Raumfunktionsbuch für die Grund- und Mittelschule auf dem Lindenberg

Konzept für moderne Bildung

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Beispiel eines Kernlernbereichs für Jahrgangsstufe 1 und 2.

Kempten – Zwei Jahre nachdem das Schulgebäude der Grund- und Mittelschule auf dem Lindenberg erstmals unter die Lupe genommen wurde, kann es in puncto Sanierung jetzt einen Schritt weitergehen – zumindest was die Planungen betrifft. Nachdem Anfang dieses Jahres die sogenannte „Planungsphase 0“ angestoßen wurde und in moderierten Workshops Anforderungen formuliert und verschiedene Planvarianten erarbeitet wurden (wir berichteten), präsentierte Karin Doberer vom Büro LernLandSchaft aus Röckingen am vergangenen Montag vor dem Jugendhilfeausschuss und dem Ausschuss für Schule und Sport ein mögliches „Pädagogisches Raumfunktionsbuch“ für die Schule.

Neues Lernen erfordere neue Räume, betonte Doberer zu Beginn ihres Vortrags. Ebenso wie die Technik habe sich auch die Art des Lernens weiterentwickelt. In Hinblick auf den LernplanPLUS für Grundschulen und den Lehrplan für Mittelschulen müssten bei der Generalsanierung verschiedene pädagogische Zielsetzungen beachtet werden. „Diese pädagogischen Ideen müssen dann gestalterisch und baulich zu Ende gedacht werden“, erklärte Doberer. Das herkömmliche Konzept für Schulgebäude folge dem Muster „Flure sind zum Gehen da, Klassenräume zum Unterrichten, auf Schulhöfe wird getobt und in Lehrerzimmern konferiert“. Dabei sind Klassen-, Gruppen- und Fachräume in der Regel noch auf die Methode des Frontalunterrichts im 45-Minuten-Takt ausgerichtet, wodurch ein Methodenwechsel und Lernkulturwandel für eine zukunftsfähige Schule erschwert oder unmöglich gemacht werde. Der pädagogische Zweck stehe daher an erster Stelle; ökologische, ökonomische und bauliche Optimierungsmaßnahmen sollten daher immer an diesen Zielsetzungen gemessen werden.

Bisher handle es sich beim Schulgebäude der Grund- und Mittelschule auf dem Lindenberg um eine „einhüftige Bauweise“, bei der sich auf einer Seite der Flure die Klassenzimmer befinden. Ein Drittel der Gesamtfläche seien also sogenannte „Verkehrsflächen“, die durch Marktplätze in verschiedenen Kernlernbereichen der einzelnen Jahrgangsstufen künftig wegfallen könnten, wie Benedikt Mayer, Leiter des Referats für Jugend, Schule und Soziales, betonte. Insgesamt vier Kernlernbereiche sieht das erarbeitete Pädagogische Raumfunktionsbuch für die Jahrgangsstufen 1 bis 9 vor, die nicht nur als Lehr- sondern auch als Lebensraum der Schüler und Lehrkräfte gestaltet werden sollen. Jeder Kernlernbereich – einer für jeweils zwei Jahrgangsstufen – beinhaltet neben Klassenräumen auch einen gemeinsamen Lehrerteamraum mit Lehrmitteln, ein Besprechungszimmer, zwei Differenzierungsräume (Räume, in denen Schülerinnen und Schüler vielfältige Arten des Lernens ausprobieren können), Toiletten, Garderoben und einen gemeinsamen Markplatz mit Küchenfunktion und IT-Bereich.

Zusätzlich zu den Kernlernbereichen könnten künftig Fachräume für Kunst, Naturwissenschaft und Haushalt und ein Verwaltungs- und Lehrerbereich in eigenen „Clustern“ sowie Gemeinschaftsbereiche für unter anderem Musik, Theater und Mittagsbetreuung entstehen. Auch ein separat konzipiertes Jugendzentrum des Stadtjugendrings könnte auf dem Schulareal vielfältige Angebote für die Kinder bereitstellen.

Beide Ausschüsse haben am vergangenen Montag einstimmig beschlossen, mit zwei Planungsvarianten – Nachverdichten des Gebäudekomplexes in Richtung Süd/Ost oder Neubau der Grundschule nach Norden und Sanieren der Mittelschule – in den Realisierungswettbewerb auf Grundlage des vorgestellten Pädagogischen Raumfunktionsbuches zu gehen. „Prominent behandelt“ werden sollten dabei aber auch die Themen Sport und Turnhalle, betonte Harald Platz (CSU). Insgesamt zeigten sich die Ausschussmitglieder „überzeugt“ vom Konzept und waren sich einig, dass für die zukünftigen Generationen das beste rausgeholt werden müsse, um für die nächsten 50 bis 60 Jahre gerüstet zu sein. Mit rund 20 Millionen Euro sei für die Sanierungsmaßnahmen zu rechnen, so Mayer.

Lea Stäsche

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