Rahmenbedingungen für Stadtparkgestaltung und Neubau der Sparkassen-Tiefgarage

Erst Beton, dann der "Garten"

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Jetzt gilt es den Neubau der Sparkassen-Tiefgarage und die Umgestaltung des Stadtparks planungstechnisch in Einklang zu bringen.

Kempten – Der Stadtpark in Kempten benötigt dringend eine Auffrischung, die Sparkasse eine neue Tiefgarage. Zwei Fakten, die es jetzt planungstechnisch in Einklang zu bringen gilt. Die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb wurden dafür am vergangenen Dienstagabend im Bauausschuss begutachtet. Die Entscheidung darüber soll in Kürze der Stadtrat fällen.

Weil während der Umbauphase der Sparkasse festgestellt wurde, dass sich die bestehende Tiefgarage in einem schlechteren Zustand befindet als erwartet und eine grundlegende Erneuerung notwendig ist, wurde der Wettbewerb zum Stadtpark zunächst zurückgestellt. Die notwendigen Voruntersuchungen sind jetzt soweit abgeschlossen, so dass die Planungen wieder aufgenommen werden können, erklärte Tim Koemstedt, Leiter des Referats für Planen, Bauen und Verkehr, in seinem Bericht.

Mit vier Rahmenbedingungen in den Wettbewerb

Wie berichtet, können bei der Tiefgaragenplanung mit rund 145 Stellplätzen im Bereich des Stadtparks die wesentlichen stadtparkprägenden Bäume erhalten werden, nur im nördlichen Bereich müssten ein paar Kleinbäume um die Zufahrt gefällt werden, im mittleren Bereich wären zwei größere Bäume betroffen (ein kranker Baum und eine 30 Jahre alte Kastanie).

Die oberirdischen 39 Parkplätze an der westlichen Seite des Stadtparks beim Finanzamt könnten aufgelöst werden, um den Parkplatzsuchverkehr künftig zu vermeiden. Gleichzeitig könnte die geplante Sparkassen-Tiefgarage mit in das Parkleitsystem aufgenommen werden.

Der zentrale Zugang zur Tiefgarage soll direkt an den Neubau der Sparkasse anschließen und öffentlich zuänglich gemacht werden. Ein weiterer Zugang im südöstlichen Bereich an der Königstraße könnte ebenso im Rahmen des Wettbewerbs festgelegt werden. Die Notausgänge sollen nach derzeitigem Planungsstand nicht als Gebäude in Erscheinung treten sondern als übergehbare Plattformen.

Um eine möglichst große Flexibilität bezüglich der Gestaltung der Oberflächen für den Wettbewerb im Bereich der Tiefgarage zu erhalten, sollte beim Bau eine Überdeckung berücksichtigt werden, dass Bäume mit maximal zehn Metern Gesamthöhe auch im Bereich der Garage angepflanzt werden könnten.

Diese Planungspunkte sollen als Rahmenbedingungen für den Wettbewerb zum 21.800 Quadratmeter großen Areal des Stadtparks gelten, so Koemstedt. Noch im November sollen nach der Entscheidung des Stadtrats am kommenden Donnerstag die Auslobungsunterlagen für den Wettbewerb erstellt und die Bewerbung im Januar 2017 veröffentlicht werden. Planungsentwürfe sollen bis Juni 2017 abgegeben und anschließend über den Wettbewerb entschieden werden. So sieht es der aktuelle Zeitplan vor.

Der Planungsverlauf der Tiefgarage erfolgt aber früher, erklärte Koemstedt. Der Bau soll schon im August kommenden Jahres nach der Allgäuer Festwoche beginnen und bis zur Festwoche 2018 fertiggestellt sein, „ein sportlicher Zeitplan“, wie Hans-Peter Hartmann (FW) betonte. „Ich kann die Sparkasse verstehen, auf der anderen Seite finde ich es dreist, uns zeitlich so unter Druck zu setzen.“ Nach 130 Jahren sei es zwar an der Zeit den Bedürfnissen der Bevölkerung bezüglich der Stadtparkgestaltung nachzugehen, allerdings komme man durch die Pläne der Sparkasse in Zugzwang und die Gestaltung des Stadtparks werde beeinträchtigt, so die Meinung von Siegfried Oberdörfer (SPD).

Dass sich die Grünplaner am Beton orientieren müssen, sah Erwin Hagenmaier (CSU) allerdings als logische Konsequenz, die sich durch den Neubau der Sparkassen-Tiefgarage ergebe. Schließlich könne man einen Busch versetzen, Fluchtwege beispielsweise seien aber gesetzlich vorgeschrieben. Erst müsse gebaut und dann der „Garten“ angelegt werden, schloss sich Karl Sperl (CSU) dieser Meinung an. Zudem sei es eine einmalige Chance, wenn die Tiefgaragen-Stellplätze der Allgemeinheit zur Verfügung stehen.

Ziele des Mobilitätskonzepts gefährdet?

Dennoch machte sich bei einigen Ausschussmitgliedern die Sorge breit, dass die Ziele des Mobilitätskonzeptes wie Klimaschutz und Stärkung des ÖPNV gefährdet werden könnten und der Parkplatzsuchverkehr zunehme, „wenn man noch mehr Autos in die Innenstadt zieht“, so Oberdörfer. Vielmehr sollte man die Innenstadt vom Verkehr freihalten und den Bau einer Garage an der Rottachstraße in Angriff nehmen, betonte Theo Dodel-Hefele (Grüne). „Die Planung der Sparkasse läuft dem Innenstadtkonzept konträr entgegen“, sprach sich Michael Hofer (ÖDP) gegen die zweite „Tasche“ mit zusätzlichen Parkplätzen der Sparkassen-Tiefgarage aus.

Vom "Wald" zum Park

Für Gesprächsstoff sorgte auch die vorgestellte Bedingung für den Wettbewerb, die stadtparkprägenden Bäume zu erhalten. Bürger würden mehr Licht, weniger Krähen und mehr Aufenthaltsqualität wollen, „aber jetzt ist da Wald“, so Hagenmaier. Er sei zwar froh, dass sich der Eingriff der Sparkasse auf ein Minimum beschränke und nur zwei Bäume der Tiefgarage zum Opfer fallen werden, allerdings sollte auch die Möglichkeit bestehen, den Park etwas mehr auszulichten, wenn es für die Gestaltung des Parks und dessen Qualität notwendig sei. „Die Bäume haben keine Chance sich zu entwickeln, man muss den Park ausdünnen“, schloss sich Dodel-Hefele der Meinung von Hagenmaier an. Dass der ein oder andere Baum nicht stehen bleiben könne, sah auch OB Thomas Kiechle: „Sonst muss man den Stadtpark ja nicht umgestalten.“ Im Wesentlichen soll der Baumbestand zwar erhalten bleiben, aber eine gewisse Flexibilität muss im Wettbewerb möglich sein, betonte Kiechle. Er sei insgesamt überzeugt, „dass wir einen sehr attraktiven Stadtpark bekommen werden.“

Gegen die vier vorgestellten Rahmenbedingungen für den Wettbewerb stimmten am Ende Hofer und Dodel-Hefele. Am kommenden Donnerstag wird dann der Stadtrat endgültig über die Rahmenbedingungen entscheiden.

Lea Stäsche

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