ „Viel Balsam für die Seele, ein wenig Salz in unsere Wunden“, machte Elisabeth Brock (Grüne/FL) aus. Sie störte sich vor allem an fehlenden Fahrradstellplätzen und der Plastikbestuhlung am Rathausplatz. Thomas Hartmann (Grüne/FL) sprach sich dafür aus, die Bahnhofstraße für den Verkehr zu sperren. Helmut Hitscherich (UB/ödp) sorgte sich dagegen um die Zukunft des Einzelhandels, wenn XXXLutz mit seinem riesigen und innenstadtrelevanten Randsortiment komme. Das falle nicht ins Gewicht so Bauer. Im Gegenteil: Derzeit fließe mehr Geld nach Ulm und Senden mit ihren Möbelhäusern ab, als der Innenstadt durch XXXLutz verloren gehe. Letztendlich folgte der Stadtrat ebenso wie der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig den Empfehlungen Bauers.

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