OB Kiechle in direktem Kontakt mit Schulleitern

Anliegen hervorbringen

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OB Thomas Kiechle (rechts am Bildrand) lud Schulleiterinnen und Schulleiter sowie Elternbeiratsvorsitzende vergangenen Dienstag zum „Rathausgespräch“ ein.

Kempten – Im Rahmen seiner „Rathausgespräche“ trifft sich OB Thomas Kiechle immer wieder mit Vertretern verschiedener Bereiche, um mit ihnen zu diskutieren und im direkten Kontakt Anregungen und Kritikpunkte zu erfahren. Am Dienstagabend hatte er Leiterinnen und Leiter von Kemptener Schulen sowie die Vorsitzenden der Elternbeiräte eingeladen. Großes Thema war die Integration von Flüchtlingskindern in Schulen.

Kempten sei Schulstadt und biete ein breit gefächertes Angebot, so Kiechle. In der gesamten Bildungslandschaft werde eine enorm gute Qualität geleistet, wofür viele Stellschrauben nötig seien. „Vielen Dank für Ihre gute, gute Arbeit“, sprach der OB zu seinen Gästen. Die Bildungsarbeit sei auch ein „zentraler Bestandteil“ des Strategischen Ziels „Zusammenleben aktiv gestalten“. Circa 50 Millionen Euro habe die Stadt seit 2005 in die Schulen investiert. Das Geld floss beispielsweise in Anbauten, Generalsanierungen, Ausbau der Mittagsbetreuung. „Es ist aber noch nicht aus, wir machen weiter. Ein Potential von rund 40 Millionen Euro haben wir noch vor uns“, so das Stadt- oberhaupt. In Vorbereitung bzw. am Laufen sei die Erweiterung des Hildegardis-Gymnasiums, die Generalsanierung der Lindenbergschule („Das bereitet mir Kopfzerbrechen, das wird teuer.“), sowie Maßnahmen am Carl-von-Linde Gymnasium, an der Turnhalle Königsplatz und am Beruflichen Schulzentrum.

Von Jugend-, Schul- und Sozialreferent Benedikt Mayer erhielten die Schulleiter und Elternbeiratsvorsitzenden einen Einblick, welch ein Aufwand auch für die Verwaltung hinter den verschiedenen Maßnahmen steckt. Von den ersten Planungen bis zur Fertigstellung können leicht sechs oder sieben Jahre vergehen.

Als „unglaubliche Herausforderung“ bezeichnete der OB die Flüchtlingskrise. Rund 1000 Flüchtlinge und 75 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge seien derzeit in Kempten. „Das leisten WIR ganz ganz hervorragend“, so Kiechle, betonte aber auch, dass die gleiche Zahl 2016 nicht noch einmal zu schaffen sei. Für die Schulen sei die Zahl „noch irgendwo händelbar“, im Dezember 2015 waren 59 Asylbewerber-Kinder in den Volks- und weiterbildenden Schulen untergebracht. „Klasse ist, dass wir die Schüler in Regelklassen unterbringen, wenngleich dies eine Riesenherausforderung ist.“

Ressourcen begrenzt 

Das Thema Flüchtlingskinder in Schulen sprachen auch einige der Anwesenden an. Alfons Keisinger, Rektor der Wittels- bacherschule, äußerte Bedenken bezüglich der Berufsschulklassen für Asylbewerber und Flüchtlinge (BAF-Klassen), die nun im bis vor kurzem von der Freien Schule Albris genutzten Schulgebäude in der Fürstenstraße („grüner Kasten“) untergebracht sind. „Ich befürchte eine Ghettoisierung. Es sind Kinder dabei, die gehören nicht in eine Mittelschule“. Kerstin Haas vom Elternbeirat der gleichen Schule brachte die Ängste einiger Eltern hervor, die befürchten, dass ihre Kinder zurückstecken müssen durch die Integration der Flüchtlingskinder in die Klassen. Sie betonte jedoch, dass es „unsere Lehrer super machen“. In die gleiche Richtung zielte auch die Anmerkung von Jutta Barwitz, Leiterin der Grundschule am Haubenschloss. „Wir investieren enorm viel Zeit in die nicht deutschsprachigen Kinder, unsere Ressourcen sind aber begrenzt und man spürt die Angst, die anderen Kinder nicht entsprechend zu fördern.“ Nach der Erfahrung der vergangenen Monate schlug sie vor, dass eine Klasse für Flüchtlingskinder gebildet wird, in der sie zwei bis drei Monate Deutsch lernen und sie danach dann in die Regelschulen gehen. Bei OB Kiechle stieß sie dabei auf offene Ohren. Es sei ein dynamischer Prozess, deshalb sei er dafür solche Wege zu bestreiten, wenn sich zeige, dass es so wie es momentan gehandhabt werde, nicht optimal sei.

Wolfgang Kern, Leiter der Maria-Ward-Realschule, wollte wissen, ob es Möglichkeiten gebe, Flüchtlingskindern eine zusätzliche Begleitung bereitzustellen, die ihnen helfen, wenn sie beispielsweise von Realschulen aufgenommen werden. „Wenn es solch einen Fall gibt, finden wir einen Weg dafür und kriegen es irgendwie hin“, versprach Schulreferent Benedikt Mayer.

Auch andere Themen wurden an dem Abend angesprochen, der mit Gesprächen und Verköstigung am reichhaltigen Buffet endete.

Melanie Weidle

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